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Wie viel Rohstoff kann Magnetrecycling ersetzen?

Recycling könnte den Bedarf an neuen Seltenen Erden langfristig senken. Entscheidend sind Sammlung, Verarbeitung und Nachfrage nach dem Material.

Von Wolfgang

03. Nov. 20265 Min. Lesezeit

Festplatte, Elektromotor und Magnete als Symbol für Rohstoffrecycling

In einer ausrangierten Festplatte steckt ein kleiner, starker Magnet. Sein Neodym könnte ein zweites Leben bekommen, statt im Abfall zu verschwinden. Doch zwischen dem einzelnen Bauteil und einer sichereren Rohstoffversorgung liegt eine lange Kette: Geräte müssen gesammelt, Magnete ausgebaut, Stoffe getrennt und neue Abnehmer gefunden werden.

Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht darin trotzdem ein beträchtliches Potenzial. Recycling könnte den weltweiten Bedarf an primärer Versorgung mit magnetischen Seltenen Erden bis 2050 um bis zu 35 Prozent senken. Das ist eine langfristige Möglichkeit, keine bereits erreichte Quote und keine Vorhersage für Europas Importe. Die entscheidende Frage lautet, wie viel Material tatsächlich durch alle Stufen des Kreislaufs kommt.

Warum ausgerechnet diese Magnete zählen

Permanentmagnete erzeugen ein dauerhaftes Magnetfeld, ohne dafür ständig Strom zu benötigen. Besonders starke Varianten aus Neodym, Eisen und Bor stecken unter anderem in Elektromotoren, Windturbinen und Elektronik. Neben Neodym können weitere Seltene Erden wie Praseodym, Dysprosium und Terbium wichtig sein. Ihre Eigenschaften helfen, leistungsfähige und kompakte Bauteile zu bauen.

Die Bezeichnung „selten“ führt dabei etwas in die Irre. Die Elemente kommen in der Erdkruste vor, aber wirtschaftlich nutzbare Konzentrationen sind weniger häufig. Weil sie chemisch ähnlich sind, ist ihre Trennung aufwendig. Aus einem Rohstoffvorkommen wird erst über mehrere Schritte ein Magnet: Aufbereitung, Trennung, Raffination, Metall- und Legierungsherstellung sowie schließlich die Magnetfertigung.

Gerade diese Kette ist stark konzentriert. Nach Angaben der IEA entfielen 2024 auf China rund 60 Prozent des weltweiten Abbaus magnetischer Seltener Erden und 91 Prozent ihrer Raffination. Bei gesinterten Permanentmagneten lag der Anteil bei 94 Prozent. Die Zahlen beschreiben unterschiedliche Stufen; sie lassen sich nicht zu einer einzigen Importquote für Europa zusammenziehen.

Die 35 Prozent richtig lesen

Das IEA-Potenzial bezieht sich auf den Bedarf an Primärversorgung im Jahr 2050. Primär heißt hier: Material, das nicht aus dem Recycling zurückkommt. Wenn mehr Sekundärmaterial genutzt wird, muss bei ansonsten vergleichbaren Annahmen weniger neues Material bereitgestellt werden. Die Obergrenze sagt weder, dass 35 Prozent aller Altmagnete heute recycelt werden, noch, dass Europa seine Einfuhren um diesen Betrag reduziert.

Die Zeitachse ist entscheidend. Viele Magnete, die in neuen Fahrzeugen oder Windanlagen verbaut werden, bleiben zunächst jahrelang im Einsatz. Erst nach dem Ende ihrer Nutzung können sie als Altmaterial zurückkommen. Gleichzeitig wächst die Nachfrage: Die IEA erwartet unter den heutigen politischen Rahmenbedingungen bis 2030 einen weiteren Anstieg des Bedarfs an magnetischen Seltenen Erden um etwa ein Drittel. Mehr Recycling kann deshalb den Bedarf an neu gewonnenem Material bremsen, während die insgesamt benötigte Menge trotzdem wächst.

Die IEA erwartet für Europa erhebliche Mengen ausgedienter Magnete: Bis 2030 könnte die Region etwa die Hälfte des weltweiten Magnetschrotts aus Windanlagen und ein Viertel aus Elektrofahrzeugen erzeugen. Das sind Projektionen für anfallendes Material, keine Mengen, die automatisch in europäischen Fabriken zurückgewonnen werden.

Aus einem Altgerät wird noch kein Rohstoff

Am Anfang steht das Einsammeln. Ein Magnet, der in einem nicht erfassten Gerät verbleibt oder bei der Behandlung verloren geht, erreicht die Rückgewinnungsanlage nicht. In einem Bericht von 2024 beschrieb die IEA die Sammlung von Magneten aus Altprodukten mit unter 15 Prozent als niedrig. Der Wert ist eine historische Einschätzung der Sammlung und keine aktuelle Recyclingquote für Deutschland.

Auch gesammelte Geräte sind nicht automatisch sortenreiner Rohstoff. Magnete sitzen in unterschiedlichen Gehäusen und Bauteilen; sie müssen erkannt und getrennt werden. Recyclingbetriebe gewinnen zudem oft zuerst Materialien zurück, die leichter zugänglich oder wirtschaftlich attraktiver sind. Ob sich der zusätzliche Aufwand für Seltene Erden lohnt, hängt unter anderem von Mengen, Erlösen und Abnehmern ab.

Schematischer Weg von Altgeräten über Demontage und Rückgewinnung zu neuen Produkten
Vom Altgerät zum neuen Produkt sind mehrere Schritte nötig; nicht jeder zurückgewonnene Stoff wird wieder zum Magneten. (Quelle: KI generiert)

Danach folgt die chemische oder technische Trennung. Sie kann wertvolle Stoffe verfügbar machen, benötigt aber Anlagen und geeignete Verarbeitung. Soll daraus wieder ein Hochleistungsmagnet werden, gelten besondere Anforderungen an Reinheit und Zusammensetzung. Eine erfolgreiche Extraktion ist daher ein wichtiger Schritt, aber noch keine fertige europäische Magnetproduktion.

Was ein deutsches Forschungsprojekt zeigt

Wie diese Arbeit praktisch aussehen kann, zeigt das Projekt NEO-CYCLE. Forschende des Fraunhofer IKTS und ihre Partner untersuchen Magnete aus ausgedienten Festplatten. Sie testen zwei Aufbereitungswege: eine thermische Behandlung mit Ammoniumchlorid und ein elektrochemisches Verfahren. Anschließend sollen Stoffe getrennt und weiter aufbereitet werden.

Das Projekt will die gewonnenen Materialien auch für Anwendungen außerhalb neuer Magnete nutzbar machen, etwa in der chemischen Industrie. Eine Pilotanlage ist laut Fraunhofer geplant. Das zeigt einen möglichen technischen Baustein, beziffert aber noch keinen Beitrag zur europäischen Versorgung. Über die einzelnen Verfahren und ihre Ausgangsstoffe berichtet auch unser Artikel zum Festplattenrecycling.

Mehr Rücklauf braucht auch eine Nachfrage

Ein funktionierender Kreislauf endet nicht bei einem Behälter mit zurückgewonnenem Material. Betriebe brauchen eine verlässliche Menge und Qualität als Eingang, Abnehmer brauchen passende Produkte. Fallen Schrott und Nachfrage an verschiedenen Orten an, sind Transport, Verarbeitung und industrielle Kapazitäten Teil derselben Rechnung.

Dazu kommt eine zeitliche Schwierigkeit: Produktionsreste fallen dort an, wo Magnete hergestellt werden. Laut IEA machen solche Reste bislang den Großteil der sekundären Versorgung aus. Weil die Magnetproduktion stark in China konzentriert ist, liegt auch ein großer Teil dieses Materials dort. Europa kann künftig mehr Altmaterial aus genutzten Produkten erhalten; daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass alle Verarbeitungsschritte vor Ort verfügbar sind.

Für eine robustere Versorgung müssen Sammlung und Demontage also mit Trennung, Raffination und Fertigung zusammenwachsen. Recycling kann den Druck auf neue Rohstoffquellen deutlich mindern. Ob daraus weniger Abhängigkeit an einer bestimmten Stelle entsteht, hängt davon ab, wo die zurückgewonnenen Stoffe verarbeitet und verwendet werden.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.