Großbritannien untersucht, wie Erdwärme, Strom aus Ammoniak und neue Offshore-Verbindungen zur gesicherten Stromversorgung beitragen könnten. Das Energieministerium hat am 5. November seine Antwort auf eine jährliche Befragung zu neuen Technologien im Kapazitätsmarkt veröffentlicht. Eine neue Technologiekategorie oder die Teilnahme eines konkreten Projekts ist damit noch nicht beschlossen.
Der Kapazitätsmarkt soll sicherstellen, dass genügend Leistung bereitsteht, wenn Strom knapp werden könnte. Anbieter konkurrieren um Verträge und erhalten Geld dafür, dass sie ihre zugesagte Leistung bei Bedarf bereitstellen. Das ist eine andere Frage als die Menge Strom, die eine Anlage über ein ganzes Jahr erzeugt.
Warum die verfügbare Leistung zählt
Ein Kraftwerk kann eine bestimmte Höchstleistung besitzen und trotzdem nicht jederzeit einsatzbereit sein. Auch bei einer Verbindung zum Ausland hängt der mögliche Beitrag davon ab, ob Strom im entscheidenden Moment verfügbar ist. Der britische Netzsystembetreiber NESO erklärt, dass deshalb für verschiedene Technologien Faktoren verwendet werden, die ihre erwartete Verfügbarkeit berücksichtigen.
Vereinfacht wird die Anschlussleistung mit einem solchen Faktor multipliziert. Bei einer gedachten Anlage mit 100 Megawatt und einem beispielhaften Faktor von 0,8 wären 80 Megawatt bewertete Leistung anzurechnen. Das Beispiel ist keine Aussage über einen tatsächlich festgelegten Faktor für die jetzt diskutierten Technologien. Wer eine Verpflichtung übernimmt und sie in einer Belastungssituation nicht erfüllt, kann laut NESO finanziell sanktioniert werden.

Geothermie: Reicht eine bestehende Kategorie?
Die Regierungsantwort fasst drei eingegangene Stellungnahmen zusammen. Eine davon behandelt tiefe Geothermie und verweist auf Entwicklungen am Projekt United Downs in Cornwall. Dabei wird Wärme aus dem Untergrund für die Stromerzeugung genutzt.
Die Frage ist, unter welcher Kategorie eine Anlage teilnehmen könnte. Geothermie ist laut Antwort aus der bestehenden Wasserkraftkategorie ausgeschlossen. Eine Anlage, die Strom und Wärme gemeinsam erzeugt, könnte je nach Ausführung unter eine vorhandene Kategorie für Kraft-Wärme-Kopplung fallen. Sollte eine eigene Klasse nötig sein, wären weitere Betriebsdaten erforderlich, um ihren Beitrag in angespannten Netzsituationen zu bewerten.
Die Stellungnahme selbst hält die bisherigen Erfahrungen von einem einzelnen Standort noch nicht für ausreichend, um die Notwendigkeit einer eigenen Kategorie zu bestimmen. Aus dem Projekt lässt sich deshalb noch kein allgemeiner Verfügbarkeitswert für alle Anlagen ableiten.
Ammoniak als Brennstoff und Verbindungen über See
Eine weitere Eingabe beschreibt Ammoniak als möglichen Energieträger für Stromerzeugung. Nach der Regierungsantwort könnte es direkt in geeigneten Turbinen oder Motoren eingesetzt oder vor Ort in Wasserstoff umgewandelt werden, der anschließend beispielsweise eine Brennstoffzelle versorgt. Die Einordnung hängt von der gesamten Anlage ab: Manche Ausführungen könnten unter bestehende Klassen fallen, andere müssten gesondert betrachtet werden.
Die Stellungnahme führt an, Ammoniak könne gelagert und bei Bedarf genutzt werden. Wie klimafreundlich eine solche Stromerzeugung tatsächlich wäre, hängt auch von der Herstellung des Brennstoffs ab. Die Regierung sagt keine Gleichstellung mit Wasserstoff zu; mögliche Folgen ihrer Arbeit zu Wasserstoffkraftwerken müssten für Ammoniak gesondert geprüft werden.
Der dritte Themenkomplex sind Offshore-Hybridanlagen. Sie kombinieren eine Verbindung zwischen Strommärkten mit Offshore-Windenergie. Genannt werden unter anderem die Pilotprojekte LionLink und Nautilus sowie GriffinLink als vorgeschlagene Verbindung zwischen Großbritannien und Deutschland. Die Regierung erklärt, die Behandlung solcher hybriden Anlagen im Kapazitätsmarkt müsse weiter untersucht werden.
Die gemeinsame Frage hinter allen drei Vorschlägen lautet: Welche Leistung ist in einer konkreten Engpasssituation verlässlich verfügbar? Die Antwort entscheidet mit darüber, wie eine Technik eingeordnet und bewertet werden kann. Das Ministerium will technische Machbarkeit und mögliche Regeländerungen gemeinsam mit NESO, der Regulierungsbehörde Ofgem und der Branche weiter prüfen.
Quellen
- Britisches Energieministerium: Regierungsantwort zu neuen Technologien im Kapazitätsmarkt, 5. November 2026
- NESO: Capacity Market
- NESO: Capacity Market De-Rating Factors
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