Acht Stunden Schlaf im Durchschnitt: Das klingt nach einer vollständigen Antwort. Doch ein Durchschnitt kennt keine Reihenfolge. Sieben Nächte mit jeweils acht Stunden ergeben dieselbe Wochenzahl wie Nächte, die zwischen sechs und zehn Stunden schwanken. Und selbst wenn die Dauer gleich bleibt, können Einschlafen und Aufwachen jeden Tag zu anderen Zeiten stattfinden. Genau diese Unterschiede rücken Schlafforschende inzwischen neben die vertraute Stundenzahl.
Ein Mittelwert schläft nicht
Das Beispiel mit sechs und zehn Stunden ist ein Gedankenexperiment, kein gemessener Gesundheitsvergleich. Es zeigt, was der Durchschnitt verschluckt. Für die Forschung zählt bei der Regelmäßigkeit unter anderem, wie wahrscheinlich jemand an zwei Zeitpunkten im Abstand von 24 Stunden jeweils schläft oder wach ist. Ein Team um Lachlan Cribb berechnete diesen Index aus einer Woche Bewegungsdaten von 88.975 Menschen in der britischen UK Biobank. Über durchschnittlich 7,1 Jahre war ein unregelmäßigeres Muster mit höherer Sterblichkeit verbunden. Die Messwoche zeigte also einen Zusammenhang mit späteren Ereignissen. Sie verrät nicht, ob ein veränderter Schlafplan das Leben verlängert hätte.
Eine weitere UK-Biobank-Analyse betrachtete 72.269 Menschen und schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse. In der Gruppe mit stark unregelmäßigem Schlaf lag die statistische Ereignisrate höher als in der regelmäßigen Vergleichsgruppe. Ausreichende Schlafdauer hob diesen Zusammenhang in der stark unregelmäßigen Gruppe nicht auf. Diese beiden Untersuchungen nutzen jedoch teilweise dieselbe Biobank. Zwei Veröffentlichungen sind hier keine zwei unabhängigen Bestätigungen.
Die zweite Messreihe kommt aus den USA
Eine unabhängige Gruppe von Teilnehmenden liefert das US-Programm All of Us. Forschende verknüpften die Schlafdaten von 6.785 freiwilligen Fitbit-Nutzern mit Gesundheitsakten; die Geräte lieferten im Median viereinhalb Jahre Daten. Schwankende Schlafmuster gingen unter anderem mit späteren Diagnosen von Bluthochdruck, Adipositas und psychischen Erkrankungen einher. Viele Zusammenhänge blieben bestehen, nachdem die durchschnittliche Schlafdauer berücksichtigt wurde. Das stärkt die Einsicht, dass Regelmäßigkeit mehr Information enthält als die Stundenzahl allein.
Auch diese lange Messreihe beantwortet die Ursachenfrage nicht. Wer bereits erkrankt ist, Schichtarbeit leistet oder Sorgearbeit nachts übernimmt, kann anders schlafen und aus anderen Gründen ein höheres Gesundheitsrisiko haben. Außerdem waren die US-Freiwilligen mit Fitbit nicht repräsentativ: 71 Prozent waren Frauen, 84 Prozent bezeichneten sich als weiß, 71 Prozent hatten einen Hochschulabschluss. Aus ihren Daten folgt weder ein persönlicher Risikowert noch eine deutsche Bevölkerungszahl.

Was passiert, wenn man den Rhythmus verändert?
Hier wird der Abstand zwischen Zusammenhang und Wirkung sichtbar. In einem kleinen randomisierten Crossover-Versuch von 2025 schliefen 16 Erwachsene jeweils zwölf Nächte mit regelmäßigeren Zeiten und zwölf Nächte nach ihrem gewohnten Muster. Die durchschnittliche Schlafdauer blieb ähnlich. Nach den regelmäßigeren Nächten waren der Ruhepuls niedriger und bestimmte Messwerte der Herzsteuerung verändert. Für den zentralen Blutdruck zeigte sich keine signifikante Änderung. Das Experiment misst kurzfristige Zwischenwerte; es kann nicht zeigen, ob über Jahre weniger Herzinfarkte auftreten.
Der stärkste Einwand gegen eine einfache Regel lautet deshalb: Unregelmäßigkeit könnte ein Signal für Lebensumstände oder Erkrankungen sein, statt selbst die Ursache. Und selbst wenn ein Teil des Zusammenhangs ursächlich ist, lässt sich ein Schlafplan nicht für alle Menschen gleich leicht verschieben. Die American Heart Association betrachtet Schlaf inzwischen ausdrücklich als Zusammenspiel von Dauer, Regelmäßigkeit, Qualität und weiteren Merkmalen. Sie fordert zugleich bessere kausale Belege für die Wirkung von Veränderungen.
Die Stundenzahl wird damit nicht wertlos. Zu wenig Schlaf lässt sich nicht durch einen pünktlichen Wecker ausgleichen. Aber wer nur den Wochendurchschnitt betrachtet, übersieht einen zweiten Teil der Nacht: wie sich Schlaf von Tag zu Tag verteilt. Die Studien geben uns dafür einen besseren Blick, noch keine Garantie auf Gesundheit durch einen perfekten Rhythmus.
Titelbild: KI-generiertes Symbolbild eines Schlafzimmers; keine Aufnahme von Studienteilnehmenden.
Quellen
- Cribb et al.: Sleep regularity and mortality, eLife/UK Biobank, 2023.
- Chaput et al.: Sleep regularity and major adverse cardiovascular events, Journal of Epidemiology & Community Health/UK Biobank, 2024.
- Zheng et al.: Sleep patterns and risk of chronic disease, Nature Medicine, 19. Juli 2024.
- Gonzales und Narváez: Short-term reduction in sleep irregularity, Sleep Medicine, 2025.
- American Heart Association: Multidimensional Sleep Health, Scientific Statement, 14. April 2025.
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