Technik

VW will seine China-Technik international einsetzen.

Volkswagen will eine in China entwickelte Fahrzeugplattform und Elektronikarchitektur zuerst in Südamerika einsetzen. Was dahintersteckt und was noch offen ist.

Von Wolfgang

30. Okt. 20264 Min. Lesezeit

Illustration eines Autos vor einer Karte von China und Südamerika

Volkswagen will Fahrzeugtechnik, die der Konzern in China entwickelt hat, künftig auch in anderen Weltregionen nutzen. Den Anfang soll Südamerika machen: Dort sollen vor 2030 eine Fahrzeugplattform und die dazugehörige Elektronikarchitektur in das lokale Modellangebot einfließen. Das kündigte Volkswagen bei einem Technologietag in Hefei an.

Unter dem Namen VEGA fasst der Konzern drei Bereiche zusammen: Fahrzeugplattformen, Elektronik und Software sowie Fahrerassistenz. Die Mitteilung von Volkswagen China beschreibt sowohl den Ausbau dieser Technik für China als auch den geplanten Transfer einzelner Bausteine. Für Europa ist damit noch kein entsprechendes Modell angekündigt.

Was die Bausteine im Auto leisten

Eine Fahrzeugplattform ist die technische Grundlage, auf der verschiedene Modelle entstehen können. Dazu gehören grundlegende Vorgaben für den Aufbau und die Antriebstechnik. Die chinesische Compact Main Platform, kurz CMP, ist laut Volkswagen für Fahrzeuge der Kompaktklasse gedacht und unterstützt sowohl reine Elektroautos als auch Plug-in-Hybride. Letztere kombinieren einen Verbrennungsmotor mit einem extern aufladbaren Akku.

Daneben entwickelt VW die China Electronic Architecture, kurz CEA. Sie beschreibt die elektronische und softwareseitige Grundlage des Fahrzeugs. Während die Plattform den Rahmen für das Auto bildet, bestimmt die Elektronikarchitektur mit, wie Rechenfunktionen und Software im Fahrzeug organisiert werden. Volkswagen zufolge wird CEA bereits 2026 in fünf in China gebauten elektrischen VW-Modellen verwendet.

Schematische Darstellung eines Autos mit Symbolen für Plattform, Elektronikarchitektur und Assistenz
VEGA verbindet Fahrzeugplattform, Elektronikarchitektur und Fahrerassistenz. Die Symbole zeigen keine tatsächlichen Einbauorte. (Quelle: KI generiert)

Der dritte Bereich sind Assistenzsysteme. Volkswagen nennt unter anderem Funktionen für die unterstützte Navigation auf Autobahnen und in Städten sowie fürs Parken. Das vorgestellte System Hyper Sense 8 ordnet das Unternehmen als Fahrerassistenz ein. Es macht ein Fahrzeug nicht zu einem selbstständig fahrenden Taxi: Die fahrende Person bleibt für die Überwachung verantwortlich.

Techniktransfer ist nicht dasselbe wie Autoexport

Für Südamerika nennt Volkswagen ausdrücklich CMP und CEA als technische Grundlage künftiger Modelle. Sie sollen für die Zielmärkte angepasst werden. Ein konkretes Fahrzeugmodell, einen Verkaufspreis oder einen genauen Starttermin nennt die Mitteilung dafür nicht. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, der Einsatz solle bis zum Ende des Jahrzehnts beginnen.

Das ist ein anderes Vorhaben als der Export fertiger Autos aus China. Nach Angaben des Konzerns werden Modelle der Marken Volkswagen und Jetta bereits in mehrere Regionen geliefert; bis Ende 2026 sollen unter anderem Mexiko, Ägypten und Vietnam hinzukommen. Beim Techniktransfer geht es dagegen darum, eine in China entwickelte Grundlage für Fahrzeuge in einem anderen Markt zu verwenden und dort anzupassen.

Für Käuferinnen und Käufer kann diese Unterscheidung später praktisch sein: Aus dem Herkunftsland der Entwicklung lässt sich nicht automatisch ablesen, wo ein konkretes Auto gebaut wird oder welche Ausstattung es erhält. Darüber entscheidet die jeweilige Modellankündigung für den Markt.

Was für 2027 vorgesehen ist

Volkswagen kündigt auch weitere Entwicklungsschritte in China an. Für 2027 nennt der Konzern eine Architektur mit mehr als 850 Volt für schnelles Laden sowie die technische Vorbereitung auf automatisiertes Fahren der Stufe 3. Bei dieser Stufe kann das System unter bestimmten Bedingungen die Fahraufgabe übernehmen; die Person am Steuer muss auf eine Aufforderung zur Übernahme reagieren können.

Eine technische Vorbereitung ist noch keine allgemeine Zulassung und kein Versprechen, dass jede dieser Funktionen in Südamerika oder Europa angeboten wird. Auch Ladezeiten hängen vom konkreten Fahrzeug und den Bedingungen an der Ladesäule ab. Welche der angekündigten Fähigkeiten später in exportierten Fahrzeugen oder lokal angepassten Modellen landen, muss Volkswagen für die einzelnen Märkte noch konkretisieren.

Warum VW die Richtung ändert

Reuters beschreibt den Schritt als Erweiterung der bisherigen Strategie, vor Ort für China zu entwickeln. Der Konzern steht dort unter Druck durch heimische Wettbewerber bei Elektroautos, Software und Preisen. Wenn VW entwickelte Technik auch andernorts verwenden kann, ließen sich gemeinsame Grundlagen für mehrere Märkte nutzen und zugleich regionale Modelle darauf aufbauen. Ob daraus tatsächlich ein Vorteil bei Kosten oder Absatz entsteht, zeigt erst die Umsetzung.

Für Europa und Nordamerika sieht Reuters derzeit keine Einführung der China-Modelle vor. Der jetzt angekündigte erste Einsatz der CMP- und CEA-Bausteine ist auf Südamerika gerichtet; weitere Märkte wie Südafrika nennt Volkswagen als Perspektive.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.