Technik

Korallen in der Hitzewelle: Auch inaktivierte Bakterien helfen

Inaktivierte Bakterien halfen in einem kleinen Feldversuch Korallen unter Hitzestress. Warum das vielversprechend ist – und was noch offen bleibt.

Von Wolfgang

06. Sep. 20264 Min. Lesezeit

Illustration einer beige-ockerfarbenen verzweigten Steinkoralle vor blaugrünem Wasser.

Hilfreiche Bakterien müssen offenbar nicht leben, um hitzegestresste Korallen zu unterstützen. In einem kleinen Feldversuch im Roten Meer hielt eine gezielt zusammengesetzte, hitzeinaktivierte Bakterienmischung die Photosyntheseeffizienz der Korallenalgen besser aufrecht als eine Placebobehandlung. Das ist kein Rezept für ganze Riffe – aber ein bemerkenswerter Hinweis für die Korallenforschung.

Ein Signal aus dem Riff während der Hitzewelle

Korallen leben in enger Partnerschaft mit Mikroalgen in ihrem Gewebe. Die Algen betreiben Photosynthese und versorgen ihren Wirt damit zu einem wichtigen Teil mit Energie. Unter anhaltendem Hitzestress gerät diese Verbindung unter Druck: Korallen können die Algen verlieren, bleichen aus und werden anfälliger.

Ein Team um Forschende der King Abdullah University of Science and Technology (KAUST) hat nun untersucht, ob Bakterienmischungen diese belastete Symbiose stützen können. Der Feldversuch lief während einer Hitzewelle im September 2022 am Al-Fahal-Riff im zentralen Roten Meer, vor der saudischen KAUST-Universität. Die Wassertemperaturen lagen grob zwischen 31 und 32 Grad Celsius.

Behandelt wurden 25 bereits gestresste Kolonien der Steinkoralle Acropora cf. valida. Je fünf Kolonien erhielten eine von zwei lebenden Bakterienmischungen, eine ihrer jeweils hitzeinaktivierten Varianten oder eine Salzlösung als Placebo. Die Präparate wurden mit Spritzen über die Korallen gegeben, nicht in ihr Gewebe injiziert. Nach 15 Tagen schnitt eine inaktivierte Mischung in der Messung besser ab als das Placebo.

Gemessen wurde dabei, wie effizient das Photosystem II der symbiotischen Algen arbeitet – vereinfacht gesagt: wie gut der photosynthetische Apparat unter Hitzestress noch funktioniert. Auch eine lebende Mischung zeigte im Endvergleich einen Vorteil gegenüber dem Placebo. Die eigentliche Überraschung aber war die inaktivierte Variante D_BMC2. Offenbar kann eine sorgfältig ausgewählte mikrobielle Formulierung noch Wirkung entfalten, obwohl die darin enthaltenen Bakterien nicht mehr leben.

Nicht „tot“ oder „lebend“ entscheidet

Das Ergebnis lässt sich nicht zu der Aussage verkürzen, tote Bakterien seien grundsätzlich ebenso wirksam wie lebende. Die zweite inaktivierte Mischung zeigte keinen vergleichbaren Nutzen. Der Versuch spricht vielmehr dafür, dass die konkrete Zusammensetzung einer Mischung entscheidend ist – nicht allein das Etikett „lebend“ oder „inaktiviert“.

Warum D_BMC2 die Photosyntheseeffizienz stützte, ist noch offen. Die Behandlungen gingen mit unterschiedlichen Mustern im Mikrobiom und Stoffwechsel der Korallen einher. Daraus folgt jedoch noch kein gesicherter Wirkmechanismus. Welche Bestandteile der Mischung eine Rolle spielen, wie sie mit Koralle, Algen und dem natürlichen Mikrobiom zusammenwirken und wie lange ein möglicher Effekt anhält, müssen weitere Untersuchungen klären.

Wichtig ist auch, was die Messung nicht belegt. Sie zeigt keine direkt gemessene Gesamtenergieversorgung der Koralle und keine Überlebensrate über längere Zeit. Die Korallenfarbe verbesserte sich im Versuch teilweise auch in der Placebogruppe leicht; als einzelner Nachweis für eine erfolgreiche Behandlung würde sie daher nicht genügen.

Eine praktische Option, noch keine Rifftherapie

Die am 3. September 2026 veröffentlichte Studie ist ein Feldsignal, keine umfassende Rettungsstrategie für Korallenriffe. Sie betrifft eine Korallenart, einen Standort und fünf Kolonien pro Gruppe. Ob sich der Befund auf andere Arten, andere Riffe oder längere Hitzeperioden übertragen lässt, ist nicht geklärt. Auch mögliche Nebenwirkungen und die Sicherheit einer Anwendung in größerem Maßstab bleiben zu prüfen.

Dennoch erweitert die Arbeit den Blick auf mögliche Schutzansätze. Bisher liegt bei mikrobiellen Therapien viel Aufmerksamkeit auf lebenden „Probiotika“. Inaktivierte Mikroorganismen oder ihre wirksamen Bestandteile – oft als postbiotische Ansätze bezeichnet – könnten eine zusätzliche Richtung sein. Erika Santoro, eine beteiligte Forscherin, sieht mögliche Vorteile bei Lagerung und Transport. Der Feldversuch selbst hat Haltbarkeit, Kosten oder eine einfachere Logistik allerdings nicht untersucht; auch die inaktivierten Präparate wurden gekühlt gelagert.

Die Autorinnen und Autoren weisen zudem auf Patentanmeldungen zu den verwendeten Mischungen hin. Das entwertet die Daten nicht, macht unabhängige Wiederholungen und größere Langzeitstudien aber besonders wichtig. Gerade bei Anwendungen, die später außerhalb eines einzelnen Forschungsriffs funktionieren sollen, muss sich ein Effekt unter verschiedenen Bedingungen bestätigen.

Der praktische Reiz liegt darin, eine hilfreiche Mischung womöglich bereitstellen zu können, ohne ihre Bakterien bis zur Anwendung am Leben halten zu müssen. Ob daraus ein verlässliches Präparat wird, ist offen. Solche lokalen Hilfen ersetzen zudem keine Senkung der Treibhausgasemissionen. Die Folgen warmer Meere reichen weit über einzelne Riffe hinaus – bis zu den Wetterrisiken durch El Niño im Pazifik. Mikrobielle Hilfe könnte Korallen unter akuter Belastung unterstützen. Den Hitzedruck nimmt sie ihnen nicht ab.

Quellen und weiterführende Informationen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.