Wie stark waren die Schmerzen heute? War genug Kraft für Bewegung da? Bei einer schweren Krebserkrankung können sich solche Antworten zwischen zwei Arztterminen verändern. Das europäische Forschungsprojekt RELEVIUM untersucht, ob eine App und eine Smartwatch helfen können, diese Veränderungen für Betroffene und Behandlungsteams sichtbar zu machen.
Im Mittelpunkt stehen Menschen mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die digitale Begleitung soll eine Chemotherapie ergänzen und helfen, Beschwerden, Ernährung und Bewegung individuell zu berücksichtigen. Ob das die Lebensqualität tatsächlich verbessert, wird in einer klinischen Studie untersucht. Ein Behandlungserfolg ist damit noch nicht belegt.
Was Uhr und App erfassen sollen
Die Idee ist, Informationen aus dem Alltag nicht erst beim nächsten Termin aus der Erinnerung zusammenzutragen. Teilnehmende der Interventionsgruppe sollen laut veröffentlichtem Studienprotokoll unter anderem Schmerzen und Müdigkeit täglich in einer App einschätzen. Eine Smartwatch erfasst körperliche Aktivität; Angaben zum Ernährungsverhalten kommen hinzu.
Für das ärztliche Team werden die Daten auf einer digitalen Übersicht als zeitlicher Verlauf aufbereitet. Dadurch lässt sich beispielsweise besprechen, ob Beschwerden über mehrere Tage zugenommen haben oder Bewegung schwerer fällt. Der Verlauf ersetzt das Gespräch nicht: Im Studienplan beraten Ärztinnen und Ärzte die Teilnehmenden regelmäßig und beziehen ein interdisziplinäres Team ein.

Wo die KI helfen soll
Die Daten sind eine Grundlage für Vorschläge, die auf die einzelne Person zugeschnitten werden sollen. Das Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik arbeitet im Projekt an Verfahren für die personalisierte Bewegungstherapie. Dazu gehören laut Institut wissensbasierte Algorithmen und Methoden der erklärbaren künstlichen Intelligenz.
Erklärbar bedeutet hier: Die Modelle sollen ihre Vorschläge für Fachleute nachvollziehbarer machen. Das ist bei einer Empfehlung wichtig, die zur körperlichen Verfassung eines Menschen passen muss. Fraunhofer zufolge überwacht die Sportmedizin der Universität Mainz die Trainingsvorschläge. Die Entscheidung über die Versorgung bleibt damit in einem medizinischen Zusammenhang; eine Uhr allein kann nicht beurteilen, welche Behandlung für eine Person richtig ist.
Das Projekt betrachtet mehrere Bereiche zusammen. Schmerz, Essen und Bewegung gehören im Studienkonzept zur unterstützenden Versorgung. Sie begleitet die Krebsbehandlung und richtet sich auf Beschwerden und Lebensqualität. Wenn etwa Schmerzen oder Erschöpfung den Alltag belasten, kann eine regelmäßige Dokumentation dem Behandlungsteam zusätzliche Anhaltspunkte für das Gespräch geben.
Was die Studie beantworten muss
Das Studienprotokoll sieht 132 Teilnehmende vor, die per Zufall einer von zwei Gruppen zugeteilt werden. Beide erhalten die vorgesehene Chemotherapie. Eine Gruppe erhält die übliche Versorgung, die andere zusätzlich die personalisierte digitale Unterstützung. Verglichen werden soll die gesundheitsbezogene Lebensqualität, unter anderem anhand der körperlichen Funktionsfähigkeit und des Appetitverlusts nach acht Wochen.
Der Vergleich ist entscheidend: Er soll zeigen, ob das gesamte zusätzliche Versorgungspaket gegenüber der üblichen Betreuung einen Unterschied macht. Aus einem solchen Vergleich ließe sich nicht automatisch ableiten, welchen Anteil allein die KI oder die Smartwatch daran hat. Auch wie aufwendig die Nutzung im Alltag ist und für wen sie passt, gehört zu den Fragen bei der praktischen Erprobung.
Die Europäische Kommission führt die Universitätsmedizin Mainz als Koordinatorin des seit 2022 geförderten Projekts. Die Werkzeuge sind Teil eines Forschungsvorhabens; aus der Beschreibung folgt keine allgemeine Verfügbarkeit als reguläre Behandlung. Erst Studienergebnisse können zeigen, ob die erhoffte Verbesserung eintritt.
Quellen
- Fraunhofer: Mehr Lebensqualität bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, 2. November 2026
- Hillen und Mitwirkende: Studienprotokoll RELEVIUM-RCT, 2025
- Europäische Kommission: RELEVIUM-Projektinformation
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