Erneuerbare Energien

Warum günstiges Laden das Stromnetz belasten kann

Günstiger Strom kann viele Autos gleichzeitig an die Steckdose bringen. Warum dabei der Zustand des lokalen Netzes zählt.

Von Wolfgang

04. Nov. 20265 Min. Lesezeit

Elektroauto und Transformator in einem Wohngebiet

Wenn Strom günstig ist, sollen Elektroautos laden und Wärmepumpen arbeiten. Das kann helfen, Strom dann zu nutzen, wenn viel davon verfügbar ist. Doch für die Leitung in einer Wohnstraße zählt noch etwas anderes: wie viele Geräte dort gleichzeitig Strom beziehen. Ein günstiger Preis für ein großes Marktgebiet sagt nicht, wie viel Platz in jedem einzelnen Kabel bleibt.

Die Folge ist ein Zielkonflikt, der mit der Elektrifizierung wichtiger wird. Flexibler Verbrauch kann Erzeugung und Nachfrage besser aufeinander abstimmen. Für das örtliche Netz braucht er zusätzlich Informationen über dessen Belastung. Deutschland setzt dafür auf unterschiedliche Instrumente: zeitabhängige Netzentgelte als Anreiz und eine begrenzte Steuerung für drohende Überlastungen.

Der Preis sieht nicht jede Straße

Ein gedachtes Beispiel: In einer Straße kommen abends mehrere Elektroautos nach Hause. Ihre Besitzer müssen nicht sofort laden; bis zum nächsten Morgen bleibt Zeit. Stellen alle ihre Wallbox auf dieselbe besonders günstige Stunde ein, verschiebt sich der Verbrauch. Er verschwindet aber nicht. Die Leistung mehrerer Ladepunkte kann sich in diesem Zeitfenster auf einem gemeinsamen Netzabschnitt addieren.

Ob daraus ein Problem entsteht, hängt von den Leitungen, dem Transformator und dem übrigen Verbrauch vor Ort ab. Ein Transformator verbindet verschiedene Spannungsebenen; im Ortsnetz versorgt er mehrere Anschlüsse. Er und die angeschlossenen Leitungen haben technische Grenzen. Eine einzelne Wallbox sagt daher noch wenig darüber aus, wie stark der gemeinsame Abschnitt belastet wird.

Mehrere gleichzeitig ladende Autos können ein lokales Netz belasten; zeitversetztes Laden verteilt den Bedarf
Gleichzeitiges Laden kann eine lokale Spitze erzeugen. Zeitliche Verteilung kann sie verringern; die Wirkung hängt vom Netz vor Ort ab. Schematische Darstellung. (Quelle: KI generiert)

Das Beispiel ist keine Aussage darüber, dass günstige Stunden regelmäßig zu Überlastungen führen. Es zeigt vielmehr, warum zwei Fragen getrennt beantwortet werden müssen: Ist Strom im Gesamtsystem günstig verfügbar? Und kann der örtliche Netzabschnitt die Nachfrage gerade transportieren? Beide Antworten können zusammenpassen, müssen es aber nicht.

Flexibilität wird vom Notbehelf zum Werkzeug

Die Internationale Energieagentur beschreibt in ihrem Bericht Scaling Up Demand Flexibility, wie verschiebbarer Verbrauch das Stromsystem unterstützen kann. Ein Auto muss oft nicht in genau der Minute laden, in der es angeschlossen wird. Ein Gebäude kann Wärme innerhalb gewisser Grenzen vorhalten. Industrieanlagen können manche Prozesse zeitlich verschieben. Die nutzbare Freiheit unterscheidet sich allerdings je nach Gerät und Bedarf.

Die IEA sieht darin die Möglichkeit, Lastspitzen zu reduzieren, erneuerbare Erzeugung besser zu nutzen und Kosten zu senken. Sie verweist zugleich darauf, dass nicht alle Haushalte gleich gut teilnehmen können. Wer kein geeignetes Gerät besitzt oder den Verbrauch kaum verschieben kann, hat weniger Spielraum. Steuerungstechnik, verständliche Angebote und Schutz vernetzter Geräte gehören deshalb zur Umsetzung.

Wie sehr der Ort zählt, zeigt eine Modellrechnung der Agentur für Thailand im Jahr 2030. Mehr flexible Nachfrage könnte dort die nationale Spitzenlast senken und auf vielen Übertragungsleitungen Kapazität freimachen. Auf manchen Leitungen steigen in dem Szenario aber die Stromflüsse. Das ist keine Messung für Deutschland und keine Vorhersage für eine bestimmte Straße. Es illustriert den technischen Punkt: Eine Entlastung im Gesamtsystem verteilt sich nicht automatisch gleichmäßig auf jedes Netzstück.

Ein Anreiz und eine Grenze

In Deutschland gibt es neben dem Strompreis auch Netzentgelte: Sie bezahlen die Nutzung der Netzinfrastruktur. Ein zeitvariables Netzentgelt soll Verbraucher dazu bewegen, Strom eher in Zeiten geringerer Netzbelastung zu beziehen. Die Bundesnetzagentur erläuterte im Mai 2026, dass dieses sogenannte Modul 3 seit April 2025 anzubieten und abzurechnen ist. Damals beanstandete sie bei zwei Netzbetreibern eine verzögerte Umsetzung. Die Mitteilung beschreibt den damaligen Verfahrensstand, nicht den Ausgang der Verfahren.

Daneben steht die netzorientierte Steuerung nach § 14a des Energiewirtschaftsgesetzes. Sie betrifft bestimmte steuerbare Verbrauchseinrichtungen, etwa private Ladepunkte und Wärmepumpen. Die Bundesnetzagentur erklärt: Droht eine akute Überlastung des lokalen Netzes, darf der Netzbetreiber deren Bezug zeitweise reduzieren. Im Gegenzug erhalten betroffene Betreiber eine Reduzierung des Netzentgelts.

Für viele Anlagen nennt die Behörde eine grundsätzlich verfügbare Mindestleistung von 4,2 Kilowatt. Das Auto kann dann weiterladen, nur gegebenenfalls langsamer; eine Wärmepumpe kann weiter betrieben werden. Der gewöhnliche Haushaltsverbrauch wie Licht und Kühlschrank ist von dieser Regelung nicht betroffen. Welche Anlage erfasst wird und wie die Grenze im Einzelfall anzuwenden ist, hängt von den jeweiligen Regeln und der Anlagenkonstellation ab. Die Erläuterungen der Bundesnetzagentur beschreiben auch Ausnahmen und Übergänge.

Das zeitvariable Entgelt und ein Eingriff bei drohender Überlastung erfüllen verschiedene Aufgaben. Ein Preis soll Verhalten im Voraus lenken. Die zeitweise Reduzierung begrenzt dagegen eine konkrete Gefahr im Netz. Beides verlangt nicht, dass alle Geräte dauerhaft gleichzeitig mit voller Leistung laufen. Umgekehrt garantiert weder ein niedriger Preis noch die Möglichkeit zur Steuerung, dass ein bestimmter Netzausbau überflüssig wird.

Was gute Koordination leisten muss

Eine Steuerung muss wissen, welche Leistung ein Gerät gerade benötigt und welche Verschiebung für seinen Betreiber akzeptabel ist. Beim Laden kann etwa eine gewünschte Abfahrtszeit eine Rolle spielen. Bei Wärme begrenzen Gebäude und Komfort den Spielraum. Wenn viele Geräte nach denselben Signalen reagieren, muss die Verteilung ihrer Lasten im Netz mitgedacht werden.

Die technische Chance liegt darin, vorhandene Leitungen und Erzeugungsanlagen besser auszulasten. Der Gegenpunkt ist der Aufwand: Messung, Kommunikation, sichere Steuerung und passende Verträge kosten Geld und müssen zuverlässig funktionieren. Die IEA betont außerdem, dass vernetzte Geräte neue Anforderungen an Cybersicherheit und Vertrauen stellen.

Der entscheidende Maßstab ist deshalb nicht allein, wie billig eine einzelne Kilowattstunde an der Börse ist. Für ein funktionierendes Stromsystem müssen Zeitpunkt und Ort zusammenpassen. Flexibler Verbrauch kann dabei viel leisten, wenn Marktanreiz, lokale Netzgrenze und Bedürfnisse der Nutzer aufeinander abgestimmt werden.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.