Erneuerbare Energien

Warum Indiens Solarfabriken die Abhängigkeit von China verändern könnten

Indien baut seine Solarfertigung aus. Warum Module allein nicht reichen und welche Rolle Wafer und Polysilizium für die Lieferkette spielen.

Von Wolfgang

08. Nov. 20265 Min. Lesezeit

Solarfertigung und Artikelüberschrift

Ein Solarmodul kann in Indien zusammengesetzt werden und trotzdem von Komponenten aus einem anderen Land abhängen. Denn bevor das fertige Modul auf einem Dach Strom erzeugt, durchläuft sein Silizium mehrere Fabriken. Gerade an diesen frühen Stationen konzentriert sich die globale Produktion stark auf China.

Indien könnte das ändern: Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass das Land bis 2031 als einziges neben China alle wichtigen Teile der Photovoltaik-Lieferkette in großem Maßstab herstellen kann. Eine zweite Produktionsbasis würde die Auswahl für Käufer erweitern. Ob daraus eine dauerhaft belastbare Alternative wird, hängt jedoch davon ab, welche Fabriken tatsächlich laufen und zu welchen Kosten sie produzieren.

Vom Rohstoff zum Modul

Am Anfang steht hochreines Polysilizium. Daraus entstehen Kristallblöcke, die in dünne Scheiben, sogenannte Wafer, geschnitten werden. Aus diesen Scheiben fertigen Hersteller Solarzellen. Mehrere Zellen werden schließlich zu einem Modul verbunden und geschützt. Erst dieses fertige Produkt lässt sich auf einem Dach oder in einem Solarpark installieren.

Jede Stufe braucht ihre eigenen Anlagen und Zulieferer. Eine Fabrik, die Zellen zu Modulen verbindet, kann daher auch dann von Importen abhängen, wenn ihre Endmontage im Inland stattfindet. Die frühen Schritte sind aufwendig: Die IEA beschreibt die Herstellung von Polysilizium, Kristallblöcken und Wafern als besonders energieintensiv, unter anderem weil hohe Temperaturen präzise eingehalten werden müssen.

Schematische Fertigungskette von Polysilizium über Wafer und Solarzelle zum Modul
Die Fertigung führt vom gereinigten Silizium über Wafer und Zellen zum Modul. Die Darstellung ist vereinfacht. (Quelle: KI generiert)

Ein zusätzlicher Modulstandort allein löst das Konzentrationsproblem deshalb nur teilweise. Fällt eine wichtige Lieferung von Wafern aus, können auch Fabriken anderswo betroffen sein. Umgekehrt kann eine neue Waferfabrik Lieferwege verbreitern, wenn sie zuverlässige Vorprodukte und Abnehmer hat. Es kommt auf die Verbindung zwischen den Stufen an.

Eine Förderung mit langem Vorlauf

Indiens Regierung versucht seit Jahren, mehrere dieser Stufen im Land anzusiedeln. 2022 trat das Förderprogramm für hocheffiziente Solarmodule in seine zweite Phase. Es sollte integrierte Fertigung von Polysilizium über Wafer und Zellen bis zu Modulen unterstützen. Daneben sollen Handelsregeln und Vorgaben für bestimmte Projekte die heimische Produktion stärken, wie die IEA in ihrer Einordnung der Industriepolitik beschreibt.

Erste Ergebnisse bezifferte das indische Ministerium für neue und erneuerbare Energien für 2025: Nach seiner Jahresmitteilung errichteten geförderte Unternehmen in diesem Jahr Fertigungskapazität von rund elf Gigawatt für Module und fünf Gigawatt für Solarzellen. Diese Zahlen beschreiben die mögliche jährliche Leistung der Fabriken, nicht die tatsächlich produzierten Module und Zellen.

Der Unterschied ist entscheidend. Eine Fertigungslinie kann rechnerisch eine große Menge herstellen, aber wegen fehlender Aufträge, Vorprodukte oder wirtschaftlicher Probleme zeitweise stillstehen. Die Zahlen des Ministeriums zeigen einen Ausbau; wie hoch die Anlagen ausgelastet sind und welche Vorprodukte sie importieren, geht daraus nicht hervor.

Die Prognose reicht weiter als die heutige Fabrik

Im Bericht Renewables 2026 zeichnet die IEA den nächsten möglichen Schritt. China dominiere weiterhin sämtliche großen Stufen vom Polysilizium bis zum Modul. Bis 2031 könne Indien jedoch alle wesentlichen Komponenten selbst in großem Maßstab fertigen. Die Agentur sieht darin eine Möglichkeit, die Lieferkette breiter aufzustellen.

Eine solche Prognose beschreibt keine Garantie. Neue Werke müssen gebaut, finanziert und betrieben werden. Selbst wenn Indien jede Hauptkomponente herstellt, können einzelne Unternehmen weiterhin Maschinen, Materialien oder Vorprodukte importieren. Ein zweites Land mit mehreren Fabriken kann Risiken verteilen; es beseitigt nicht automatisch jede Abhängigkeit.

Für Solarkäufer liegt der praktische Unterschied in den Ausweichmöglichkeiten. Gibt es für eine Komponente nur wenige große Produktionsstandorte, kann eine Störung viele nachgelagerte Betriebe gleichzeitig treffen. Eine zusätzliche Quelle hilft vor allem dann, wenn sie bei Bedarf tatsächlich liefern kann. Eine angekündigte Fabrik und eine verlässlich ausgelastete Anlage sind deshalb zwei verschiedene Dinge.

Der Preis der zweiten Lieferquelle

Mehr geografische Vielfalt hat einen wirtschaftlichen Haken. Schon 2024 berichtete die IEA von weltweiten Überkapazitäten in der Solarfertigung und stark gefallenen Modulpreisen. Damals schätzte sie, dass die Herstellung von Modulen in Indien und den USA zwei- bis dreimal so viel kostete wie in China. Das ist ein historischer Vergleich für 2024, keine Aussage über das heutige Kostenverhältnis.

Die damalige Beobachtung zeigt aber den grundsätzlichen Zielkonflikt: Günstige Module erleichtern den Ausbau von Solarstrom. Für neue Hersteller können niedrige Preise zugleich schwierig sein, wenn sie ihre Investitionen noch finanzieren müssen. Förderung und geschützte Nachfrage können helfen, eine Industrie aufzubauen; sie entscheiden nicht allein darüber, ob deren Anlagen langfristig wettbewerbsfähig arbeiten.

Auch die Herstellung selbst braucht Energie. Wer über die Wirkung einer neuen Solarfabrik spricht, muss deshalb neben dem später erzeugten Solarstrom die Energieversorgung und den Betrieb der Fabrik betrachten. Die ältere IEA-Analyse zur Lieferkette zeigt, weshalb gerade die frühen Siliziumstufen dabei ins Gewicht fallen. Sie liefert jedoch keine aktuelle Klimabilanz für ein bestimmtes indisches Werk.

Woran sich Fortschritt erkennen lässt

Für die nächsten Jahre sind drei Fragen aussagekräftiger als die Zahl neuer Modulwerke allein: Entstehen auch Anlagen für frühe Fertigungsschritte? Produzieren sie dauerhaft und zu tragfähigen Kosten? Und können die verschiedenen Stufen bei Störungen tatsächlich alternative Lieferungen bereitstellen?

Indiens Ausbau verschiebt die Möglichkeiten in einer bisher stark konzentrierten Industrie. Die Ministeriumsdaten zeigen zusätzliche Zell- und Modulkapazität; die IEA-Prognose beschreibt einen möglichen Weg zu einer breiteren Kette. Wie viel Sicherheit daraus wird, entscheidet sich im Betrieb der gesamten Lieferkette.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.