Wenn ein Fluss über die Ufer tritt, brauchen Einsatzkräfte mehr als eine Hochwasserkarte. Sie müssen auch wissen, welche Straßen noch passierbar sind und welche Gebäude oder Feuerwachen betroffen sein könnten. Ein Forschungsprojekt will solche Informationen künftig in einem digitalen Lagebild zusammenführen. Ein KI-gestütztes Cockpit soll Kommunen bei der Vorbereitung und im Krisenfall unterstützen.
Das Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik EMI entwickelt die Plattform RegioGuard-PRO mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und Bevölkerungsschutz. Anfang November stellte Fraunhofer den Ansatz vor. Das Projekt läuft noch: Ein praxistauglicher Demonstrator ist bis 2028 vorgesehen. Ob und wie gut er den Einsatzkräften tatsächlich hilft, muss die Erprobung erst zeigen.
Eine Karte, mehrere Informationsschichten
Bei einer größeren Schadenslage liegen wichtige Informationen oft an verschiedenen Stellen. Eine Karte zeigt zum Beispiel Gebiete, die bei Hochwasser gefährdet sind. Eine andere Datenquelle beschreibt Straßen und Gebäude. Erst wenn diese Informationen räumlich zusammengeführt werden, lässt sich erkennen, welche Einrichtungen in einem gefährdeten Bereich liegen und welche Wege betroffen sein könnten.
Genau diese Verknüpfung wollen die Forschenden erleichtern. Für einen Anwendungsfall zum Hochwasser verbinden sie laut Fraunhofer Gefahrenkarten der Bundesanstalt für Gewässerkunde mit Straßennetzdaten aus OpenRouteService und OpenStreetMap. Hinzu kommen unter anderem Feuerwehrstandorte sowie digitale Gebäude- und Landschaftsmodelle des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie.

Das Lagebild ist dabei mehr als eine Sammlung von Symbolen: Die Software soll Zusammenhänge auswerten. Liegt etwa eine Straße in einem überschwemmungsgefährdeten Bereich, kann das für die Erreichbarkeit einer Einrichtung relevant sein. Welche Verbindungen im konkreten Einsatz tatsächlich unterbrochen sind, hängt allerdings von der realen Lage und den verfügbaren aktuellen Daten ab.
Fragen an die Daten und mögliche Folgen
Die Projektpartner wollen auch ein Sprachmodell einbinden. Es soll den Zugang zu den Datenanalysen ähnlich wie bei einem Chatbot erleichtern: Einsatzkräfte könnten Informationen per Spracheingabe abrufen. Die Auswertung der Geodaten und die sprachliche Bedienung haben dabei unterschiedliche Aufgaben. Die eine verknüpft Informationen über Orte und Infrastruktur; die andere soll helfen, passende Ergebnisse abzurufen.
Hinzu kommen Was-wäre-wenn-Szenarien. Damit wollen die Beteiligten untersuchen, welche Schwachstellen eine Kommune bei einer angenommenen Schadenslage hat und welche Folgen sich für Infrastruktur und Wege ergeben könnten. Solche Szenarien können helfen, Alarm- und Einsatzpläne vorab zu prüfen. Eine berechnete Entwicklung bleibt dabei eine Annahme für die Planung, keine sichere Vorhersage des nächsten Ereignisses.
Auch Abhängigkeiten zwischen Infrastrukturen spielen eine Rolle. Wenn etwa verschiedene Einrichtungen auf dieselben Verkehrswege angewiesen sind, kann eine Störung mehrere Aufgaben gleichzeitig erschweren. Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, ein Projektpartner, beschreibt solche möglichen Kaskadeneffekte als Forschungsfrage. Gemeint sind Folgen, die sich über miteinander verbundene Bereiche fortsetzen.
Wo das Cockpit erprobt werden soll
Für die Praxis sind Demonstrationszentren in Trier, Mainz und Wildau vorgesehen. In Trier sollen unter anderem Berufsfeuerwehr und zuständige Fachämter die Technik unter realistischen Bedingungen erproben, schreibt die Stadtverwaltung. Ziel ist auch, Erfahrungen an andere Kommunen weiterzugeben. Ob sich ein Werkzeug andernorts nutzen lässt, hängt unter anderem davon ab, welche Daten dort verfügbar und wie sie eingebunden sind.
Das Bundesforschungsministerium fördert das Vorhaben. Nach Angaben der Stadt Trier stehen dem Verbund insgesamt 2,7 Millionen Euro zur Verfügung. Die Plattform baut auf zwei Vorgängerprojekten auf: AKRIMA beschäftigte sich mit KI-gestütztem Krisenmonitoring für Logistik, HERAKLION mit Daten für kommunale Resilienzanalysen. Resilienz meint hier die Fähigkeit, Störungen zu bewältigen und sich davon zu erholen.
Ein gemeinsames Lagebild kann die Zusammenarbeit unterstützen, ersetzt aber keine abgestimmten Zuständigkeiten. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe betont in seinem Wegweiser zu kommunalen IT-Krisen den Austausch zwischen staatlichen Stellen und Betreibern kritischer Infrastruktur. Für RegioGuard-PRO bleibt zudem offen, wie zuverlässig das konkrete System bei Datenlücken oder einem IT-Ausfall arbeiten wird. Die geplanten Übungen sollen zeigen, wie sich der Forschungsansatz in praktische Abläufe einfügt.
Quellen
- Fraunhofer: KI-gestützte Plattform soll Bevölkerung besser schützen, 2. November 2026
- Stadt Trier: Entwicklung neuer Plattform, 2. April 2026
- DFKI: RegioGuard-PRO
- BBK: Kommunale IT-Krisen – Handlungsfähigkeit sichern
Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.