Strom soll in Großbritannien stärker danach bepreist werden, wann er verbraucht wird. Dafür plädiert das Institute for Fiscal Studies (IFS) in seinem am 22. September veröffentlichten Bericht über Strompreise. Mehr Tarife mit wechselnden Preisen könnten helfen, Verbrauch in günstigere Erzeugungszeiten zu verlagern und die Kosten des Stromsystems zu senken. Das ist eine Reformempfehlung, keine neu beschlossene Tarifpflicht.
Die Idee beginnt bei einem Unterschied, den ein gleichbleibender Preis pro Kilowattstunde verdeckt: Strom bereitzustellen kostet nicht zu jeder Stunde gleich viel. Muss weniger Verbrauch in teuren Spitzenzeiten gedeckt werden, braucht das System dort weniger kostspielige Erzeugung. Zusätzlicher Verbrauch in Stunden mit reichlich günstigem Strom kann dagegen vorhandene Energie besser nutzen. Die verbrauchte Menge muss dafür nicht unbedingt sinken; ihr Zeitpunkt verändert sich.
Das IFS benennt zugleich das Verteilungsproblem: Wer seinen Verbrauch kaum anpassen kann oder Preise nicht aufmerksam verfolgt, könnte stärker belastet werden. Ob die Reformidee im Alltag hilft, hängt daher auch von steuerbaren Geräten und dem Schutz vor Preisspitzen ab.
Ein günstiger Zeitpunkt muss in den Alltag passen
Eine unabhängige Untersuchung der britischen Regulierungsbehörde Ofgem zeigt diese Hürde aus Verbrauchersicht. 49 Prozent der Befragten glaubten, dass zeitabhängige Tarife Geld sparen könnten. Unter den Menschen, die solche Tarife noch nicht nutzten, planten jedoch nur 17 Prozent einen Wechsel. Fehlende garantierte Ersparnisse, Gewohnheit und begrenztes Wissen spielten dabei eine Rolle.
Die am 22. Mai 2026 veröffentlichte Untersuchung beruht auf einer Befragung von 4.385 Energieverbrauchern in England, Schottland und Wales vom 19. bis 25. Juni 2025. Für eine Teilgruppe wurden die Antworten mit historischen halbstündlichen Zählerdaten verbunden. Das zusätzliche Verschiebepotenzial lag demnach vor allem bei einer kleineren Gruppe, häufig mit zeitlich veränderbarem Autoladen und Wäschewaschen. Die Befragung misst damit keine bereits erzielte Ersparnis durch den neuen IFS-Vorschlag.

Was der britische Vorschlag für deutsche Leser erklärt
Der Bericht ändert keine deutschen Tarifbedingungen. Der zugrunde liegende Mechanismus ist hier aber ebenfalls relevant: Bei dynamischen Verträgen folgt der Arbeitspreis dem Börsenpreis und kann sich mehrmals täglich ändern. Die Bundesnetzagentur erläutert, dass dafür ein intelligentes Messsystem nötig ist. Wie groß die Einsparmöglichkeit ausfällt, hängt unter anderem vom Umfang des verschiebbaren Verbrauchs ab. Steigende Börsenpreise können auch höhere Kosten bedeuten.
Ein Auto, das erst am nächsten Morgen gebraucht wird, bietet beispielsweise eher ein Ladefenster als das Abendessen, das jetzt auf dem Herd steht. Ein günstiger Strompreis schafft einen Anreiz. Ob ein Haushalt ihm folgen kann, entscheidet sich an solchen ganz gewöhnlichen Zeitfenstern.
Das Titelbild ist ein KI-generiertes Symbolbild.
Quellen
- Stephen Jarvis, Peter Levell und Bobbie Upton / IFS: Electricity prices, 22. September 2026.
- Ofgem: Tracking energy consumers’ use of low carbon and flexible products and services: 2025, 22. Mai 2026.
- Bundesnetzagentur: Dynamische Stromtarife, abgerufen am 22. September 2026.
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