In einem Gebäude der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Paris ist aus Urin Dünger und Wasser geworden. Ein Pilotprojekt hat dort nach Angaben der ESA zwischen September 2024 und Dezember 2025 insgesamt 19.881 Liter Urin aufbereitet. Nun meldet die Raumfahrtorganisation den Abschluss des zugehörigen Demonstrationsprojekts VunaNexus.
Die Anlage gewann in dem Zeitraum 18.680 Liter destilliertes Wasser zurück. Ob es im Gebäude für die Toilettenspülung verwendet werden kann, wird noch mit den regionalen Gesundheitsbehörden geprüft. 2025 entstanden außerdem 1.201 Liter des Flüssigdüngers Aurin. Die Düngerzahl bezieht sich damit auf ein anderes Zeitfenster als die gesamte behandelte Urinmenge.
Das Projekt verbindet eine Frage der Raumfahrt mit einem Problem auf der Erde: Wie lassen sich Wasser und Nährstoffe aus einem Abfallstrom zurückgewinnen? Der Test fand in Gebäuden statt. Einen Einsatz des Systems auf einer Weltraummission meldet die ESA nicht.
Der erste Schritt beginnt vor der Kläranlage
Üblicherweise fließt Urin zusammen mit Spülwasser und anderen Abwässern in die Kanalisation. Das Verfahren von VunaNexus setzt früher an: Wasserlose Urinale oder Trenntoiletten sammeln ihn getrennt. Über eigene Leitungen gelangt er in einen geschlossenen Tank und von dort in die Behandlung.
Die getrennte Sammlung ist entscheidend, weil die Nährstoffe so nicht erst im übrigen Abwasser verdünnt werden. Die Anlage arbeitet dort, wo der Urin anfällt. Für Gebäude bedeutet das allerdings auch zusätzliche Technik und Leitungen, die betreut werden müssen. Die ESA nennt den Zustand von Toiletten, Urinalen und Rohren als wichtigen Teil des Betriebs.
Was Bakterien und Filter leisten
Im ersten Behandlungsschritt stabilisieren Bakterien die Flüssigkeit. Sie wandeln mit Hilfe von Luft einen Teil der stickstoffhaltigen Verbindungen in Nitrat um. Diese sogenannte Nitrifikation verringert die Gefahr, dass Ammoniak entweicht und Gerüche entstehen. Ein Sensor für Nitrit hilft laut ESA, den Prozess automatisch zu steuern.
Danach fließt die Flüssigkeit durch Aktivkohle. An dem Filtermaterial werden organische Spurenstoffe zurückgehalten, darunter Arzneimittelrückstände. Das Schweizer Wasserforschungsinstitut Eawag beschreibt die Aktivkohlefiltration als Teil des VUNA-Verfahrens und arbeitet an weiteren Verbesserungen der Entfernung und des Anlagenbetriebs.

Zum Schluss wird die behandelte Flüssigkeit unter vermindertem Druck destilliert. Dabei wird Wasser abgetrennt, während sich die Nährstoffe im verbleibenden Flüssigdünger konzentrieren. Die Wärme dient zugleich der Pasteurisierung. So entstehen zwei unterschiedliche Produkte: ein Düngerkonzentrat und destilliertes Wasser.
Ein Pilot in Paris und ein Test in Brandenburg
Die ESA beschreibt drei Pilotstandorte. Neben Paris gehört dazu eine Anlage im brandenburgischen Barnim. Dort wurde Urin aus mobilen Trockentoiletten behandelt. Das Projekt nutzte den Standort, um das Verfahren bei wechselnden Temperaturen und hoher Belastung mit organischem Material zu erproben. Konkrete Vergleichszahlen für Barnim nennt die ESA auf ihrer Projektseite nicht.
Der Pariser Betrieb läuft nach dem Projektabschluss als Demonstrationsanlage weiter. Der Dünger Aurin erhielt laut ESA bereits 2024 eine französische Zulassung. Das ist eine Aussage über das Produkt und den genannten Markt; für die Nutzung des gewonnenen Wassers in Paris steht die Prüfung noch aus.
Der Bezug zur Raumfahrt liegt im Forschungsprogramm MELiSSA, das geschlossene Versorgungskreisläufe für längere Missionen untersucht. Für die Erde zeigt der Versuch, wie eine solche Idee in einem Gebäude praktisch aussehen kann: Rohstoffe werden getrennt gesammelt, technisch behandelt und als neue Produkte bereitgestellt. Wie sinnvoll der Betrieb an einem anderen Standort ist, hängt auch davon ab, ob Sammlung, Wartung und spätere Verwendung dort funktionieren.
Quellen
- ESA Space Solutions: VunaNexus, Projektstand vom 6. November 2026
- Eawag: Water Hub, Nährstoffrückgewinnung aus Urin
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