Wer sich an die Polizei wendet, soll auch bei eingesetzter KI einen Menschen erreichen können. Das ist eine zentrale Forderung eines am 23. Oktober veröffentlichten britischen Bürgerdialogs. Die Beteiligten diskutierten Onlineanzeigen, Telefonkontakte und die Auswertung von Kamerabildern. Sie sahen Chancen für Unterstützung, erwarteten aber erkennbare Verantwortung und menschliches Urteil an entscheidenden Stellen.
Im Auftrag des Home Office und von PoliceAI, gemeinsam mit UK Research and Innovation, führte Thinks Insight & Strategy Gespräche mit 98 Menschen aus Manchester, Norwich und Swansea. Die Workshops fanden im Juni und Juli statt; der Bericht trägt den Stand September. Diese zeitliche Trennung ist wichtig: Neu ist die öffentliche Veröffentlichung der Ergebnisse. Der Dialog untersucht, welche Bedingungen die Beteiligten an Technik stellen. Er liefert keine repräsentative Zustimmungsquote für die britische Bevölkerung.
Ein Formular ist noch keine Antwort
Bei der Onlineanzeige konnten sich Teilnehmer einen Chatbot vorstellen, der Angaben sammelt und beim Zusammenstellen hilft. Ein Mensch sollte den Vorgang anschließend prüfen. Bei Kamerabildern war für viele wichtig, eine Entscheidung durch einen Menschen anfechten zu können. Der Abschlussbericht zeigt außerdem eine besonders deutliche Ablehnung der hypothetischen Idee, KI allein Notrufe unter 999 vorsortieren zu lassen.
Technisch liegen zwischen diesen Aufgaben mehrere Schritte. Informationen entgegennehmen, ein Anliegen zuordnen, Belege bewerten und über eine Reaktion entscheiden sind unterschiedliche Tätigkeiten. Eine Software kann beim ersten Schritt helfen, ohne den letzten übernehmen zu müssen. Für einen Bürger ist deshalb entscheidend, wohin die Information danach gelangt. Ein leicht auszufüllendes Formular nützt wenig, wenn der weitere Kontakt unklar bleibt.

Was an der britischen 101 bereits passiert
Ein konkreter Vergleich ist die britische Polizeinummer 101 für Anliegen ohne akuten Notfall. Das Home Office beschrieb am 18. August ein KI-System, das den Grund eines Anrufs wahrscheinlichen Anliegen zuordnet. Geht es um eine andere zuständige Stelle, soll der Anrufer dorthin gelangen, bevor er in der Polizeiwarteschlange landet. Entwickelt wurde das Verfahren mit dem National Police Chiefs’ Council und Vodafone Business.
Die vorgesehene Rückfrage ist dabei wesentlich. Das System teilt mit, wie es den Anruf verstanden hat; die Person kann diese Einordnung bestätigen oder zurückweisen. Bei breiten Kategorien sind zusätzliche Schutzfragen vorgesehen. Im Zweifel soll der Anruf direkt zur Polizei gehen. Laut Home Office bleibt außerdem die Möglichkeit, mit einem menschlichen Mitarbeiter zu sprechen. Das Ministerium beschreibt damit mehrere Wege, eine falsche Zuordnung zu unterbrechen.
Das lässt sich wie eine Weggabelung verstehen. Eine automatische Zuordnung ist ein Vorschlag für die nächste Abzweigung. Die Rückmeldung des Anrufers bringt Information hinzu, die beim ersten Erkennen gefehlt haben kann. Der direkte Weg zum Mitarbeiter ist eine weitere Korrekturmöglichkeit. Solche Schritte bestimmen, ob die Hilfe bei einem ungewöhnlichen Anliegen erreichbar bleibt. Eine bloße Angabe, wie viele Gespräche automatisch bearbeitet werden, würde diese Eigenschaft des Ablaufs kaum beschreiben.
Die Nummer 999 für Notfälle blieb nach der Mitteilung unverändert. Der August-Start des 101-Verfahrens und die im Oktober veröffentlichten Workshop-Ergebnisse gehören deshalb in verschiedene Zeitlinien. Aus der Diskussion über eine hypothetische Notruf-KI wird kein entsprechender Einführungstermin.
Verantwortung muss im Ablauf erkennbar sein
Der Bürgerdialog verbindet Zustimmung zur Entlastung mit dem Wunsch nach echter menschlicher Entscheidung. Gerade bei belastenden Situationen sollen Mitarbeiter zuhören, Umstände verstehen und KI-Empfehlungen übergehen können. Ein Mensch, der eine Ausgabe nur bestätigt, erfüllt diese Erwartung nicht automatisch.
Daraus ergibt sich eine praktische Frage für jede digitale Polizeidienstleistung: Wer kann den nächsten Schritt verändern, wenn die automatische Einordnung nicht passt? Beim Anruf ist dieser Moment unmittelbar hörbar. Bei einer Anzeige oder einem Kamerahinweis muss er an einer anderen Stelle des Verfahrens liegen. Der neue Bericht macht diese Kontaktpunkte zum Gegenstand der Debatte. So lässt sich über KI-Einsatz konkreter sprechen als über ein allgemeines Dafür oder Dagegen.
Quellen
- UKRI, AHRC, PoliceAI, Home Office, Thinks Insight & Strategy: AI in policing dialogue 2026: final report, veröffentlicht am 23. Oktober 2026.
- Thinks Insight & Strategy: AI in Policing Dialogue 2026 – Final report, Berichtsfassung September 2026.
- Home Office: AI to slash 101 wait times and free vital police time, 18. August 2026, Open Government Licence v3.0.
Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.