Wärmepumpe Stromverbrauch: Rechnung und Messung

Wärmepumpe: So viel Strom verbraucht sie wirklich

Wie viel Strom braucht eine Wärmepumpe im Jahr? Offene Rechnung für drei Häuser mit Fraunhofer-Felddaten, dazu Formel, Mess-Tipps und typische Warnsignale.

Von Wolfgang

12. Okt. 20268 Min. Lesezeit

Stromzähler und Außengerät einer Luft-Wasser-Wärmepumpe an einem Einfamilienhaus bei winterlichem Tageslicht
Stromzähler und Außengerät einer Luft-Wasser-Wärmepumpe an einem Einfamilienhaus bei winterlichem Tageslicht

Wie viel Strom braucht eine Wärmepumpe im Jahr? Die Antwort hängt vom Wärmebedarf und der Jahresarbeitszahl ab. Wir rechnen drei Häuser offen durch und zeigen, wie Sie den Verbrauch selbst prüfen.

Viele Haushalte wollen vor dem Einbau wissen, wie hoch der Stromverbrauch einer Wärmepumpe wirklich ausfällt. Die Formel ist kurz. Der jährliche Wärmebedarf geteilt durch die Jahresarbeitszahl ergibt die Kilowattstunden Strom. Was das in der Praxis bedeutet, zeigen Feldmessungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE und eine eigene Rechnung für drei Beispielhäuser.

Kurz gesagt

Stromverbrauch = Wärmebedarf ÷ Jahresarbeitszahl. In 49 gemessenen Luft-Wasser-Anlagen lag die Jahresarbeitszahl 2024 im Mittel bei 3,4. Für ein teilsaniertes Haus mit 140 Quadratmetern und dem Fraunhofer-Median von 97 Kilowattstunden Wärme je Quadratmeter ergeben sich rund 4.000 Kilowattstunden Strom im Jahr. Im unsanierten Beispiel sind es gut 7.400 Kilowattstunden. Den Verbrauch senken vor allem eine niedrige Vorlauftemperatur und ein geringer Heizstabeinsatz. Messen lässt sich das mit eigenem Zähler und Wärmemengenzähler.

Die Formel für den Jahresverbrauch

Die Verbraucherzentrale nennt einen groben Richtwert. Teilen Sie Ihren bisherigen Heizenergieverbrauch in Kilowattstunden durch die erwartete Jahresarbeitszahl. Als Beispiel nennt sie den Wert 3. Dieselbe Logik steckt in der genauen Formel. Wärmebedarf geteilt durch Jahresarbeitszahl ergibt den Strombedarf.

Wer bisher mit Gas geheizt hat, findet den Heizenergieverbrauch oft auf der Jahresabrechnung. Ölverbrauch lässt sich grob in Kilowattstunden umrechnen, wenn der Heizwert bekannt ist. Die geschätzte Wärmemenge ist nur ein Startwert. Speicherverluste, Warmwasser und der Nutzungsgrad der alten Heizung können die Zahl verschieben. Die spätere Messung bleibt entscheidend.

Die Jahresarbeitszahl, kurz JAZ, sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme die Anlage im Jahresmittel aus einer Kilowattstunde Strom macht. Den Rest liefert die Außenluft oder das Erdreich. Was hinter der Kennzahl steckt, erklärt unser Beitrag Was ist die Jahresarbeitszahl?. Wie die Technik grundsätzlich arbeitet, steht im Grundlagenstück Wärmepumpe einfach erklärt.

Wichtig ist die Bilanzgrenze. Die Fraunhofer-Werte hier beziehen sich auf die Erzeugerarbeitszahl direkt hinter der Pumpe. Für das ganze System mit Speicher und Leitungen liegt die Arbeitszahl laut Bericht im Schnitt rund 15 Prozent niedriger. Dann steigt der Strombedarf entsprechend.

Was Fraunhofer in echten Häusern gemessen hat

Das Fraunhofer ISE hat vier Jahre lang 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern überwacht. Das älteste Gebäude stammt von 1826. Im Jahr 2024 erreichten 49 Luft-Wasser-Wärmepumpen im Mittel eine JAZ von 3,4. Die schwächste kam auf 2,6, die beste auf 4,9. Erdwärmepumpen lagen im Mittel bei 4,3.

Der spezifische Wärmeverbrauch für Raumheizung und Warmwasser lag in 68 Gebäuden zwischen 32 und 200 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr. Der Median betrug 97. Etwa 81 Prozent der abgegebenen Wärme gingen in die Raumheizung. Rund 19 Prozent entfielen auf die Trinkwassererwärmung.

Elektroheizstäbe hatten im Mittel nur einen geringen Anteil am Strom. Bei den Luft-Wasser-Anlagen waren es rund 1,3 Prozent der elektrischen Arbeit von Verdichter und Heizstab. Ohne bivalente Systeme lag der Wert bei etwa 1,6 Prozent. Einzelne Ausreißer mit hohem Heizstabeinsatz beruhten laut Bericht auf Störungen oder Fehlern in der Parametrierung. 84 Prozent der Anlagen hatten einen Heizstab als Backup.

Das Baujahr hatte keinen messbaren Einfluss auf die Effizienz. Entscheidend war die Vorlauftemperatur. Das ist die Temperatur, mit der das Heizwasser zu den Heizflächen fließt. Laut Bericht können ausreichend große Heizkörper mit ähnlich niedrigen Temperaturen auskommen wie eine Fußbodenheizung. In einer Teilauswertung lag die mittlere Heizkreistemperatur bei Flächenheizung bei rund 32 Grad. Bei Heizkörpern waren es rund 38,5 Grad.

Die Rechnung für drei Beispielhäuser

Wir rechnen mit drei Häusern zu je 140 Quadratmetern Wohnfläche. Haus A ist gut gedämmt und braucht 50 Kilowattstunden Wärme pro Quadratmeter und Jahr. Haus B ist teilsaniert und liegt beim Fraunhofer-Median von 97. Haus C ist unsaniert und braucht 180. Die Werte für A und C sind eigene Annahmen innerhalb der gemessenen Spanne von 32 bis 200. Alle Werte enthalten Heizung und Warmwasser.

Als Jahresarbeitszahl setzen wir das Fraunhofer-Mittel 3,4 an. Zusätzlich zeigen wir die schwache Feld-JAZ 2,6. Zur Orientierung kommen die beste Luft-Anlage mit 4,9 und das Erdwärme-Mittel 4,3 hinzu. Annahmen und Ergebnisse sind offengelegt.

Annahme und Ergebnis pro Jahr Haus A gut gedämmt Haus B teilsaniert Haus C unsaniert
Wärmebedarf 7.000 kWh 13.580 kWh 25.200 kWh
davon Raumheizung (81 %) 5.670 kWh 11.000 kWh 20.412 kWh
davon Warmwasser (19 %) 1.330 kWh 2.580 kWh 4.788 kWh
Strom bei JAZ 3,4 2.059 kWh 3.994 kWh 7.412 kWh
Strom bei JAZ 2,6 2.692 kWh 5.223 kWh 9.692 kWh
Strom bei JAZ 4,9 1.429 kWh 2.771 kWh 5.143 kWh
Strom bei Erdwärme JAZ 4,3 1.628 kWh 3.158 kWh 5.860 kWh
Strom bei System-AZ ~2,89 2.422 kWh 4.699 kWh 8.720 kWh

Eigene Rechnung, Stand 12.10.2026. Formel Strom = Wärme ÷ JAZ. Quellen der Annahmen siehe unten. Die System-AZ von rund 2,89 ist die Näherung 3,4 × 0,85 nach dem Fraunhofer-Hinweis zu Bilanzgrenze 5.

Im teilsanierten Haus B liegen also rund 4.000 Kilowattstunden Strom im Jahr nahe am Fraunhofer-Mittel. Fällt die JAZ auf 2,6, steigt der Bedarf auf gut 5.200 Kilowattstunden. Rechnet man mit der Systemarbeitszahl statt der Erzeugerarbeitszahl, liegen in Haus B knapp 4.700 Kilowattstunden.

Eine eigene Monatsverteilung der Kilowattstunden nennen wir nicht. Der Fraunhofer-Bericht zeigt Monatsarbeitszahlen, aber keine Anteile am Jahresstrom. Klar ist die Richtung. Im Winter sinkt die Arbeitszahl. Zugleich steigt der Wärmebedarf. Der Großteil des Jahresstroms fällt deshalb in die kalte Jahreszeit. Wer nur Sommerwerte kennt, unterschätzt den Verbrauch.

Der typische Heizstabanteil bleibt im Mittel klein. Bei JAZ 3,4 wären das in Haus B rechnerisch rund 50 Kilowattstunden im Jahr. Steigt der Heizstab auf einen zweistelligen Prozentanteil, ändert sich das Bild sofort. Dann lohnt der Blick auf Störungen und die Parametrierung.

Was den Verbrauch nach oben treibt

Vier Faktoren zählen besonders. Erstens die Vorlauftemperatur. Je höher sie sein muss, desto mehr Strom braucht die Pumpe für dieselbe Wärmemenge. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz nennt als Faustregel, die Vorlauftemperatur möglichst ganzjährig unter 55 Grad zu halten.

Zweitens der Wärmebedarf des Hauses. Dämmung, Fenster und Lüftung bestimmen, wie viel Wärme nötig ist. In unserer Tabelle steigt der Strombedarf von Haus A zu Haus C bei gleicher JAZ stark an. Ursache ist der höhere Wärmebedarf.

Drittens Warmwasser und Heizstab. Warmwasser braucht höhere Temperaturen als die Raumheizung. Der Anteil von rund 19 Prozent an der Wärme ist deshalb für die Effizienz relevant. Ein dauerhaft laufender Heizstab treibt den Stromverbrauch stark. Im Fraunhofer-Mittel war er gering. Bei Störungen kann er aber zum Hauptverbraucher werden.

Viertens die Außentemperatur. Luft-Wasser-Anlagen arbeiten im Winter weniger effizient. Bei 22 über mehrere Jahre betrachteten Luft-Wasser-Anlagen reichten die Monatsarbeitszahlen von 2,7 im Dezember 2022 bei zwei Grad mittlerer Außenluft bis 3,8 im Oktober bei 13 Grad. Im Januar lag die durchschnittliche JAZ in einer Auswertung bei 2,9. Gleichzeitig steigt im Winter der Wärmebedarf. Beides zusammen erhöht den Stromverbrauch in den kalten Monaten.

So messen Sie den Verbrauch selbst

Eine Schätzung ersetzt keine Messung. Die Verbraucherzentrale empfiehlt einen Wärmemengenzähler. Er zeigt, wie viel Wärme die Anlage geliefert hat. Diese Zahl geteilt durch den Stromverbrauch ergibt die tatsächliche Jahresarbeitszahl.

Den Strom lesen Sie am besten an einem eigenen Zähler für die Wärmepumpe ab. Viele Anlagen haben zusätzlich interne Zähler und eine App. Wie Sie Zählerstände grundsätzlich erfassen, erklärt unser Beitrag Stromzähler ablesen.

Sinnvoll ist ein Blick über mindestens zwölf Monate. Dann sind Sommer und Winter enthalten. Notieren Sie parallel die Vorlauftemperatur und auffällige Heizstabphasen. Ein Monatsraster reicht oft aus. Wochenwerte helfen, wenn die App sie ohnehin anzeigt.

Weicht die gemessene JAZ klar vom Planungswert ab, lohnt die Prüfung durch Fachbetrieb oder Energieberatung. Typische Stellschrauben sind Heizkurve, Warmwasser-Solltemperatur, Zirkulation und die Einbindung von Speichern. Vor dem Einbau hilft unsere Checkliste Passt eine Wärmepumpe zu meinem Haus?.

Was normal ist und wann Sie handeln sollten

Die Verbraucherzentrale sieht ab einer JAZ von mindestens 3 eine effiziente Wärmepumpe. Luftwärmepumpen liegen laut ihrer Darstellung oft zwischen 3 und 4. Das Fraunhofer-Mittel von 3,4 für Luft-Wasser-Anlagen liegt in diesem Korridor. Werte dauerhaft unter 2,6 waren in der Feldstudie die schwächste gemessene Luft-Anlage. Dort ist eine Ursachenprüfung sinnvoll.

Warnsignale sind ein stark steigender Jahresstrom ohne höheren Wärmebedarf. Dazu gehören ein Heizstab, der über Monate einen großen Anteil liefert, und Vorlauftemperaturen weit über dem Plan. Auch häufiges Takten und ungeklärte Störungen zählen dazu. Die Broschüre der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz weist auf einen weiteren Punkt hin. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die nur 60 Prozent der Norm-Heizlast abdeckt, kann laut VDI 4650 dennoch rund 98 Prozent des Jahreswärmebedarfs liefern. Sehr kalte Tage sind selten. Ein hoher Heizstabeinsatz an wenigen Tagen ist deshalb noch kein Jahresproblem. Ein hoher Heizstabeinsatz über viele Wochen schon.

Was das für die Kosten bedeutet

Mit dem BDEW-Haushaltsstrompreis von bisher 37,0 Cent je Kilowattstunde liegen die reinen Stromkosten in unserer Rechnung bei JAZ 3,4 zwischen rund 760 Euro in Haus A und rund 2.740 Euro in Haus C. Das ist nur eine Grobeinordnung. Wärmepumpentarife, Grundpreise, Zählerschrank und Förderung ändern die Rechnung deutlich. Diese Punkte stehen im Beitrag Wärmepumpe 2026: Was sie kostet und was der Staat zahlt getrennt dargestellt. Die Preislogik gegenüber Gas erklärt außerdem Wärmepumpe oder Gas.

Für den Alltag zählt zuerst die Kilowattstunde. Wer Wärmebedarf und JAZ kennt und beides misst, kann den Stromverbrauch einer Wärmepumpe einordnen, bevor die Jahresrechnung überrascht. Die Kostenfrage folgt danach und gehört in den eigenen Tarif- und Förderkontext.

Quellen

  • Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE: WP-QS im Bestand, Schlussbericht 25.11.2025.
  • Verbraucherzentrale.de: Wärmepumpe: Alles, was Sie wissen müssen (Artikel 5439).
  • Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: Broschüre Wärmepumpen.
  • BDEW: Strompreisanalyse August 2026.
  • Eigene Rechnung auf Basis der genannten Annahmen, Stand 12.10.2026.

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.