Ein Arbeitsvertrag, ein Gehalt – und trotzdem noch ein Zimmer bei den Eltern. Das ist kein Widerspruch. Nach Destatis-Daten für 2025 waren 77 Prozent der 25- bis 34-Jährigen, die in Deutschland im Elternhaushalt lebten, erwerbstätig. Ein Job ist also nicht automatisch der Schlüssel zur eigenen Wohnung. Wie viel ein Mensch verdient, wo er arbeiten oder studieren will und was eine Wohnung dort kostet, bleibt in dieser Zahl allerdings offen.
Zwei Zahlen, zwei verschiedene Fragen
Das neue Eurostat-Jahrbuch zu den Lebensbedingungen betrachtet Menschen zwischen 18 und 34 Jahren in der gesamten EU. Knapp die Hälfte von ihnen hatte 2025 einen Bezug zum Elternhaushalt; in Deutschland waren es 32,1 Prozent. Von der so erfassten EU-Gruppe arbeiteten 36,7 Prozent Vollzeit und 7,2 Prozent Teilzeit. Die Elternhausquote zählt auch junge Erwachsene, die für Arbeit oder Studium zeitweise anderswo wohnen, aber zum Einkommen des elterlichen Haushalts beitragen oder von ihm profitieren. Sie ist daher keine reine Zählung dauerhaft bewohnter Kinderzimmer.
Die deutsche Mikrozensus-Auswertung fragt enger nach 25- bis 34-Jährigen, die tatsächlich bei ihren Eltern wohnen. Ihre 77 Prozent Erwerbstätige lassen sich deshalb nicht gegen die EU-Vollzeitquote von 36,7 Prozent aufrechnen. Es sind andere Altersgruppen, Definitionen und Erwerbskategorien. Zusammen zeigen die Befunde etwas Einfaches: Berufstätigkeit und ein gemeinsamer Haushalt mit den Eltern sind keine Gegensätze. Ob jemand aus freien Stücken bleibt oder keine bezahlbare Alternative findet, erfassen diese Quoten nicht.

Warum frühes Ausziehen kein Entwarnungssignal ist
Deutschland liegt beim Auszug sogar unter dem europäischen Durchschnitt: Im Jahr 2025 verließen junge Menschen hier nach Eurostat-Berechnungen, die Destatis wiedergibt, das Elternhaus im Mittel mit 24,1 Jahren; in der EU waren es 26,3 Jahre. Wer daraus auf einen entspannten deutschen Wohnungsmarkt schließt, übersieht den nächsten Schritt. Mit dem Auszug wird aus einem Zimmer im gemeinsamen Haushalt eine eigene Rechnung für Miete, Nebenkosten und Alltag.
Ein Eurostat-Vergleich zu den Wohnbedingungen junger Menschen zeigt für 2024: EU-weit lebten 9,7 Prozent der 15- bis 29-Jährigen in Haushalten, deren Wohnkosten mehr als 40 Prozent des verfügbaren Einkommens ausmachten; in der Gesamtbevölkerung waren es 8,2 Prozent. In mehreren Ländern mit frühem Auszug, darunter Deutschland und Dänemark, lag die Belastung junger Menschen vergleichsweise hoch. Das ist kein Beweis, dass der Auszug die Belastung verursacht. Es macht aber einen möglichen statistischen Effekt sichtbar: Wer noch bei den Eltern wohnt, muss die Kosten einer eigenen Wohnung nicht tragen; wer ausgezogen ist, kann gerade daran finanziell schwer zu tragen haben.
Der Gegenfall verhindert die einfache Erklärung
Eine einzige Regel für Europa gibt es nicht. Der Eurostat-Vergleich nennt Griechenland als Gegenfall: Junge Menschen ziehen dort im Schnitt spät aus, und trotzdem ist ihre Wohnkostenüberlastung hoch. Zudem unterscheiden sich Ausbildung, Familienleben, Einkommen und Wohnungsangebot zwischen Ländern. Die Querschnittsdaten trennen ihre Einflüsse nicht sauber voneinander.
Darum beantworten die Zahlen weder, ob ein bestimmter 28-Jähriger bei den Eltern bleiben muss, noch, ob ein früher Auszug finanziell leicht fällt. Sie verändern aber die Frage, die man an den Wohnungsmarkt stellt. Die Quote der Erwachsenen im Elternhaus zeigt, wer noch keinen eigenen Haushalt führt. Die Wohnkostenquote zeigt, wie schwer das für manche ist, die bereits einen gegründet haben. Erst beide Blicke zusammen machen verständlich, warum ein Job allein wenig über den Weg in die eigene Wohnung verrät.
Quellen
- Eurostat: Key figures on European living conditions – 2026 edition, 17. September 2026.
- Statistisches Bundesamt: 30 % der 25-Jährigen wohnten 2025 noch im Haushalt der Eltern, 1. Juli 2026.
- Eurostat: Young people – housing conditions, Datenstand 2024.
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