Wirtschaft

EZB-Umfrage: Verbraucher erwarten wieder stärkere Preissteigerungen

Die neue EZB-Befragung zeigt einen veränderten Blick auf künftige Preise. Wer die Werte einordnen will, muss Erwartungen von der gemessenen Teuerung unterscheiden.

Von Wolfgang

20. Sep. 20262 Min. Lesezeit

EZB-Umfrage: Verbraucher erwarten wieder stärkere Preissteigerungen

Wie viel teurer wird das Leben? In der neuen Verbraucherumfrage der Europäischen Zentralbank rechnen die Befragten wieder mit stärkeren Preissteigerungen. Für die nächsten zwölf Monate liegt die mittlere Erwartung bei 3,0 Prozent, nach 2,9 Prozent im Juli. Die am 18. September veröffentlichten Ergebnisse stammen aus der August-Befragung. Sie zeigen, was Menschen erwarten, nicht, wie sich die Preise tatsächlich entwickeln werden.

Auch der längere Blick hat sich verschoben: Für die Inflationsrate in drei Jahren stieg der Wert von 2,7 auf 2,9 Prozent, für die Rate in fünf Jahren von 2,4 auf 2,5 Prozent. Das sind Erwartungen für unterschiedliche Zeitpunkte, keine zusammengerechneten Preissteigerungen bis dahin.

Was hinter der mittleren Erwartung steckt

Die genannten Werte sind Mediane. Stellen wir uns die Antworten der Größe nach aufgereiht vor: Der Median beschreibt die Mitte dieser Verteilung. Das ist etwas anderes als ein Durchschnitt, bei dem sehr hohe Einzelwerte stärker ins Gewicht fallen können. Die EZB berechnet diese Mitte mit einer Gewichtung und einem mathematischen Zwischenwertverfahren. Der Methodikleitfaden erläutert, wie sie die Antworten zusammenführt.

Drei Zahlenpaare zeigen gestiegene Inflationserwartungen von Juli zu August 2026 für zwölf Monate, drei Jahre und fünf Jahre.
KI-generierte Darstellung der veröffentlichten EZB-Werte. Die Pfeile vergleichen zwei Befragungsmonate; sie zeigen keinen gemessenen Preisverlauf.

Die monatliche Onlinebefragung umfasst derzeit rund 19.000 Erwachsene aus elf Euro-Ländern, darunter Deutschland. Die jüngste Erhebung lief vom 6. bis 24. August. Die Ergebnisse sind damit ein zusammengefasstes Erwartungsbild, keine Prognose der EZB-Gremien.

Der Kassenbon beantwortet eine andere Frage

Wer wissen möchte, was bereits teurer geworden ist, braucht die Preisstatistik. Eurostat meldete am 17. September für den Euroraum eine August-Inflation von 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Juli waren es 2,9 Prozent gewesen. Die erste August-Schätzung hatte noch 3,3 Prozent betragen; sie wurde inzwischen korrigiert.

Der Unterschied ist ähnlich dem zwischen einem Kassenbon und einer Einkaufsliste für das kommende Jahr: Der eine hält Vergangenes fest, die andere enthält Annahmen. Auch die geografische Grundlage ist verschieden. Die aktuelle Preisstatistik umfasst 21 Euro-Länder, die Befragung elf. Aus den nebeneinanderstehenden Zahlen lässt sich deshalb weder eine Fehlprognose noch der Preis des nächsten Wocheneinkaufs ablesen. Die neue Nachricht liegt im veränderten Blick nach vorn.

Das Titelbild ist ein KI-generiertes Symbolbild.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.