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Schafe pflegen die Heide – doch im Frühjahr fehlt Hummeln Nektar

Auf schottischen Heideflächen war im Frühjahr deutlich weniger Nektar verfügbar, wenn sie beweidet und gebrannt wurden. Im Sommer zeigten zusätzliche Honigbienenstöcke kleinere messbare Effekte. Die Studie erklärt, warum Artenschutz beim Zeitpunkt der Heidepflege beginnt.

Von Wolfgang

23. Sep. 20263 Min. Lesezeit

Schafe pflegen die Heide – doch im Frühjahr fehlt Hummeln Nektar

Eine Schafherde hält die Heide offen. Für Hummeln kann der Zeitpunkt ihres Besuchs jedoch entscheidend sein: Auf schottischen Heideflächen, die beweidet und gelegentlich gebrannt wurden, ermittelte ein Forschungsteam im Frühjahr durchschnittlich 63 Prozent weniger verfügbaren Nektarzucker als auf weitgehend ungestörten Flächen. Als im Sommer Honigbienenstöcke hinzukamen, waren deren gemessene Auswirkungen auf die wilden Bestäuber in dieser Untersuchung kleiner. Die am 21. September veröffentlichte Feldstudie macht damit eine wenig offensichtliche Frage sichtbar: Nicht allein, welche Tiere auf der Heide sind, sondern wann sie dort sind, verändert das Blütenangebot.

Im Frühjahr hängt viel an wenigen Blüten

Die Forschenden untersuchten 20 Hochlandheiden in Ostschottland während einer Blühsaison von Mai bis September 2022. Zehn Flächen waren beweidet und früher auch kontrolliert gebrannt worden; zehn konnten sich weitgehend regenerieren. Im Mai stammten über 98 Prozent des verfügbaren Nektars von Heidelbeergewächsen der Gattung Vaccinium. Hummeln besuchten diese Blüten besonders häufig: 93 Prozent ihrer erfassten Blütenbesuche entfielen in diesem Monat darauf. Wenn Schafe im Frühjahr junge Triebe und Blüten abfressen, trifft das also eine Phase mit wenig Ausweichmöglichkeiten. Die Studie beschreibt diesen Fraß als plausible Erklärung für den Unterschied beim Nektar.

Die Zahl von 63 Prozent bezeichnet das berechnete Nektarangebot auf den verglichenen Flächen. Sie bedeutet nicht, dass dort 63 Prozent weniger Hummeln lebten. Auch lässt sich der Anteil der Schafbeweidung nicht sauber vom Einfluss des früheren Brennens trennen: Beide Merkmale bildeten zusammen eine Bewirtschaftungsgruppe.

Im Sommer ändert sich die Bühne

Mit der Blüte der Besenheide verteilt sich die Nahrung anders. Während die Imker ihre Stöcke aufstellten, lieferte die Besenheide laut den Forschenden 91 Prozent des Nektars in der untersuchten Landschaft. Zehn der 20 Standorte erhielten in dieser Zeit kommerzielle Honigbienenvölker. Bei den meisten untersuchten Merkmalen des Netzes aus Pflanzen und Bestäubern zeigte deren Anwesenheit keine deutliche Veränderung; auch Masse und Verhältnis von Eiweiß zu Fett im von Hummeln gesammelten Pollen unterschieden sich nicht signifikant. Einzelne Netzwerkmerkmale veränderten sich allerdings. Die Autorinnen und Autoren sprechen deshalb von begrenzten, nicht von überhaupt keinen Effekten.

Symbolische schottische Heide mit Hummel an Heidelbeerblüten und entfernten Bienenstöcken zur Heideblüte
KI-generiertes Symbolbild: Heidelbeerblüten im Frühjahr und Heideblüte mit Bienenstöcken im Sommer veranschaulichen zwei unterschiedliche Phasen; es zeigt keinen untersuchten Standort.

Auch das Gegenteil einer pauschalen Warnung vor Schafen steht in den Daten: Auf den beweideten und gebrannten Flächen beobachtete das Team im Sommer mehr und vielfältigere Fliegen. Die unterschiedlichere Vegetation kann mehreren Bestäubergruppen Lebensraum bieten. Schutz bedeutet hier also nicht schlicht, jede Nutzung zu beenden, sondern Blütenzeiten und Lebensräume bei der Pflege mitzudenken.

Was das für deutsche Heiden bedeutet

Das Bundesamt für Naturschutz empfiehlt für trockene Heiden in Deutschland ausdrücklich eine extensive Beweidung mit Schafen und Ziegen. Ohne solche Pflege können die offenen Landschaften zuwachsen. Die schottische Untersuchung widerlegt diese Empfehlung nicht. Sie lenkt den Blick auf eine feinere Entscheidung: Wie lässt sich eine Heide offen halten, ohne gerade die wenigen Frühjahrsblüten auf einer Fläche stark zu verringern?

Eine konkrete Weideregel für Deutschland liefert die Studie nicht. Sie erfasste eine Saison in schottischen Hochlandheiden, keine deutschen Standorte. Langfristige Folgen für Hummelpopulationen, mögliche Krankheitsübertragung durch Honigbienen sowie Trockenjahre oder höhere Stockdichten blieben ungeprüft. Der neue Befund ist deshalb ein Hinweis auf den richtigen Maßstab für die nächste Frage: Welche Pflege hilft welcher Bestäubergruppe zu welcher Jahreszeit?

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.