Eine neue Mine kann mehr Erz liefern. Doch für einen Motor oder eine Windkraftanlage braucht die Industrie daraus zunächst sauber getrennte und verarbeitete Metalle. Fehlt eine dieser Stufen, verlagert eine neue Mine die Abhängigkeit womöglich nur an eine andere Stelle der Lieferkette.
Darauf weist MIT-Professorin Elsa Olivetti in einem am 3. November veröffentlichten Interview hin. Die Materialwissenschaftlerin beschreibt, warum Abbau, chemische Trennung, Raffination und Fertigung zusammen gedacht werden müssen. Forschende untersuchen dafür unter anderem Mikroben und elektrochemische Verfahren. Die Ansätze befinden sich in der Forschung; eine fertige Lösung für industrielle Engpässe stellt das Interview nicht vor.
Vom Gestein zum Magneten
Ein Beispiel sind Seltene Erden. Die Bezeichnung steht für eine Gruppe von Elementen, die unter anderem in leistungsfähigen Magneten gebraucht werden. Im Erz treten sie gemeinsam mit anderen Stoffen auf. Bevor daraus ein Magnet entstehen kann, müssen die gewünschten Elemente gewonnen und voneinander getrennt werden. Ihre ähnlichen chemischen Eigenschaften machen gerade diese Trennung schwierig, erklärt Olivetti.
Danach folgen weitere Verarbeitungsschritte. Die getrennten Oxide müssen zu Materialien werden, aus denen Hersteller Magnete fertigen können. Eine Fabrik für Magnete benötigt daher verlässlich Zugang zu geeigneten Vorprodukten. Entsteht nur die Fabrik, während die getrennten Oxide weiter von wenigen Lieferanten kommen, bleibt dort ein möglicher Engpass bestehen.

Wie relevant diese Zwischenstufen sind, zeigt auch die Internationale Energieagentur IEA. In ihrem Rohstoffausblick 2026 beschreibt sie eine hohe geografische Konzentration der Verarbeitung. Bei den meisten untersuchten Mineralien nahm sie 2025 weiter zu. Bei der Raffination Seltener Erden sank die Konzentration dagegen leicht, unter anderem durch neue Projekte in den USA und höhere Produktion in Malaysia.
Die IEA sieht zugleich ein Ungleichgewicht in den Projektplänen: Außerhalb dominierender Anbieter wachsen angekündigte Abbaukapazitäten stärker als Verarbeitung und anschließende Fertigung. Das sind angekündigte oder erwartete Kapazitäten, keine Garantie dafür, dass jede Anlage tatsächlich gebaut wird und produziert.
Warum Gallium anders funktioniert
Nicht jeder Rohstoff lässt sich durch eine zusätzliche Mine gezielt vermehren. Gallium entsteht laut Olivetti als Nebenprodukt bei der Aluminiumherstellung. Wer mehr Gallium gewinnen möchte, muss deshalb die Abläufe und Entscheidungen in einer anderen Wertschöpfungskette berücksichtigen. Das Beispiel zeigt, warum ein Blick auf einzelne Lagerstätten nicht für jeden Stoff genügt.
Hinzu kommen Kosten und Fachwissen. Die IEA verweist auf spezialisierte Anlagen und Kenntnisse für Verarbeitung und Raffination. Projekte außerhalb des dominierenden Anbieters können höhere Bau- und Betriebskosten haben. Selbst wenn eine Technik grundsätzlich funktioniert, muss sich ihr Betrieb unter diesen Bedingungen wirtschaftlich organisieren lassen.
Forschung an der Trennung
Am MIT untersuchen Gruppen nach Olivettis Darstellung unter anderem gezielt veränderte Mikroben, die bestimmte Metalle binden und schwierige Bedingungen überstehen sollen. Andere Teams erforschen elektrochemische Ansätze und das Verhalten geladener Teilchen in Mineralien. Das Ziel ist, die Gewinnung und Trennung besser zu verstehen und möglicherweise zu verbessern.
Zwischen Labor und Einsatz liegen allerdings weitere Schritte. Ein Verfahren muss außerhalb kontrollierter Versuche funktionieren und für die jeweiligen Rohstoffe und Standorte geeignet sein. Auch Wasserverfügbarkeit, Umweltauswirkungen und die Anliegen von Menschen in der Nähe der Projekte gehören laut Olivetti zur Frage, wie Rohstoffe verantwortungsvoll gewonnen werden können.
Das MIT gründete 2025 das Minerals Stewardship Consortium mit den Unternehmen BHP, Vale und Rio Tinto. Es soll Beteiligte aus Forschung und Industrie zusammenbringen und Hindernisse für die praktische Anwendung neuer Verfahren identifizieren. Das aktuelle Interview beschreibt damit eine Forschungs- und Kooperationsagenda, keine neu eröffnete Mine und keinen nachgewiesenen Durchbruch bei der Versorgung.
Quellen
- MIT News: 3 Questions: Building more resilient minerals supply chains, 3. November 2026.
- IEA: Global Critical Minerals Outlook 2026, Executive summary, 2026.
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