Technik

Biobasierter Polsterschaum: Federn ohne tragende Fasern

Fraunhofer entwickelt überwiegend biobasierten PU-Schaum. Die Rezeptur lässt ihn ohne tragende Fasern federn – und die Blöcke passen in bekannte Verarbeitungsschritte.

Von Wolfgang

03. Okt. 20262 Min. Lesezeit

Magazinillustration mit vollständiger Überschrift und einem zusammengedrückten Schaumstoffpolster.

Ein Sofa soll nachgeben, wenn man sich setzt, und danach wieder seine Form annehmen. Fraunhofer-Forschende berichten nun von einem Polsterschaum, der das ohne tragende Naturfasern schafft und weitgehend auf nachwachsenden Rohstoffen beruht. Der interessante Schritt ist die Verbindung zweier Eigenschaften: ein anderer Rohstoffursprung und das vertraute Verhalten eines weichen Polsters.

Das Fraunhofer-Institut LBF stellt die Entwicklung in einer Mitteilung vom 1. Oktober vor. Nach seinen Angaben ist der OrganoFoam-Schaum zu über 90 Prozent biobasiert; einige Additive bleiben enthalten. Das Material bleibt ein Polyurethan-Weichschaum, kurz PU. „Biobasiert“ beschreibt hier den Rohstoffursprung, nicht einen neuen Namen für Naturfasern.

Die Federwirkung steckt im Schaum

Die Forschenden kombinieren biobasierte Polyole und Isocyanate mit einer angepassten Rezeptur. Das sind die beiden chemischen Komponenten, aus denen der Schaum entsteht. Eine zusätzliche Stützstruktur aus Fasern benötigen sie dafür laut Fraunhofer nicht.

Nach dem Aufschäumen und Entformen wird der Laborblock mechanisch zusammengedrückt, im Projekt „Crushing“ genannt. Dadurch öffnen sich seine Zellen. Die Projektbeschreibung des LBF erläutert, dass der Schaum anschließend formstabil bleibt. Rohstoffwahl, Rezeptur und dieser Verarbeitungsschritt gehören also zusammen.

Drei Projektschritte: biobasierte Rezeptur, Zellöffnung durch Crushing und Weiterverarbeitung der Schaumblöcke.
Schematischer Weg vom Rohstoff zum Polster. Grafik: TechZeitGeist; Grundlage: Fraunhofer LBF, OrganoFoam.

Ein anderer Rohstoff, vertraute Verarbeitung

Entscheidend ist, wie der Schaum Belastung aushält. Laut LBF erreichten ausgewählte Formulierungen bei Stauchhärte und bleibender Verformung die Kennwerte eines fossilbasierten Referenzschaums. Das betrifft geprüfte Materialeigenschaften; daraus folgt keine bestimmte Lebensdauer eines späteren Sofas.

Der Projektpartner Friedrich Platt erprobte außerdem, ob sich die Blöcke mit vorhandenen Anlagen schneiden, zu größeren Flächen verkleben und mit Bezugsstoffen versehen lassen. Im Projekt entstand ein Demonstratorsofa. Für Möbelhersteller ist gerade dieser Anschluss an bekannte Arbeitsabläufe interessant: Ein neuer Rohstoff muss auch durch die Werkstatt passen.

Die Nachricht ist damit ein Material- und Verarbeitungsschritt, noch kein vorgestelltes Serienprodukt mit Preis und Liefertermin. Wer eine Matratze kaufen möchte, erhält daraus keine Produktempfehlung. Verständlich wird aber, woran ein Rohstoffwechsel im Polster gemessen werden muss: nicht nur am Ursprung seiner Bestandteile, sondern auch daran, wie es federt und sich verarbeiten lässt.

Quellen

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