Technik

Zwei Formen der Supraleitung treffen in einem Material aufeinander

Unter hohem Druck zeigt Urantellurid zwei gleichzeitig bestehende supraleitende Zustände. Das Experiment klärt eine Frage für die Quantenforschung.

Von Wolfgang

31. Okt. 20263 Min. Lesezeit

Symbolischer Kristall in einer Druckzelle mit Artikelüberschrift

Ein dunkler Kristall wird stark zusammengedrückt und fast bis zum absoluten Nullpunkt gekühlt. Unter diesen Bedingungen hat ein Forschungsteam zwei Formen der Supraleitung im selben Material beobachtet. Die Zustände können sich überlagern und miteinander konkurrieren. Das Ergebnis macht Urantellurid zu einem interessanten Kandidaten für eine besondere Art von Supraleiter, die auch für die Quantencomputerforschung wichtig wäre.

Ein solcher topologischer Supraleiter ist damit allerdings nicht nachgewiesen. Die Forschenden haben zunächst eine Grundlage geschaffen, um die Eigenschaften des Materials besser zu verstehen. Ihre Arbeit erschien laut Cornell University am 30. Oktober in Nature Physics; eine Autorenfassung war zuvor als Preprint verfügbar.

Ein Material, verschiedene Zustände

In einem gewöhnlichen Leiter stoßen bewegte Elektronen an Hindernisse im Material. Dabei entsteht elektrischer Widerstand. In einem Supraleiter bilden Elektronen Paare, die sich gemeinsam durch das Material bewegen können, ohne dass ein elektrischer Gleichstrom auf den üblichen Widerstand trifft. Welche Eigenschaften diese Paare haben, hängt vom Material und seinem Zustand ab.

Urantellurid, chemisch UTe₂, wird seit Jahren untersucht, weil es ungewöhnliche supraleitende Eigenschaften zeigt. Eine Form tritt bei sehr tiefen Temperaturen auf. Eine weitere kann nach Angaben des Teams bei starkem Magnetfeld oder unter Druck entstehen. Interessant ist nicht allein, dass das Material verschiedene Zustände annehmen kann: Die neue Messung zeigt einen Bereich, in dem zwei supraleitende Ordnungen gleichzeitig bestehen.

Man kann sich eine Karte vorstellen, deren Achsen Temperatur und Druck zeigen. Je nachdem, wo man sich auf dieser Karte befindet, verhält sich der Kristall anders. Die Forschenden haben eine bisher übersehene Grenze auf dieser Karte gefunden. An einem besonderen Punkt treffen vier Bereiche zusammen; jenseits davon existiert ein Zustand mit mehreren Komponenten.

Was Schall über den Kristall verrät

Für die Messung nutzte das Team Puls-Echo-Ultraschall. Dabei laufen Schallimpulse durch den Kristall und werden zurückgeworfen. Ändert sich die innere Ordnung des Materials, kann sich auch die Geschwindigkeit des Schalls verändern. Ein auffälliger Sprung zeigte den Forschenden eine zusätzliche Phasengrenze an.

Schematische Darstellung von Druck, Schallmessung und zwei Zuständen im Kristall
Die schematische Grafik zeigt die Messidee und zwei überlagerte Zustände. (Quelle: KI generiert)

Die Bedingungen sind extrem: Cornell beschreibt Temperaturen zwischen einem und zwei Kelvin, also knapp über dem absoluten Nullpunkt, und hohen Druck auf die kleine Probe. Die Messung beschreibt damit ein kontrolliertes Laborexperiment und kein Material, das schon unter Alltagsbedingungen in einem Gerät arbeitet.

Die beiden Ordnungen ergänzen sich nicht einfach. Den Autoren zufolge konkurrieren sie miteinander. Dabei beobachteten sie eine ungewöhnliche Umkehr: Unter bestimmten Bedingungen verschwindet eine supraleitende Ordnung beim weiteren Abkühlen. Normalerweise verbindet man stärkere Kühlung gerade mit dem Entstehen von Supraleitung. Hier verändert das Zusammenspiel der Zustände das Ergebnis.

Warum Quantenforscher darauf schauen

Ein topologischer Supraleiter wäre für die Grundlagenforschung deshalb spannend, weil seine besonderen Quantenzustände künftig für robustere Formen der Informationsverarbeitung interessant sein könnten. Ob und wie sich daraus praktische Quantencomputer bauen lassen, ist eine andere Frage. Für UTe₂ ist schon die entscheidende Eigenschaft selbst noch offen: Die neue Studie belegt die koexistierenden Zustände, nicht die gesuchte topologische Supraleitung.

Der Fortschritt liegt deshalb in einer genaueren Landkarte. Wer weiß, bei welchem Druck und welcher Temperatur die Ordnungen auftreten und miteinander konkurrieren, kann künftige Experimente gezielter planen. Ob der Kristall die erhofften besonderen Eigenschaften tatsächlich besitzt, müssen weitere Messungen zeigen.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.