Aus einer Landschaft, in der jahrzehntelang Kohle gewonnen wurde, könnte einmal ein Speicher für Wärme werden. Ein europäisches Forschungsteam will untersuchen, ob sich ehemalige Braunkohletagebaue dafür eignen, Wärme über Monate aufzubewahren und später an ein Fernwärmenetz abzugeben. Das Projekt heißt TRIDENT und wird vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam geleitet.
Die Idee steht am Anfang einer Machbarkeitsprüfung. Acht Partner aus Forschung und Industrie wollen klären, wie sich das Prinzip auf große Tagebaue übertragen ließe, welche Folgen das für die Umgebung hätte und ob es wirtschaftlich tragfähig wäre. Ein fertiger Speicher oder ein Baubeschluss ist damit noch nicht angekündigt.
Wärme aufheben, bis sie gebraucht wird
Wärmeangebot und Wärmebedarf fallen nicht immer zusammen. Im Sommer kann beispielsweise eine solarthermische Anlage viel Wärme liefern, während Gebäude weniger Heizung benötigen. Im Winter kehrt sich das Verhältnis häufig um. Ein saisonaler Wärmespeicher soll diese zeitliche Lücke überbrücken: Er nimmt Wärme auf, wenn sie verfügbar ist, und gibt einen Teil später wieder ab.
Das Forschungszentrum Solites beschreibt, wie solche Speicher Wärme aus dem Sommer für ein Wärmenetz im Winter bereitstellen können. Das Netz transportiert die Wärme anschließend zu Gebäuden. Wie gut ein Speicher arbeitet und ob sich sein Betrieb rechnet, hängt auch davon ab, wie er in das gesamte Versorgungssystem eingebunden wird.

Ein Erdbecken-Wärmespeicher nutzt ein großes Wasserbecken als Wärmereservoir. Wasser kann Energie als Wärme aufnehmen; bei Bedarf wird diese wieder für die Versorgung nutzbar gemacht. Solche Speicher werden teilweise oder ganz in den Boden eingebunden. Ihre Größe und die Verbindung mit Wärmequellen und Netz müssen zusammenpassen. Ein großer See allein ist deshalb noch kein betriebsbereiter Wärmespeicher.
Vom kleineren Speicher zum Tagebau
Das TRIDENT-Team möchte herausfinden, ob sich das Konzept in gefluteten Tagebaurestlöchern in wesentlich größerem Maßstab nutzen lässt. Nach der Mitteilung des GFZ vom 5. November dienen Erfahrungen aus kleineren Anlagen in Meldorf und Bracht sowie einem Feldlabor in Rechlin als Ausgangspunkt. Untersucht werden sollen die polnischen Tagebaue Bełchatów und Szczerców.
Die Herausforderung ist nicht nur, ein vorhandenes Becken zu finden. Ein Wärmespeicher muss über längere Zeit möglichst viel der eingelagerten Wärme zurückhalten und sie in einer Form bereitstellen, die zum angeschlossenen Netz passt. In einem großen Wasservolumen können sich wärmere und kühlere Bereiche bilden. Das beeinflusst, wie sich Wärme einlagern und wieder entnehmen lässt.
Das Team will deshalb berechnen, wie sich die Temperatur im Speicher verteilt und wie viel Wärme verloren geht. Gelände- und Laboruntersuchungen sollen helfen, die Modelle zu überprüfen. Ebenso betrachten die Beteiligten mögliche Auswirkungen auf Grundwasser und Mikroorganismen sowie technische, ökologische und wirtschaftliche Risiken. Auch ein öffentlich zugängliches Simulationswerkzeug ist vorgesehen.
Eine Studie, noch kein Bauprojekt
Das GFZ beziffert das Gesamtvolumen des Projekts auf rund drei Millionen Euro. Davon sollen etwa 1,8 Millionen Euro über drei Jahre aus dem europäischen Forschungsfonds für Kohle und Stahl kommen. Diese Summe finanziert das Forschungsvorhaben; sie ist keine Angabe zu den Baukosten eines späteren Großspeichers.
Ob ein konkreter Tagebau tatsächlich geeignet ist, wie ein Speicher dort gebaut würde und zu welchen Kosten er Wärme liefern könnte, muss die Untersuchung erst zeigen. Der mögliche Nutzen läge darin, eine frühere Bergbaulandschaft mit einem Wärmenetz zu verbinden und Energie zeitlich flexibler einzusetzen. Die entscheidende Frage ist, ob das unter den Bedingungen des jeweiligen Standorts technisch, ökologisch und wirtschaftlich funktioniert.
Quellen
- GFZ: Bergbauregionen im Wandel: Vom Tagebau zum saisonalen Wärmespeicher, 5. November 2026.
- Solites: Großwärmespeicher, 6. August 2025.
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