Ein Jahr mit wenigen Unwetterschäden klingt nach einem Jahr, in dem Häuser sicherer waren. 2025 war die Bilanz der deutschen Versicherer tatsächlich vergleichsweise ruhig; auch im ersten Halbjahr 2026 blieben große Winterstürme aus. Doch aus einer nationalen Schadenssumme lässt sich nicht ablesen, ob Wasser beim nächsten Starkregen in einen bestimmten Keller gelangt. Sie zeigt zunächst, was Versicherer für gemeldete und versicherte Schäden aufbringen mussten. Die Gefahr vor Ort und die Frage, wer einen Schaden bezahlen würde, sind zwei weitere Rechnungen.
Die Ruhe hat eine Zeitangabe
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bezifferte die versicherten Naturgefahrenschäden in der Sachversicherung 2025 auf rund 1,4 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es 4,7 Milliarden Euro. Der Unterschied erzählt vor allem von den Ereignissen dieser beiden Jahre: 2024 trafen schwere Überschwemmungen Süddeutschland, 2025 blieb ein vergleichbares Großereignis aus. Für das erste Halbjahr 2026 meldete der Verband 950 Millionen Euro versicherte Naturgefahrenschäden einschließlich der Kraftfahrtversicherung, ungefähr so viel wie im Vorjahreszeitraum. Innerhalb der Sachversicherung verdoppelten sich dabei die Schäden durch weitere Elementargefahren wie Starkregen und Überschwemmung von 100 auf rund 200 Millionen Euro. „Ruhig“ beschreibt also weder alle Gefahren gleich noch das gesamte Jahr 2026.
Ein einzelner Sommer kann die Jahresbilanz drehen. Das Umweltbundesamt (UBA) weist darauf hin, dass einzelne extreme Ereignisse die Zeitreihe prägen. In seiner auf den Versicherungsbestand und die Preise von 2021 umgerechneten Reihe erkennt es bislang keinen statistisch signifikanten Trend bei Sturm, Hagel oder Elementarschäden. Der GDV verweist dagegen auf höhere Zehnjahresmittel bei Elementarschäden. Diese Aussagen sind kein einfacher Widerspruch: Ein Vergleich zweier Durchschnitte ist etwas anderes als ein statistischer Trendtest mit angeglichener Preis- und Bestandsbasis. Aus der aktuellen Bilanz allein folgt weder Entwarnung noch eine messbare Zunahme für jedes Haus.
Was außerhalb der Rechnung liegt
Die Versicherungsstatistik hat eine zweite Grenze: Sie erfasst Ansprüche aus bestehenden Verträgen, nicht alle privaten Verluste. Sturm und Hagel gehören laut GDV üblicherweise zur Wohngebäudeversicherung. Für Überschwemmung und Starkregen braucht es dagegen einen zusätzlichen Elementarbaustein. Den hatten 2025 rund 59 Prozent der Wohngebäude. Die übrigen rund 41 Prozent sind deshalb nicht automatisch gegen jedes Unwetter unversichert; ihnen fehlt nach dieser Statistik der umfassende Elementarschutz. Ein überfluteter Keller ohne solchen Vertrag taucht nicht als ausgezahlter Elementarschaden in der Versicherungsbilanz auf.
Mehr Versicherung kann die gemeldete Schadenssumme sogar beeinflussen, ohne dass es häufiger regnet: Wenn mehr Gebäude gedeckt sind, können mehr Schäden als Versicherungsleistungen erscheinen. Umgekehrt können niedrige Zahlungen eine Lücke im Schutz verdecken. Die GDV-Quote stieg von 41 Prozent 2017 auf 57 Prozent 2024 und lag 2025 bei etwa 59 Prozent. Daraus lässt sich keine Ursache für eine konkrete Jahresschadenssumme berechnen; dafür wären Ereignisse, Gebäudewerte und Vertragsbestand gemeinsam zu untersuchen. Die Quote erklärt, weshalb „versichert“ und „insgesamt entstanden“ nicht dasselbe sind.
Ein Vertrag hält kein Wasser auf
Der naheliegende Einwand lautet: Wenn mehr Häuser versichert werden, ist die Lücke doch geschlossen. Finanziell kann eine Police im Schadenfall entscheidend sein. Physisch verhindert sie keine Überflutung. Das UBA nennt Rückstauschutz, gesicherte Kelleröffnungen, funktionierende Entwässerung, Versickerung und Gefahrenkarten als unterschiedliche Teile der Vorsorge. Welche davon sinnvoll sind, hängt von Lage, Gebäude und örtlichem Abflussweg ab. Der UBA-Starkregenindikator zeigt zudem, wie stark einzelne Jahre und betroffene Siedlungsflächen auseinanderliegen; die Radardaten erlauben bislang keine einfache Aussage, dass jeder Ort gleich betroffen wäre.
Die ruhige Versicherungsbilanz ist somit eine genaue Antwort auf eine enge Frage: Was wurde in diesem Zeitraum für versicherte Schäden fällig? Wer wissen will, was sie für ein Haus bedeutet, muss zwei andere Fragen stellen: Welche Wasserwege und Schutzmaßnahmen gibt es am Standort? Und welche Schäden sind im eigenen Vertrag tatsächlich gedeckt? Erst zusammen trennen diese Antworten Wetterglück, Gebäuderisiko und finanzielle Vorsorge.
Quellen
- GDV: Sachversicherung – Naturgefahren haben 2025 Schäden in Höhe von 1,4 Milliarden Euro verursacht, 30. April 2026.
- GDV: 950 Millionen Euro Schäden durch Naturgefahren im ersten Halbjahr 2026, 1. September 2026.
- GDV: Versicherungsquote bei Elementarschadenversicherung steigt kontinuierlich, aktualisiert 10. Oktober 2025.
- Umweltbundesamt: Schadenaufwand in der Sachversicherung, Monitoring der Deutschen Anpassungsstrategie.
- Umweltbundesamt: Starkregen im Siedlungsbereich, Monitoring der Deutschen Anpassungsstrategie.
- Umweltbundesamt: Anpassung – Handlungsfeld Bauwesen, aktualisiert 11. Januar 2022.
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