Spanien hat viel Sonne und baut schnell Photovoltaik aus. Doch die Anlagen liefern ihren Strom vor allem tagsüber, während Haushalte und Betriebe auch abends Energie brauchen. Damit mehr Solarstrom tatsächlich genutzt werden kann, müssen Speicher, Stromnetze und Verbraucher besser zusammenspielen. Das ist eine zentrale Botschaft der Länderprüfung der Internationalen Energieagentur (IEA).
Die Aufgabe endet nicht beim Stromnetz. Auch Autos, Heizungen und Fabriken müssen Strom nutzen können, damit die erneuerbare Erzeugung fossile Energie in größerem Umfang ersetzt. Genau dort sieht die IEA neben technischen auch wirtschaftliche Hürden.
Viel Strom zur gleichen Zeit
Spaniens Erneuerbare erzeugten nach Angaben der IEA im Jahr 2025 rund 56 Prozent des Stroms. Die Solartechnik wuchs besonders schnell: Photovoltaik stellte etwa die Hälfte der installierten erneuerbaren Leistung und mehr als 90 Prozent des erneuerbaren Leistungszubaus in jenem Jahr. Die beiden Anteile beziehen sich auf Leistung, also darauf, wie viel Anlagen unter geeigneten Bedingungen gleichzeitig liefern können, nicht auf die tatsächlich erzeugte Jahresmenge.
Je mehr Solaranlagen gleichzeitig einspeisen, desto häufiger trifft viel Angebot auf eine Nachfrage, die nicht im gleichen Maß mitwächst. An solchen Stunden können die Börsenpreise sinken. Das hilft Käufern, verringert aber auch die Erlöse von Anlagen, die alle zur selben Zeit produzieren. Wird Strom nicht abgenommen oder kann er wegen technischer Grenzen nicht transportiert werden, muss Erzeugung unter Umständen begrenzt werden. Die IEA warnt, dass ein stark solarbetonter Ausbau solche Probleme verschärfen und Investitionen erschweren kann.
Was ein Speicher verschiebt
Ein Speicher nimmt Energie auf, wenn sie verfügbar ist, und gibt einen Teil später wieder ab. Eine Batterie könnte beispielsweise mittags Solarstrom laden und ihn am Abend bereitstellen. Das ist eine zeitliche Verschiebung: Der Speicher erzeugt selbst keinen zusätzlichen Solarstrom und beim Laden und Entladen entstehen Verluste.

Das spanische Ziel beträgt laut IEA-Überblick 22,5 Gigawatt Speicherleistung bis 2030. Gigawatt beschreiben die Leistung, nicht die gespeicherte Energiemenge. Für die Frage, wie lange ein Speicher liefern kann, ist zusätzlich seine Kapazität in Gigawattstunden entscheidend. Aus dem Leistungsziel allein lässt sich deshalb nicht ablesen, wie viele Stunden das Land damit versorgen könnte.
Zum Vergleich meldete der Netzbetreiber Red Eléctrica für Ende 2025 eine installierte Speicherleistung von 3.427 Megawatt. Der Wert zeigt den damaligen Anlagenbestand; welche Technologien und Abgrenzungen in einer Zielrechnung enthalten sind, muss beim direkten Vergleich berücksichtigt werden. Das Ziel ist jedenfalls eine politische Vorgabe, keine Zusage, dass die Anlagen bereits gebaut sind.
Auch Nachfrage kann beweglich sein
Eine zweite Möglichkeit besteht darin, den Verbrauch an das Angebot anzupassen. Wenn ein Elektroauto für eine längere Zeit angeschlossen ist, muss es nicht zwingend sofort laden. Eine Steuerung könnte den Ladevorgang in Stunden mit viel erneuerbarem Strom legen, sofern Tarif, Fahrzeug und Nutzerbedarf das zulassen. Bei industriellen Prozessen können manche Lasten ebenfalls zeitlich verschoben werden; andere müssen aus technischen Gründen kontinuierlich laufen.
Die IEA nennt intelligentes Laden, die Bündelung kleiner Verbraucher und industrielles Lastmanagement als Beispiele. Bündelung bedeutet, dass viele einzelne steuerbare Geräte gemeinsam am Stromsystem teilnehmen. Damit daraus ein Nutzen entsteht, brauchen Verbraucher passende Angebote und die Möglichkeit, ihre Geräte tatsächlich flexibel zu betreiben. Nicht jeder Haushalt kann sein Auto tagsüber anschließen und nicht jede Fabrik ihre Produktion verlegen.
Auch Verbindungen zu Nachbarländern helfen, Unterschiede zwischen Regionen auszugleichen. Überschüssiger Strom kann dann dorthin fließen, wo er gebraucht wird; umgekehrt kann Spanien bei Bedarf Strom beziehen. Leitungen haben jedoch eine begrenzte Übertragungsleistung. Die IEA empfiehlt deshalb, Verbindungen und Netzplanung zusammen mit Speichern und flexibler Nachfrage zu betrachten.
Warum der Strompreis nicht die ganze Rechnung ist
Selbst günstiger Strom an der Börse bedeutet nicht automatisch, dass eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto für alle wirtschaftlich attraktiv wird. Auf der Rechnung kommen unter anderem Netzentgelte, Steuern und Abgaben hinzu. Gleichzeitig müssen Geräte gekauft und installiert werden. Für Unternehmen spielen außerdem Investitionskosten und die Verfügbarkeit geeigneter Infrastruktur eine Rolle.
Laut IEA machte Strom 2024 erst 25 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs Spaniens aus. Für 2030 liegt das Ziel bei 35 Prozent. Der Unterschied zwischen diesen Zahlen zeigt die Größe der Aufgabe außerhalb der Stromerzeugung: Verkehr, Gebäude und Industrie verwenden weiterhin erhebliche Mengen anderer Energieträger. Die Agentur empfiehlt, Preissignale so zu gestalten, dass elektrische Anwendungen attraktiver werden, und dabei besonders schutzbedürftige Verbraucher zu berücksichtigen.
Ein ausgewogenerer Mix braucht Zeit
Speicher und Steuerung sind nicht die einzigen Stellschrauben. Windanlagen liefern nach anderen Wetterbedingungen als Solaranlagen und können die Erzeugung zeitlich ergänzen. Die IEA empfiehlt deshalb mehr Windkraft und kombinierte Projekte. Sie verweist zugleich auf Genehmigungen und Akzeptanz vor Ort als mögliche Bremsen. Ein besserer Mix entsteht nicht allein durch ein Ziel auf dem Papier.
Hinzu kommt die Stabilität des Stromsystems. Netzbetreiber müssen unter anderem Spannung und Frequenz innerhalb geeigneter Grenzen halten. Die IEA verweist auf Reformen und Investitionen nach dem Stromausfall im April 2025; aus dem Bericht folgt jedoch nicht, dass fehlende Speicher allein diesen Ausfall verursacht hätten. Die praktische Aufgabe ist breiter: Erzeugung, Netze, flexible Verbraucher und Anlagen für den stabilen Betrieb müssen gemeinsam geplant und umgesetzt werden.
Quellen
- Internationale Energieagentur: Spain 2026, Executive Summary, 5. November 2026.
- Internationale Energieagentur: Spain 2026, 5. November 2026.
- Red Eléctrica: The Spanish Electricity System in 2025, März 2026.
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