Automobil

Solarstrom im E-Auto: Wann höhere Ladeverluste weniger kosten

Langsames PV-Laden verliert mehr Energie. Ein bedingter Vergleich zeigt, wie Stromwert, Wirkungsgrad und verfügbare Zeit die Betriebsentscheidung verändern.

Von Wolfgang

11. Okt. 20266 Min. Lesezeit

Symbolische Solar- und Netzstrompfade führen über eine Wallbox zu einem Elektroauto

Ein Elektroauto kann beim langsamen Laden mehr Energie verlieren und trotzdem günstiger geladen werden. Der Grund liegt im Wert des eingesetzten Stroms. Überschüssiger Solarstrom vom eigenen Dach wird anders bewertet als zugekaufter Netzstrom. Für die Betriebsentscheidung müssen deshalb drei Größen zusammenpassen: die Energie, die im Akku ankommen soll, der Wert jeder eingesetzten Kilowattstunde und die Zeit bis zur nächsten Fahrt.

Der ADAC-Test vom August 2026 liefert den technischen Ausgangspunkt. Bei fünf Fahrzeugen lagen die Verluste beim simulierten PV-Laden mit 4,1 Kilowatt zwischen 8,0 und 12,8 Prozent. An einer 11-Kilowatt-Wallbox waren es 5,1 bis 7,0 Prozent. Diese Messung erklärt die unterschiedliche Effizienz. Die folgende Rechnung ergänzt einen anderen Blick: Was kostet dieselbe Energiemenge im Akku unter verschiedenen, ausdrücklich angenommenen Bedingungen?

Die faire Vergleichsgröße ist Energie im Akku

Wer nur den Strombezug am Ladepunkt vergleicht, übersieht leicht das Ziel des Vorgangs. Ein Auto soll für die nächste Fahrt eine bestimmte Energie erhalten. Dafür benötigt eine weniger effiziente Ladung mehr Eingangsstrom. Die einfache Beziehung lautet: Benötigte Eingangsenergie gleich gewünschte Akkuenergie geteilt durch den Wirkungsgrad.

Angenommen, es sollen 20 Kilowattstunden im Akku ankommen. Beim ersten Ladeweg betrage der Wirkungsgrad 90 Prozent, beim zweiten 94 Prozent. Das erste System benötigt rechnerisch 22,22 Kilowattstunden, das zweite 21,28. Die Differenz beträgt rund 0,94 Kilowattstunden. Diese Werte sind ein didaktisches Beispiel mit runden Annahmen, keine Messung eines bestimmten Fahrzeugmodells.

Zwei Ladepfade liefern je 20 Kilowattstunden in den Akku; bei angenommenen 90 Prozent werden 22,22 Kilowattstunden benötigt, bei 94 Prozent 21,28
Beide Wege liefern dieselbe Akkuenergie. Der weniger effiziente Weg benötigt mehr Eingangsstrom. Rechenbeispiel mit angenommenen Wirkungsgraden. (Quelle: KI generiert)

Die Formel verhindert auch einen verbreiteten Rechenfehler. Bei zehn Prozent Verlust braucht man für 20 Kilowattstunden im Akku mehr als die bloße Addition von zehn Prozent auf die Zielmenge. Die Verluste beziehen sich in unserem Beispiel auf den Eingang. Erst die Division durch 0,90 ergibt die passende Menge. Unterschiedliche Bezugsgrößen dürfen daher nicht vermischt werden.

Solarstrom hat einen entgangenen Erlös

Eigener Solarstrom wird für einen einzelnen Ladevorgang oft als kostenlos behandelt. Für eine bestehende Anlage ist jedoch die Alternative wichtig: Würde die überschüssige Energie sonst vergütet eingespeist, geht dieser Erlös beim Laden verloren. Die Verbraucherzentrale erklärt den Zusammenhang zwischen Strombezug, Einspeisevergütung und Eigenverbrauch. Welcher Wert im eigenen Fall gilt, hängt von Anlage und Vertrag ab.

Für die Beispielrechnung setzen wir acht Cent je Kilowattstunde als entgangenen Einspeiseerlös und 30 Cent als Netzstrompreis an. Beide Zahlen sind frei gewählte Rechenannahmen. Sie stellen weder einen aktuellen Tarif noch einen gesetzlich zugesicherten Vergütungssatz dar. Außerdem nehmen wir an, dass der gesamte erste Ladevorgang mit echtem Solarüberschuss erfolgt.

Dann beträgt der bewertete Stromaufwand des Solarwegs 22,22 mal acht Cent, also rund 1,78 Euro. Der effizientere Netzweg kommt auf 21,28 mal 30 Cent, also rund 6,38 Euro. Die höhere Verlustmenge des Solarwegs wird hier durch den deutlich niedrigeren Stromwert übertroffen.

Diese Rechnung beantwortet eine Betriebsfrage bei bereits vorhandenen Anlagen. Anschaffung, Installation, Finanzierung und laufende Grundkosten fehlen bewusst. Aus dem Unterschied lässt sich deshalb keine Amortisationsdauer für Photovoltaik, Wallbox oder Energiemanagement ableiten. Dafür wären Umfang und Kosten der gesamten Investition erforderlich.

Die Kostenschwelle lässt sich ausrechnen

Für eine Kilowattstunde im Akku ergeben sich die bewerteten Energiekosten aus Stromwert geteilt durch Wirkungsgrad. Der Solarweg ist in unserem Vergleich günstiger, solange sein Stromwert unter dem Netzpreis mal dem Verhältnis beider Wirkungsgrade liegt. Mit den angenommenen Zahlen lautet die Schwelle: 30 Cent mal 0,90 geteilt durch 0,94, also rund 28,72 Cent.

Diese Schwelle macht die Bedingungen sichtbar. Sinkt der Netzpreis stark oder steigt der alternative Wert des Solarstroms, wird der Abstand kleiner. Bei identischem Stromwert gewinnt der effizientere Weg. Ein Tarif mit günstigen Zeitfenstern kann den Vergleich ebenfalls verschieben. Maßgeblich ist der Preis des tatsächlichen Ladezeitraums, nicht eine davon unabhängige Jahresmittelzahl.

Auch der Solarstrom kann eine andere Verwendung haben. Würde er sonst eine Wärmepumpe oder einen anderen laufenden Verbraucher versorgen, ist allein die entgangene Einspeisung kein vollständiger Vergleich. Die Entscheidung muss dann berücksichtigen, welcher Netzbezug an anderer Stelle entsteht. Derselbe Überschuss kann jeweils nur einmal genutzt werden.

Der Zeitvorrat kann wichtiger werden als der Preisabstand

Bei konstanten 4,1 Kilowatt benötigt die angenommene Eingangsmenge von 22,22 Kilowattstunden rund 5,42 Stunden. Mit 11 Kilowatt wären 21,28 Kilowattstunden rechnerisch in rund 1,93 Stunden bezogen. Das sind idealisierte Zeitrechnungen. Unterbrechungen, wechselnde Leistung und fahrzeugspezifische Begrenzungen sind nicht enthalten.

Wer in zwei Stunden losfahren muss, kann den ersten Weg mit diesen Annahmen nicht vollständig nutzen. Ein niedriger Stromwert ersetzt die fehlende Zeit nicht. Die Verbraucherzentrale zum solaren Laden betont deshalb die zeitgleiche Verfügbarkeit: Ohne Zwischenspeicherung kann Solarstrom nur genutzt werden, wenn er erzeugt wird. Das Fahrzeug muss in diesem Zeitraum angeschlossen sein.

Im Alltag schwankt der Überschuss. Haushaltsverbrauch geht davon ab, Wolken verändern die Erzeugung. Die HTW Berlin untersucht genau diesen Zusammenhang zwischen Fahrzeugnutzung, Anlagenleistung und Ladeverhalten. Geringe Ladeleistung kann schwächere Solarphasen nutzbar machen, verlängert aber den Vorgang und seine Nebenverbraucherzeit.

Eine Wallbox muss dem Überschuss folgen können

Das Ladegerät im Auto wandelt Wechselstrom in Gleichstrom. Währenddessen benötigen weitere Fahrzeugfunktionen Energie. Der ADAC erklärt die höheren relativen Verluste bei niedriger Leistung unter anderem mit der längeren Betriebsdauer. Die richtige Strategie hängt deshalb von Fahrzeug und Ladesituation ab; die gemessenen Prozentwerte sind keine universellen Konstanten.

Hinzu kommt die Regelung der Wallbox. In der Wallbox-Inspektion 2025 untersuchten HTW Berlin und Fraunhofer ISE, wie schnell und genau Systeme auf wechselnden Überschuss reagieren. Das Labor prüft hier eine andere Eigenschaft als der Fahrzeugvergleich des ADAC. Eine präzise Regelung kann unerwünschten Netzbezug begrenzen, während der Wirkungsgrad des Fahrzeugladens weiterhin relevant bleibt.

Wird dem Solarweg während des Vorgangs Netzstrom zugemischt, muss dessen Preis anteilig eingehen. Statt des angenommenen reinen Solarwerts erhält man einen gemischten Stromwert. Bei wechselnder Effizienz sind mehrere Zeitabschnitte getrennt zu betrachten. Die einfache Schwellenrechnung bleibt eine Orientierung, ihre Eingaben müssen aber die tatsächliche Situation beschreiben.

Eine Kombination lässt sich mit denselben Annahmen nachvollziehen. Werden zunächst zehn Kilowattstunden Akkuenergie über den Solarweg und später zehn über den Netzweg geladen, ergeben sich rund 0,89 Euro plus 3,19 Euro, zusammen 4,08 Euro. Bei den konstant angenommenen Leistungen wären dafür etwa 2,71 und 0,97 Stunden nötig. Die einzelnen Zeitfenster müssten verfügbar sein; eine automatische Einsparung folgt daraus nicht.

Solches Nachladen verbindet Flexibilität mit einer festen Abfahrtsanforderung. Die günstige Energie kann zuerst genutzt werden, während die verbleibende Zielmenge rechtzeitig ergänzt wird. Ein vollständig gefüllter Akku ist dabei nur dann die richtige Bezugsgröße, wenn er für die geplante Nutzung tatsächlich gebraucht wird. Für den Vergleich zweier Strategien muss das gewählte Ladeziel allerdings gleich bleiben, sonst erklären unterschiedliche Energiemengen einen Teil des scheinbaren Vorteils.

Was sich aus dem Vergleich ableiten lässt

Die höhere Ladeeffizienz ist eine technische Stärke, der günstigere Stromwert ein wirtschaftlicher Vorteil. Welcher Weg insgesamt passt, entscheidet sich am gleichen Ziel: genug Energie im Akku zur erforderlichen Zeit. Das Beispiel zeigt, weshalb eine zusätzliche Verlustmenge allein eine Solarstrategie nicht bewertet.

Für einen belastbaren persönlichen Vergleich braucht man Akkuenergie, bezogene Ladeenergie, tatsächlichen Netzanteil und den jeweils passenden Stromwert. Fehlt eine dieser Größen, bleibt die Rechnung bedingt. Die praktische Frage lautet daher, ob ausreichend echter Überschuss im verfügbaren Zeitfenster den höheren Energiebedarf trägt. Erst mit dieser Verbindung wird aus einer einzelnen Verlustzahl eine brauchbare Ladeentscheidung.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.