Erneuerbare Energien

Warum Batteriespeicher mehr Strom zwischen Stunden verschieben

Große Batterien sollen immer öfter Strom vom Mittag in den Abend verschieben. Warum ihre Speicherdauer wächst und was das für ihren Betrieb bedeutet.

Von Wolfgang

04. Nov. 20265 Min. Lesezeit

Batteriespeicher und Stromnetz vom Tag bis zum Abend

Wenn mittags viel Solarstrom ins Netz fließt und am Abend die Nachfrage hoch bleibt, liegen Erzeugung und Bedarf zeitlich auseinander. Große Batterien können einen Teil dieser Lücke überbrücken: Sie laden in Stunden mit reichlichem Angebot und geben später Strom ab. Genau auf diese Aufgabe werden immer mehr neue Speicher ausgelegt.

Der Wandel hat mehrere Gründe. Batterien sind günstiger geworden, während Stromsysteme mit mehr Wind- und Solarenergie beweglicher werden müssen. Zugleich sind die Märkte für sehr schnelle Netzdienste vergleichsweise begrenzt. Das bedeutet nicht, dass diese Dienste überflüssig werden: Ein Speicher kann je nach Technik, Ladezustand und Marktregeln mehrere Aufgaben übernehmen.

Vom schnellen Ausgleich zur Verschiebung über Stunden

Im Stromnetz müssen Erzeugung und Verbrauch laufend zusammenpassen. Schon kleine Abweichungen verändern die Netzfrequenz. Batterien können rasch Leistung aufnehmen oder abgeben und so helfen, das Gleichgewicht zu halten. Für manche dieser Dienste zählt vor allem die schnelle Reaktion, nicht eine besonders große Energiemenge.

Bei der zeitlichen Verschiebung ist die Frage eine andere: Wie viel Strom lässt sich aufnehmen und später wieder ins Netz liefern? Ein Speicher, der nur kurz volle Leistung abgeben kann, ist für eine längere Abendspitze anders geeignet als eine Anlage mit größerem Energievorrat.

Schema: Solarstrom lädt mittags einen Batteriespeicher, der abends Strom ins Netz abgibt
Eine mögliche Aufgabe: Strom vom Mittag in den Abend verschieben. Das Schema zeigt einen vereinfachten Ablauf. (Quelle: KI generiert)

Die Internationale Energieagentur IEA hat den weltweiten jährlichen Batteriezubau nach der jeweils wichtigsten Anwendung betrachtet. 2015 entfielen demnach rund 40 Prozent auf die Verschiebung von Energie, 2025 waren es mehr als 90 Prozent. Der Anteil der Projekte, deren Hauptzweck Netzdienstleistungen waren, fiel im selben Zeitraum von ungefähr 45 auf sieben Prozent. Ihre absolute Menge wuchs dennoch.

Diese Zahlen beschreiben den Schwerpunkt neuer Anlagen, nicht jede Stunde ihres Betriebs. Ein Speicher, der hauptsächlich Strom über den Tag verschiebt, kann zusätzlich schnelle Dienste anbieten. Ob das gleichzeitig möglich ist, hängt unter anderem davon ab, wie viel Leistung und Ladung er dafür freihält.

Was eine längere Batterie ausmacht

Bei Speichern stehen zwei Größen nebeneinander. Die Leistung in Megawatt beschreibt, wie schnell eine Anlage Strom aufnehmen oder abgeben kann. Die Kapazität in Megawattstunden beschreibt die gespeicherte Energiemenge. Eine Anlage mit zehn Megawatt Leistung und 30 Megawattstunden nutzbarer Energie könnte rechnerisch drei Stunden lang mit voller Leistung liefern. Im praktischen Betrieb beeinflussen unter anderem Verluste und technische Grenzen den Ablauf.

Nach Angaben der IEA stieg die durchschnittliche Dauer neu in Betrieb genommener Großbatterien weltweit von etwa zwei Stunden im Jahr 2023 auf drei Stunden im Jahr 2025. Mehr Projekte sind für vier Stunden oder länger ausgelegt. Für einen Solartag kann das bedeuten, dass eine Batterie nicht nur einen kurzen Ausschlag abfängt, sondern einen Teil der Erzeugung in mehrere spätere Stunden verschiebt.

Mehr Kapazität ist allerdings nicht kostenlos. Zusätzliche Batteriemodule müssen gekauft, angeschlossen und betrieben werden. Ob sich ein längerer Speicher lohnt, hängt davon ab, wie oft er seinen zusätzlichen Vorrat gewinnbringend einsetzen kann. Die IEA nennt einen starken Kostenrückgang: Zwischen 2010 und 2025 seien die Batteriekosten um mehr als 90 Prozent gesunken. Das erleichtert größere Speicher, ersetzt aber keine Rechnung für den einzelnen Standort.

Warum Preise eine Rolle spielen

Ein Betreiber kann Strom in günstigen Stunden kaufen, speichern und später zu einem höheren Preis verkaufen. Diese Nutzung von Preisunterschieden wird Arbitrage genannt. Die Differenz muss groß genug sein, um Ladeverluste und weitere Kosten zu decken. Auch Alterung, Finanzierung und die verfügbaren Handelsmöglichkeiten beeinflussen das Ergebnis.

Eine Batterie kann daneben für Bereitschaft oder andere Netzdienste vergütet werden. Die Erlöse lassen sich aber nicht beliebig addieren: Wer Energie für eine spätere Abgabe reserviert, kann denselben Vorrat nicht zur selben Zeit vollständig für eine andere Aufgabe verwenden. Die Betriebsstrategie entscheidet, welche Möglichkeiten zusammenpassen.

Das Fraunhofer-Institut SCAI vergleicht dafür standardisierte Batterien mit einer, zwei und vier Stunden Dauer anhand von Marktdaten und technischen Annahmen. Sein Indikator macht Ertragspotenziale sichtbar; er garantiert keinem konkreten Projekt einen Ertrag. Kurze, leistungsstarke Anlagen können schnelle Preisschwankungen nutzen, längere Anlagen Energie über mehr Zeit abgeben.

Wenn mehr Speicher die eigene Chance verkleinern

Preisunterschiede sind nicht unveränderlich. Laden viele Batterien zur gleichen günstigen Zeit und verkaufen später, verändern sie selbst Angebot und Nachfrage. Der Abstand zwischen niedrigen und hohen Preisen kann kleiner werden. Das hilft dem Stromsystem beim Ausgleich, kann aber die Handelsspanne für weitere Speicher verringern.

Wie stark dieser Effekt ausfallen könnte, hat Fraunhofer ISE für den deutschen Markt modelliert. In einem Szenario auf Basis von Daten aus 2025 mit 20 Gigawatt zusätzlicher Batterieleistung und zwei Stunden Speicherdauer sank der durchschnittliche tägliche Abstand zwischen teuerster und billigster Viertelstunde von 130 auf 53 Euro je Megawattstunde. Das ist eine Was-wäre-wenn-Rechnung mit bestimmten Gebotsannahmen und ohne grenzüberschreitenden Handel, keine Vorhersage künftiger Preise. Andere Erlöse, etwa aus Regelenergie, sind darin nicht enthalten.

Der Wert einer zusätzlichen gespeicherten Kilowattstunde hängt deshalb vom Zeitpunkt und dem System ab. Für die mehrstündige Verschiebung spricht, dass Wind und Sonne nicht nach Bedarf erzeugen und Batterien günstiger geworden sind. Wie groß die Anlagen ausfallen und welche Dienste sie anbieten, entscheiden aber die Bedingungen des jeweiligen Netzes und Marktes.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.