ChatGPT-Chats sperren: Was die PIN schützt

ChatGPT-Chats sperren: Was die PIN schützt und was nicht

Seit dem 20. Oktober lassen sich ChatGPT-Chats mit einer PIN sperren. Wie die Funktion arbeitet, wo ihre Grenzen liegen und was ein PIN-Reset löscht.

Von Wolfgang

26. Okt. 20268 Min. Lesezeit

Aufgeklappter Laptop ohne Markenlogo auf einem Holztisch, davor ein Smartphone mit einem Schloss-Symbol auf dem Bildschirm, im Hintergrund eine unscharfe Person in der Küche
Aufgeklappter Laptop ohne Markenlogo auf einem Holztisch, davor ein Smartphone mit einem Schloss-Symbol auf dem Bildschirm, im Hintergrund eine unscharfe Person in der Küche

OpenAI verteilt seit dem 20. Oktober eine Sperrfunktion für einzelne Chats in ChatGPT. Gesperrte Unterhaltungen verschwinden aus dem Verlauf und öffnen sich nur mit einer vierstelligen PIN. Die Funktion schützt vor neugierigen Blicken am Gerät. An der Datenverarbeitung bei OpenAI ändert sie nichts.

Viele Menschen besprechen mit ChatGPT Dinge, die nicht für fremde Augen bestimmt sind. Dazu gehören Fragen zur Gesundheit, zu Geldsorgen oder zu einem Konflikt im Job. Wer den Laptop mit der Familie teilt oder im Büro den Bildschirm zeigt, konnte solche Chats bisher kaum verbergen. Gesperrte Chats setzen an dieser Stelle an.

Kurz gesagt

Gesperrte Chats in ChatGPT liegen in einem eigenen Bereich und öffnen sich nur mit einer vierstelligen Konto-PIN oder per Face ID, Touch ID oder Geräteentsperrung. Die Sperre verbirgt Unterhaltungen vor anderen Menschen am Gerät, ist aber keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und ändert weder Speicherdauer noch Trainingseinstellung. Wer die PIN vergisst und zurücksetzt, verliert alle gesperrten Chats endgültig.

Was gesperrte Chats sind

OpenAI hat die Funktion am 20. Oktober in den Versionshinweisen zu ChatGPT angekündigt. Sie wird schrittweise verteilt, für Free, Go, Plus und Pro im Web, in den Apps für iOS und Android und in der neuen Desktop-App für macOS und Windows. Laut Hilfeseite steht sie auch in Business, Enterprise und Edu bereit. Fehlt der Menüpunkt, ist die Funktion nach Angaben von OpenAI für das eigene Konto womöglich noch nicht freigeschaltet.

Ein gesperrter Chat bleibt im Konto gespeichert. Er erscheint aber nicht mehr im normalen Verlauf, nicht unter den angehefteten Chats und nicht in der normalen Suche. Alle gesperrten Unterhaltungen sammeln sich im Bereich Projekte unter einem eigenen Eintrag für gesperrte Chats. Die Titel bleiben dort verborgen, bis die PIN eingegeben ist.

OpenAI nennt zwei typische Anwendungsfälle. Gemeint sind das Teilen des Bildschirms und ein Gerät, das mehrere Personen nutzen. In beiden Fällen geht es um Menschen in der Nähe und nicht um Angreifer im Netz.

So sperren Sie einen bestehenden Chat

Der Weg führt über das Menü mit den drei Punkten neben einem Chat. In der englischen Oberfläche heißt der Eintrag „Lock chat“. Nach einer zweiten Bestätigung fragt ChatGPT nach der PIN. Beim ersten Mal legen Nutzer sie an und geben sie zur Kontrolle ein zweites Mal ein.

Danach wandert der Chat in den gesperrten Bereich. Titel und Inhalt verschwinden aus Verlauf und Suche, auch wenn die Suche laut OpenAI dafür etwas Zeit braucht. Auf anderen Geräten mit geöffnetem ChatGPT kann der Titel sichtbar bleiben, bis die Liste neu geladen ist. Unter iOS bleiben bereits geladene Inhalte unter Umständen sichtbar, bis die App aktualisiert ist.

Neue Unterhaltungen lassen sich direkt im gesperrten Bereich beginnen. Beim allerersten Mal muss allerdings ein vorhandener Chat gesperrt werden. OpenAI rät ausdrücklich, vor dem Teilen des Bildschirms alle offenen Geräte zu prüfen. Das gilt besonders kurz nach dem Sperren.

PIN, Face ID und PIN-Reset

Die PIN gilt für das gesamte OpenAI-Konto und nicht für einen einzelnen Arbeitsbereich. Sie funktioniert auf allen Geräten, auf denen dasselbe Konto angemeldet ist. Face ID oder Touch ID auf dem iPhone und die Geräteentsperrung unter Android sind optional. Sie müssen auf jedem Gerät einzeln eingeschaltet werden.

Nach dem Öffnen gilt der Zugang nur für kurze Zeit. Im Browser gilt er für den Tab, in dem die PIN eingegeben wurde. Ein Neuladen der Seite oder das Schließen des Tabs beendet ihn. In der Desktop-App gilt er für das jeweilige Fenster und endet nach einer Zeit der Abwesenheit.

In den Apps für iOS und Android sperrt ChatGPT nach einer Minute außerhalb des gesperrten Bereichs wieder. Dasselbe gilt nach einer Minute im Hintergrund. Mit der Schaltfläche zum sofortigen Sperren lässt sich der Zugang auch von Hand beenden. Unter Android können Bildschirmfotos gesperrter Chats leer oder schwarz erscheinen.

Nach zu vielen falschen Eingaben sperrt ChatGPT den Zugang vorübergehend. Die PIN lässt sich in den Einstellungen unter Sicherheit und Anmeldung ändern. Dafür ist die alte PIN nötig, auch wenn sonst Face ID genutzt wird. Ein Wechsel der PIN lässt alle gesperrten Chats unangetastet.

Den wichtigsten Hinweis stellt OpenAI in seiner Hilfe weit nach oben. Wer die PIN zurücksetzt, verliert alle gesperrten Chats endgültig. Gelöscht werden auch Erinnerungen, die nur in gesperrten Chats entstanden sind, und Dateien, die allein durch die alte PIN geschützt waren. Der Support von OpenAI kann diese Inhalte nicht wiederherstellen.

Das Vergessen der PIN allein löscht noch nichts. Gelöscht wird erst beim Reset in den Einstellungen, dem eine Identitätsprüfung und eine deutliche Warnung vorausgehen. Auch Administratoren eines Firmenkontos können weder die PIN zurücksetzen noch Chats entsperren. Eine sichere Ablage der PIN, etwa im Passwortmanager, ist deshalb Pflicht.

Was die Sperre nicht leistet

Die Sperre ändert, wo ein Chat erscheint und wie er sich öffnen lässt. OpenAI stellt klar, dass sie keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und keinen separat verschlüsselten Tresor schafft. Die Aufbewahrungsdauer bei OpenAI bleibt gleich. Auch die Einstellung, ob Inhalte zur Verbesserung der Modelle genutzt werden, gilt unverändert weiter.

Was ChatGPT vor dem Sperren aus einem Chat gemerkt hat, bleibt erhalten. Gesperrte Chats können außerdem Erinnerungen aus dem normalen Gedächtnis nutzen. Neue Erinnerungen aus gesperrten Chats bleiben dagegen im gesperrten Bereich und fließen nicht in normale Chats. Wer gespeicherte Erinnerungen grundsätzlich prüfen will, findet die Schalter im Ratgeber zum KI-Gedächtnis.

Geteilte Links bleiben bestehen, wenn ein Chat gesperrt wird. Bereits geteilte Inhalte sind weiter abrufbar, neue Nachrichten kommen nicht hinzu. Wer den Zugriff beenden will, muss den Link separat löschen. Wer einen gesperrten Chat öffnen kann, kann seinen Inhalt zudem kopieren.

In Firmenkonten gelten die Regeln der Organisation weiter. Bei Enterprise und Edu tauchen gesperrte Chats in den Protokollen der Compliance-Plattform von OpenAI auf. Werbung kann nach Angaben von OpenAI auch in gesperrten Chats erscheinen, sofern das Konto Anzeigen in ChatGPT sieht.

Nicht jeder Chat lässt sich sperren. Ausgenommen sind unter anderem temporäre, archivierte und Gruppen-Chats sowie Chats mit geplanten Aufgaben oder Meeting-Aufnahmen. Auch Codex-Unterhaltungen und lokale Work-Chats in der Desktop-App bleiben außen vor. Gesperrte Chats lassen sich zudem weder archivieren noch anheften, verschieben oder teilen.

Gesperrter Chat oder temporärer Chat

Für vertrauliche Fragen bietet ChatGPT schon länger den temporären Chat. Beide Werkzeuge verfolgen unterschiedliche Ziele. Der temporäre Chat hält eine Unterhaltung aus dem Verlauf heraus. Der gesperrte Chat bewahrt sie auf und schützt den Zugang.

Merkmal Gesperrter Chat Temporärer Chat
Verlauf und Suche verborgen, im eigenen Bereich gespeichert nicht im Verlauf, solange er temporär bleibt
Verbesserung der Modelle folgt der bestehenden Kontoeinstellung wird nicht genutzt, solange er temporär bleibt
Gedächtnis nutzt vorhandene Erinnerungen, neue bleiben im gesperrten Bereich erzeugt keine neuen Erinnerungen, Personalisierung nur beim Start wählbar
Aufbewahrung unverändert nach den Regeln für gespeicherte Chats Kopie bis zu 30 Tage für Sicherheitszwecke möglich
Später weiterschreiben jederzeit im gesperrten Bereich nach PIN-Eingabe nur nach dem Speichern als normaler Chat
Kombination temporäre Chats lassen sich nicht sperren wird nach dem Speichern zum normalen Chat

Für eine einmalige heikle Frage eignet sich der temporäre Chat in der Regel besser. Wer eine Unterhaltung über Wochen fortführen will, etwa zu einer Krankheit oder einem Rechtsstreit, ist mit der Sperre besser bedient. Die Grundeinstellungen für Verlauf, Export und Löschung erklärt der Ratgeber, wie sich ChatGPT sicher einrichten lässt.

Das Konto selbst absichern

Die PIN schützt vor Menschen am selben Gerät. Für den Schutz des Kontos gegen fremde Anmeldungen gibt es eigene Werkzeuge. Seit dem 25. September zeigt der Sicherheitsverlauf Anmeldungen, Abmeldungen und Änderungen an Passkeys oder an der Mehr-Faktor-Anmeldung. Im Web liegt er in den Einstellungen unter Sicherheit und Anmeldung.

Unter den aktiven Sitzungen lassen sich unbekannte Geräte einzeln oder alle auf einmal abmelden. Wer mehr Schutz will, kann die erweiterte Kontosicherheit einschalten. Sie setzt auf Passkeys oder Sicherheitsschlüssel und schaltet die Anmeldung per Passwort ab. Die dazugehörigen Wiederherstellungsschlüssel sollten sicher verwahrt sein, denn ohne sie und ohne alle Anmeldewege kann der Zugang zum Konto verloren gehen.

Einen Überblick über alle Datenschutzfragen bietet das Privacy Center, das OpenAI im September eingeführt hat. Es bündelt Informationen zu Chats, Gedächtnis, Datennutzung und verbundenen Apps und verweist auf die passenden Einstellungen. Im Web führt der Weg über das Kontomenü und den Punkt Hilfe. Wie ChatGPT beim Datenschutz neben Gemini und Claude dasteht, zeigt der Vergleich zu Deutsch und DSGVO.

Checkliste vor dem ersten Sperren

  • Eine eigene PIN wählen, die nicht der Bank-PIN oder dem Code der Bildschirmsperre entspricht, und sie im Passwortmanager ablegen.
  • Prüfen, ob zum Chat geplante Aufgaben gehören, und diese vorher löschen.
  • Geteilte Links des Chats separat löschen, wenn niemand mehr mitlesen soll.
  • Bei Chats aus Projekten bedenken, dass sie das Projekt verlassen und dessen Anweisungen und Dateien nicht mehr nutzen.
  • Face ID, Touch ID oder Geräteentsperrung auf jedem Gerät einzeln einrichten.
  • Vor dem Teilen des Bildschirms alle offenen Geräte und Tabs neu laden.
  • Nach der Nutzung den Zugang mit der Schaltfläche zum sofortigen Sperren beenden.
  • Die PIN nur zurücksetzen, wenn der Verlust aller gesperrten Chats in Kauf genommen wird.

Fazit

Gesperrte Chats sind ein nützlicher Sichtschutz für alle, die ChatGPT an geteilten Geräten oder vor Publikum nutzen. Die Einrichtung braucht nur wenige Schritte und steht auch im kostenlosen Tarif bereit. Gegenüber OpenAI bietet die Funktion allerdings keinen zusätzlichen Datenschutz. Speicherdauer, Training und Gedächtnis folgen weiter den bestehenden Einstellungen.

Das größte Risiko ist eine vergessene PIN. Ein Reset löscht alle gesperrten Inhalte ohne Rückweg. Wer die PIN sicher verwahrt und die Grenzen der Funktion kennt, kann sensible Unterhaltungen mit wenig Aufwand vor fremden Blicken schützen.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.