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Eine Leitung ist noch kein digitaler Alltag: Was Deutschlands Internetlücke zeigt

Zwischen Hamburg und Sachsen-Anhalt liegen 17,5 Prozentpunkte tägliche Internetnutzung. Die Zahl misst Gewohnheiten – und erklärt die Ursache noch nicht.

Von Wolfgang

26. Sep. 20264 Min. Lesezeit

Eine Leitung ist noch kein digitaler Alltag: Was Deutschlands Internetlücke zeigt

Ein Internetanschluss kann im Haus liegen, ohne dass er für seine Bewohner zum täglichen Werkzeug wird. In Hamburg nutzten 2025 nach Eurostats neuer Regionalauswertung 93,9 Prozent der 16- bis 74-Jährigen das Internet täglich. In Sachsen-Anhalt waren es 76,4 Prozent. Die Spanne von 17,5 Prozentpunkten ist eine der größten innerhalb eines EU-Landes. Sie zeigt eine Lücke im digitalen Alltag. Sie sagt aber noch nicht, wie viele Menschen keinen Anschluss haben – oder warum sie seltener online sind.

Die entscheidende Frage steckt im Wort „täglich“

Stellen wir uns zwei Nachbarn vor. Beide können mit dem Smartphone ins Netz. Einer nutzt es jeden Tag für Nachrichten, Arbeit und Termine. Der andere nur gelegentlich für eine Überweisung. In Eurostats Kennzahl steht nur der erste als täglicher Nutzer. Der zweite verschwindet aus dieser Quote, obwohl er keineswegs offline ist.

Eurostat zählt Personen zwischen 16 und 74 Jahren, die nach eigener Angabe in den drei Monaten vor der Befragung im Durchschnitt mindestens einmal pro Tag online waren – unabhängig von Gerät, Ort und Zweck. Die 23,6 Prozent außerhalb der täglichen Quote in Sachsen-Anhalt bestehen also aus unterschiedlichen Gruppen: Menschen mit seltenerer Nutzung und möglicherweise solchen ohne Nutzung. Wie groß diese Gruppen jeweils sind, lässt sich aus der veröffentlichten Regionalzahl allein nicht ablesen. Menschen ab 75 Jahren werden gar nicht erfasst.

Dieser Unterschied ist mehr als Statistikpflege. Wer aus einer Nutzungsquote direkt einen fehlenden Glasfaseranschluss ableitet, verwechselt ein Verhalten mit einer technischen Voraussetzung. Umgekehrt beweist ein verfügbarer Anschluss noch nicht, dass digitale Angebote für alle gut zugänglich oder nützlich sind.

Viel Zugang, unterschiedliche Gewohnheiten

Ein Gegencheck hilft, die Größenordnung einzuordnen: Destatis ermittelte für Deutschland 2025, dass 95 Prozent der 16- bis 74-Jährigen das Internet in den vergangenen drei Monaten genutzt hatten. Das ist eine bundesweite Kennzahl für irgendeine Nutzung, keine tägliche Quote für Sachsen-Anhalt. Die beiden Werte dürfen deshalb weder voneinander abgezogen noch als Beweis für eine bestimmte Ursache des Länderunterschieds gelesen werden. Zusammen machen sie aber deutlich, warum „nicht täglich“ eine andere Aussage ist als „nicht online“.

Auch die Art der Aktivität verändert das Bild. Destatis berichtet, dass 2025 in Deutschland 85 Prozent der 16- bis 24-Jährigen, aber nur 25 Prozent der 65- bis 74-Jährigen aktiv soziale Medien nutzten. Messenger zählen in dieser Erhebung nicht zu den sozialen Medien. Eurostat findet für Sachsen-Anhalt auch bei aktiven sozialen Netzwerken einen niedrigen Regionalwert von 48,4 Prozent. Daraus folgt weder, dass ältere Menschen dort die tägliche Internetlücke verursachen, noch dass alle anderen keinen Zugang hätten. Es zeigt, wie stark die Antwort von der genau gestellten Frage abhängt.

KI-Symbolbild: Person mit Laptop und Smartphone an einem Tisch; daneben ein Brief
KI-generiertes Symbolbild: Ein Anschluss und Geräte sagen noch nicht, wie oft jemand digitale Dienste nutzt.

Was hinter dem Abstand stecken könnte – und was offenbleibt

Ein plausibler Erklärungsweg führt über Alter, Bildung, Erwerbsalltag, erreichbare Netze und die Angebote, die Menschen tatsächlich brauchen. Eurostat nennt ältere Menschen, Personen mit niedrigerem Bildungsabschluss und Menschen außerhalb des Arbeitsmarkts als Gruppen mit erhöhtem Risiko digitaler Ausgrenzung. Das ist ein Hinweis auf mögliche Mechanismen, keine Zerlegung der 17,5 Punkte zwischen Hamburg und Sachsen-Anhalt.

Hinzu kommt eine Grenze der Messung: Destatis beschreibt die deutsche IKT-Erhebung als repräsentativ für Deutschland insgesamt, warnt aber bei umfassenden Vergleichen einzelner Bundesländer wegen der kleineren Stichprobe zur Vorsicht. Seit 2022 werden die Ergebnisse zwar an die Bevölkerungszahl der Länder angepasst. Ohne passende Länderanalysen zu Alter, Bildung und Anschlussqualität kann aus dem Abstand dennoch keine Ursache herausgerechnet werden.

Die Frage ist praktisch: Immer mehr Wege zur Verwaltung, Bank oder Arbeit führen übers Netz. Eurostat unterscheidet dafür eigene Indikatoren – etwa tägliche Nutzung, Onlinebanking, Behördengänge und digitale Fähigkeiten. Wer Teilhabe verbessern will, muss wissen, an welcher dieser Stellen Menschen hängen bleiben. Die neue Zahl ist ein Warnsignal für ungleichen digitalen Alltag. Sie ist noch keine Diagnose, ob in einem Bundesland zuerst Leitungen, verständliche Dienste oder Unterstützung fehlen.

Das Titelbild ist ein KI-generiertes Symbolbild.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.