Wirtschaft

Günstiger eingekauft: Warum das noch keine Entwarnung bei Preisen ist

Wer beim Einkauf weniger bezahlt, profitiert nicht immer von gesunkenen Ladenpreisen. Eine neue Untersuchung zeigt, warum auch das eigene Verhalten den Durchschnitt verändert.

Von Wolfgang

21. Sep. 20264 Min. Lesezeit

Günstiger eingekauft: Warum das noch keine Entwarnung bei Preisen ist

Ein günstigerer Einkauf kann eine gute Nachricht sein. Er kann aber auch zeigen, wie viel ein Haushalt inzwischen umstellt, um mit seinem Geld auszukommen. Wer häufiger Angebote abwartet, bezahlt im Durchschnitt weniger, obwohl der Laden seine normalen Preise gar nicht gesenkt haben muss. Genau diese Unterscheidung rückt eine neue Untersuchung aus Norwegen in den Blick.

Die interessante Frage lautet deshalb: Ist das Einkaufen leichter geworden, oder haben sich die Käufer stärker angepasst? Auf dem Kassenbon kann beides ähnlich aussehen. Für die Beurteilung von Kaufkraft ist es ein erheblicher Unterschied.

Wie der Durchschnitt sinkt, obwohl die Preise bleiben

Stellen wir uns einen Laden vor, in dem dieselbe Packung Milch normalerweise drei Euro kostet und im Angebot zwei Euro. Diese beiden Preise bleiben in unserem Gedankenexperiment unverändert.

Ein Haushalt kauft zunächst acht Packungen zum normalen Preis und zwei im Angebot. Für zehn Packungen zahlt er 28 Euro, im Durchschnitt also 2,80 Euro. Später dreht er das Verhältnis um: zwei Packungen zum normalen Preis, acht im Angebot. Jetzt sind es 22 Euro und durchschnittlich 2,20 Euro pro Packung. Weder Produkt noch Menge haben sich verändert. Geändert hat sich, wann der Haushalt zugreift.

Das ist ein erfundenes Rechenbeispiel, kein Studienergebnis. Es zeigt jedoch, warum der tatsächlich bezahlte Durchschnittspreis nicht allein vom Preisschild abhängt. Auch die Verteilung der Käufe auf teure und günstige Gelegenheiten bestimmt ihn.

Zwei hypothetische Einkäufe mit denselben Preisen von drei und zwei Euro ergeben je nach Angebotsanteil Durchschnittspreise von 2,80 und 2,20 Euro.
KI-generiertes Schema: Rechenbeispiel mit zehn identischen Packungen je Einkauf, keine gemessenen Studiendaten.

Was die norwegische Untersuchung hinzufügt

Das am 6. September 2026 veröffentlichte CEPR-Diskussionspapier von Aursland und Kollegen verbindet Einkaufshistorien von 100.000 Haushalten mit wöchentlichen Ladenpreisen. Ausgangspunkt ist der Ölpreisverfall von 2014, der norwegische Regionen unterschiedlich über den Arbeitsmarkt traf.

Nach dem öffentlich zugänglichen Abstract erklären die Autoren den Rückgang der gezahlten Preise vor allem damit, dass Haushalte Käufe stärker auf vorübergehende Angebote verlagerten. Die Preisanpassung der Händler machte einen kleineren Teil aus. Damit unterscheidet die Arbeit zwei Vorgänge, die in einem einzigen Durchschnittswert verschwimmen können: Was der Handel verlangt und welche Angebote Menschen tatsächlich nutzen.

Die Detailmethodik des neuen Papiers war für diese Analyse nicht vollständig zugänglich. Deshalb werden hier weder genaue Wirkungsanteile übernommen noch kausale Schätzungen auf Deutschland übertragen. Der Befund betrifft einen historischen norwegischen Abschwung, nicht die deutschen Supermarktpreise im September 2026.

Weniger ausgeben heißt nicht automatisch schlechter essen

Die Gegenprobe führt nach Großbritannien. Eine Originalstudie von Rachel Griffith, Martin O’Connell und Kate Smith, online 2015 veröffentlicht, untersuchte Lebensmitteleinkäufe während der Finanzkrise. Sie verglich unter anderem die Zeiträume 2005 bis 2007 und 2010 bis 2012. Haushalte suchten stärker nach günstigen Gelegenheiten und veränderten die Zusammensetzung ihrer Einkäufe.

Im Durchschnitt konnten sie die gekaufte Kalorienmenge weitgehend halten; auch die untersuchte Nährwertqualität verschlechterte sich nicht. Das widerspricht der vorschnellen Annahme, ein kleineres Lebensmittelbudget müsse im selben Maß weniger oder schlechteres Essen bedeuten. Es beweist allerdings weder unveränderte Gesundheit noch eine gute Versorgung jeder einzelnen Familie.

Ebenso wenig bedeutet eine solche Anpassung, dass nichts verloren geht. Wer eine bevorzugte Marke aufgibt oder mehr Mühe in die Suche steckt, kann am Ende ähnlich viel Essen nach Hause tragen und trotzdem schlechter gestellt sein. Diese Einordnung folgt aus dem Unterschied zwischen Ausgaben und Lebensstandard; sie ist keine gemessene Belastungszahl der norwegischen Untersuchung. Die britische Studie liefert einen Vergleichsmechanismus, keine Wiederholung desselben Experiments.

Was Kassendaten verraten müssen

Für die Preisbeobachtung sind digitale Kassendaten deshalb zugleich hilfreich und anspruchsvoll. Das Statistische Bundesamt beschreibt Scannerdaten als Informationen über Umsatz, Absatz und verkaufte Artikel. Zusammengefasste Verkaufsdaten ermöglichen eine breitere Beobachtung; ihre Nutzung verlangt aber methodische Entscheidungen.

Die Schlussfolgerung ist nicht, dass die amtliche Inflationsrate falsch sei. Vielmehr muss klar sein, welche Frage eine Zahl beantwortet. Geht es um vergleichbare Ladenpreise, um tatsächlich bezahlte Preise oder um die gesamten Ausgaben eines Haushalts? Unser Milchbeispiel liefert auf diese drei Fragen unterschiedliche Antworten, ohne dass eine Rechnung falsch wäre.

Ein günstigerer Einkauf bleibt eine reale Ersparnis. Zur Entwarnung über die wirtschaftliche Lage wird er erst, wenn wir auch verstehen, wodurch sie entstanden ist. Der Bon nennt den Betrag. Wie leicht oder mühsam er zustande kam, steht nicht darauf.

Titelbild: KI-generiertes Symbolbild eines Lebensmitteleinkaufs.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.