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Diplodocus in Spanien? Ein Schwanzfund stellt die alte Landkarte infrage

14 Schwanzwirbel aus Teruel sprechen für einen europäischen Diplodocus. Warum der Fund wichtig ist und Fachleute beim Namen noch uneins sind.

Von Wolfgang

21. Sep. 20263 Min. Lesezeit

Diplodocus in Spanien? Ein Schwanzfund stellt die alte Landkarte infrage

Ein Stück Schwanz könnte die bekannte Verbreitung eines berühmten Dinosauriers erweitern. Forschende der Fundación Dinópolis ordnen Fossilien aus Spanien der Gattung Diplodocus zu, die bisher aus Nordamerika bekannt war. Ihre am 15. September vorgestellte Untersuchung liefert damit einen möglichen europäischen Nachweis. Einige Fachleute halten die Bestimmung allerdings noch nicht für eindeutig.

Der Fund stammt aus La Tejería bei El Castellar in der Provinz Teruel. Untersucht wurden laut Mitteilung des Forschungsteams 14 Schwanzwirbel und mehrere Knochen unterhalb der Wirbel, sogenannte Chevrons. Das Tier lebte demnach vor rund 150 Millionen Jahren. Ein vollständiges Skelett liegt nicht vor.

Was ein Schwanz über seinen Besitzer verrät

Wie lässt sich aus diesem Ausschnitt ein Dinosaurier bestimmen? Die Forschenden vergleichen Formen und Merkmalskombinationen mit bekannten Tieren. Ihre Mitteilung nennt unter anderem verlängerte Wirbelkörper und gegabelte Chevrons. Zusammen mit einer Analyse der Verwandtschaftsverhältnisse führte sie das zur Einordnung als Diplodocus sp.: zur Gattung Diplodocus, aber ohne Bestimmung einer einzelnen Art.

Schematische Schwanzknochen neben dem Umriss eines Langhalsdinosauriers mit hervorgehobenem Schwanzbereich.
KI-generiertes Schema: Aus einzelnen Knochen wird eine mögliche Zuordnung erschlossen. Die Zeichnung zeigt weder alle 14 Wirbel noch eine Rekonstruktion des tatsächlichen Fundes.

An diesem Schritt entzündet sich die Diskussion. Ein Knochen kann zu einer Gattung passen, ohne andere verwandte Gattungen sicher auszuschließen. Der Paläontologe Fabien Knoll hält das Material deshalb noch nicht für ausreichend, um Diplodocus zweifelsfrei zu bestätigen. Knoll kennt die Autoren, war nach eigener Auskunft aber nicht an der Untersuchung beteiligt.

Eine frühere Welt mit näheren Nachbarn

Die beim Science Media Centre Spain veröffentlichten Fachreaktionen fallen unterschiedlich aus. Auch José Ignacio Canudo findet die Überreste für eine so genaue Zuordnung zu bruchstückhaft. Pedro Mocho hält die Bestimmung dagegen mit vernünftiger Sicherheit für möglich. Die Fachleute würdigen den Fund, unterscheiden sich aber darin, wie weit die Knochen eine Benennung erlauben.

Für die größere Geschichte müssen wir die heutige Atlantikkarte gedanklich beiseitelegen. Im späten Jura lagen Iberien und Nordamerika näher beieinander. Ähnliche Dinosaurier auf beiden Seiten waren bereits bekannt. Der spanische Fund könnte diesem Bild nun Diplodocus hinzufügen; eine genaue Wanderroute beweist er nicht.

Weitere Fossilien und Vergleiche können helfen, den Namen des Tieres genauer festzulegen. Der Erkenntnisgewinn beginnt schon davor: Wir sehen, wie aus einem kleinen erhaltenen Teil ein Bild von einer verlorenen Tierwelt entsteht und an welcher Stelle dieses Bild noch unscharf bleibt.

Titelbild: KI-generiertes Symbolbild eines Langhalsdinosauriers, keine Rekonstruktion des spanischen Exemplars.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.