Wellen und Gezeiten bewegen große Wassermassen. Wie sich diese Bewegung zuverlässiger und günstiger nutzen lässt, soll ein neuer europäischer Forschungsaufruf erkunden. Die EU will dafür Projekte zu Anlagen, Materialien und Betriebstechnik für Meeresenergie ansprechen. Die Bewerbungsphase soll am 3. Dezember 2026 beginnen und am 31. März 2027 enden.
Der am 6. November veröffentlichte Aufruf des EU Blue Economy Observatory beschreibt Forschungsziele und mögliche Themen. Welche Projekte ausgewählt werden, steht noch nicht fest. Eine Fördersumme nennt die eingesehene Übersichtsseite nicht.
Wellen und Gezeiten liefern unterschiedliche Bewegungen
Bei Wellenenergie nutzen Anlagen die Bewegung der Wasseroberfläche. Ein schwimmender Körper kann sich etwa gegenüber einem anderen Bauteil auf und ab bewegen; ein Wandler nutzt diese Bewegung zur Stromerzeugung. Welche Bauform sich eignet, hängt vom Entwurf und Standort ab.
Gezeitenströmungsanlagen setzen dagegen an der Strömung des Wassers an, die mit Ebbe und Flut verbunden ist. Eine Turbine kann von dieser Strömung angetrieben werden. Die Grafik zeigt beide Prinzipien vereinfacht; sie ist kein Bauplan für ein konkretes Projekt.

Die Europäische Kommission zählt beide Technologien zur Meeresenergie. Für die Stromversorgung ist nicht nur entscheidend, ob ein Gerät Energie gewinnt. Es muss auch lange genug funktionieren, sich warten lassen und den erzeugten Strom weitergeben können.
Was neue Projekte untersuchen sollen
Der Aufruf nennt die Entwicklung und Erprobung neuer Wellenanlagen und einer nächsten Generation von Gezeitenanlagen. Dazu kommen Materialien, die den Beanspruchungen auf See standhalten und zugleich Nachhaltigkeit und Kreislauffähigkeit berücksichtigen sollen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt dort, wo eine Anlage mit ihrer Umgebung verbunden ist: an Verankerungen, Fundamenten und Stromkabeln. Die Ausschreibung nennt kombinierte Verankerungs- und elektrische Verbindungen sowie Systeme, die sich sicher und schnell verbinden oder trennen lassen. Weniger Arbeitsschritte könnten den Aufwand bei Installation und Wartung verringern. Ob ein konkreter Entwurf das erreicht, müssen spätere Projekte zeigen.
Auch Zustandsüberwachung steht auf der Liste. Sensoren und Auswertung können Hinweise auf den Zustand von Anlagen liefern. Daraus ließe sich Wartung planen, bevor eine Komponente ausfällt. Die EU nennt künstliche Intelligenz als möglichen Ansatz für die Technologieentwicklung; sie legt sich nicht auf ein bestimmtes Verfahren fest.
Erprobung unter kontrollierten Bedingungen
Neue Lösungen sollen laut Aufruf unter überwachten und nachvollziehbaren Bedingungen geprüft werden. Dafür kommen Prüfstände, Testbecken oder geeignete Meeresstandorte mit Messinfrastruktur infrage. Solche Tests helfen, Entwürfe und ihre Belastbarkeit zu untersuchen, bevor aus einer Idee ein breiter einsetzbares System werden kann.
Der Rahmen gehört zum Forschungsprogramm Horizon Europe. Die EU verbindet damit das Ziel, Leistung und Zuverlässigkeit zu verbessern, Kosten zu senken und Auswirkungen auf Umwelt und Artenvielfalt gering zu halten. Das sind Erwartungen an künftige Vorhaben, keine bereits gemessenen Wirkungen des Aufrufs.
Für Interessierte folgt als nächster Schritt die Öffnung der Ausschreibung im Dezember. Maßgeblich für eine Bewerbung sind die verbindlichen Angaben im EU-Förderportal; die Übersichtsseite beschreibt zunächst Anlass, Zeitplan und Forschungsumfang.
Quellen
- EU Blue Economy Observatory: Innovative technologies and solutions to improve wave and tidal energy systems, 6. November 2026.
- Europäische Kommission: Offshore renewable energy.
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