Was geschieht, wenn ein automatisiertes Fahrzeug Unterstützung braucht, aber die Person, die helfen soll, die Straße nur aus der Ferne sieht? Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sucht in Braunschweig Versuchspersonen für eine Laborstudie zur Fernsteuerung automatisierter Fahrzeuge unter eingeschränkten Sichtbedingungen.
In einer simulierten Verkehrsumgebung sollen Teilnehmende ein automatisiertes Fahrzeug unterstützen. Das DLR sucht dafür nach eigenen Angaben bis zum 18. Dezember 2026 Probandinnen und Probanden. Ein Termin dauert ungefähr 45 Minuten; vorgesehen sind 15 Euro Aufwandsentschädigung. Die Ankündigung des Instituts für Verkehrssystemtechnik beschreibt weder den genauen Ablauf noch Ergebnisse der Untersuchung.
Warum die Sicht aus der Ferne wichtig ist
Bei der Fernsteuerung sitzt der Mensch nicht im Fahrzeug. Er muss sich ein Bild der Situation über Informationen machen, die an seinen Arbeitsplatz übertragen werden. Nach Angaben des DLR erfolgt das Fernlenken gewöhnlich anhand von Videobildern aus dem Fahrzeug. Fehlt ein Teil der sichtbaren Umgebung, muss die Person Entscheidungen auf Grundlage dessen treffen, was sie auf dem Bildschirm erkennen kann.
Die Grafik zeigt den allgemeinen Zusammenhang: Informationen gelangen vom Fahrzeug zum entfernten Arbeitsplatz; Eingaben können in die andere Richtung zurückgehen. Sie stellt keinen dokumentierten Aufbau der neuen Studie dar. Welche Sichtbedingungen das Institut konkret simuliert und wie die Unterstützung im Versuch aussieht, ist aus der öffentlichen Ankündigung nicht ersichtlich.

Ein Bildschirm ersetzt nicht alle Eindrücke
Das Sichtfeld ist nur ein Unterschied zum Fahren vor Ort. Wer in einem Auto sitzt, spürt etwa Beschleunigung, Bremsen und Kurvenfahrt. An einem entfernten Arbeitsplatz fehlen diese Bewegungsreize zunächst. Solche Eindrücke lassen sich technisch nachbilden, zum Beispiel durch bewegliche Sitze oder Plattformen. Fachleute nennen diese Rückmeldung „Motion Feedback“.
Ob das tatsächlich hilft, haben Forschende des DLR und der Technischen Universität Delft in einer früheren, eigenständigen Untersuchung betrachtet. Sie verglichen das Fahren im Fahrzeug mit Fernlenken mit und ohne künstliche Bewegungsrückmeldung. In den untersuchten langsamen Fahrszenarien brachte die zusätzliche Bewegung laut DLR keinen messbaren Vorteil für Fahrleistung oder Fahrerlebnis.
Im Vergleich zum Fahren im Fahrzeug schnitt das Fernlenken dort bei Fahrleistung und Fahrerlebnis schlechter ab. Das Ergebnis beantwortet keine Frage über die neue Simulation bei eingeschränkter Sicht: Es stammt aus einem anderen Versuch. Ob Bewegungsrückmeldung bei höheren Geschwindigkeiten oder anderen Aufgaben hilft, blieb laut DLR offen.
Mehr als ein Kamerabild
Die Fernunterstützung wird auch an anderer Stelle erforscht. Im separaten DLR-Projekt LORe arbeiten Forschende an digitalen Lagebildern für ferngesteuerte Fahrzeuge. Dafür sollen Informationen aus verschiedenen Quellen zusammenkommen, etwa Sensoren von Fahrzeugen und Infrastruktur sowie geografische Daten. Ein solches Lagebild soll Menschen helfen, eine Situation aus der Ferne zu überblicken.
Das Projekt nennt für den Straßenverkehr eine geplante Simulation, in der eine entfernte Person übernimmt, wenn ein autonomes Fahrzeug nicht mehr selbstständig handeln kann. Eine Verbindung zwischen diesem Projekt und der neu angekündigten Probandenstudie ist in den vorliegenden Quellen nicht belegt. Gemeinsam machen die Arbeiten die Forschungsfrage sichtbar: Welche Informationen braucht ein Mensch außerhalb des Fahrzeugs, um eine Situation richtig einzuschätzen?
Für die aktuelle Laborstudie bleibt zunächst offen, welche Antworten sie liefern wird. Wer teilnehmen möchte, findet den Zugang zum Probandenpool auf der DLR-Seite; der direkte Studienlink erfordert dort eine Anmeldung.
Quellen
- DLR: Forschung, die bewegt – Studien und Probandenpool, 5. November 2026
- DLR: Studie zur Fernsteuerung von Fahrzeugen, 4. November 2025
- DLR: LORe – Lageerfassung für die Fernsteuerung von Fahrzeugen
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