Erneuerbare Energien

Warum genügend Strom nicht vor jedem Ausfall schützt

Kraftwerksreserve, Leitungen und lokale Inselnetze sichern unterschiedliche Teile der Stromversorgung. Kalifornische Projekte zeigen, wie sich diese Aufgaben ergänzen können.

Von Wolfgang

30. Okt. 20265 Min. Lesezeit

Umspannwerk und Batteriespeicher neben Artikelüberschrift

Ein Land kann genug Kraftwerke und Speicher haben und trotzdem kann in einer einzelnen Stadt das Licht ausgehen. Denn der Strom muss nicht nur erzeugt werden. Er muss auch über Leitungen, Umspannwerke und örtliche Verteiler bis zu den Menschen gelangen. Fällt auf diesem Weg ein entscheidendes Stück aus, hilft eine weit entfernte Reserve dem betroffenen Viertel nicht unmittelbar.

Für eine robuste Versorgung braucht es deshalb mehrere Ebenen: genug verfügbare Leistung für Zeiten hoher Nachfrage, ein belastbares Netz und Möglichkeiten, örtliche Störungen einzugrenzen. Kleine, eigens dafür ausgelegte Teilnetze können im Notfall ausgewählte Gebäude weiter versorgen. Doch auch sie benötigen funktionierende Leitungen, Steuerung und ausreichend Energie vor Ort.

Die Stromreserve löst ein anderes Problem als die Leitung

Stellen wir uns einen heißen Abend vor: Viele Klimaanlagen laufen gleichzeitig. Wenn die verfügbare Erzeugung knapp wird, können zusätzliche Kraftwerke, Speicher oder eine vorübergehend gesenkte Nachfrage helfen, das Gleichgewicht zwischen Angebot und Verbrauch zu halten. Kalifornien hat dafür 2022 eine strategische Zuverlässigkeitsreserve eingerichtet. Sie umfasst unter anderem zusätzliche Erzeugung, Möglichkeiten zur Lastsenkung und Speicher.

Nun ein anderer Fehler: Ein Sturm beschädigt eine Leitung, die ein Viertel versorgt. Selbst wenn anderswo genügend Strom bereitsteht, muss er einen intakten Weg zu den angeschlossenen Gebäuden finden. Eine Reserve im Gesamtsystem ist daher nur ein Teil der Antwort. Ob Umleitungen möglich sind, hängt vom konkreten Netz und der Störung ab.

Die Internationale Energieagentur beschrieb 2023 in ihrem Bericht über Stromnetze, warum diese Verbindungen zunehmend Aufmerksamkeit benötigen. Neue Erzeugungsanlagen, Elektroautos und Wärmepumpen verändern, wo Strom eingespeist und verbraucht wird. Leitungen und ihre Planung müssen dazu passen. Der Bericht betrachtet den weltweiten Umbau; er sagt nicht voraus, wann ein bestimmter Ort einen Ausfall erlebt.

Ein Schalter kann entscheiden, wie groß die Störung bleibt

Eine Leitung muss nicht das ganze umliegende Netz mitnehmen, wenn Schutz- und Schalttechnik einen Fehler auf einen Abschnitt begrenzen können. Wo eine alternative Verbindung vorhanden ist, kann ein Betreiber unter geeigneten Bedingungen andere Abschnitte wieder versorgen. Die Technik muss allerdings zum Netz passen: Ein neuer Schalter schafft allein keine zweite Leitung.

Ein kalifornisches Förderprogramm zeigt, wie unterschiedlich solche Maßnahmen aussehen. Die Energiekommission des Bundesstaats nennt vier Förderzusagen im Jahr 2024 und fünf im Jahr 2025. In Anaheim sollen bis zu 40 ältere Schalter ersetzt und automatisiert werden. Das Vorhaben zielt darauf, die Wiederherstellung nach Ausfällen zu beschleunigen. Die von der Behörde genannte Zeit ist ein Projektziel, keine bereits gemessene Wirkung.

Ein anderes gefördertes Vorhaben am Santa Barbara City College plant ein lokales System aus Solaranlage, Batterie und Ladetechnik. Der Campus soll bei Ausfällen als Anlaufstelle dienen, an der Menschen unter anderem Geräte laden und Hilfe erhalten können. Auch hier belegt die Förderzusage zunächst das Vorhaben. Wie lange welche Leistungen später tatsächlich verfügbar sind, hängt von der fertigen Anlage und der jeweiligen Lage ab.

Was beim Wechsel in den Inselbetrieb passiert

Ein solches kleines, gemeinsam gesteuertes Stromsystem wird oft Mikronetz genannt. Im Alltag kann es mit dem öffentlichen Netz verbunden sein. Bei einer Störung kann ein dafür ausgelegtes System die Verbindung öffnen und mit seinen eigenen Quellen und Speichern weiterarbeiten. Es bildet dann eine elektrische Insel.

Das US-Energieministerium erklärt in einem Überblick zu Mikronetzen, welche Teile dafür zusammenarbeiten müssen: Erzeugung und Speicher, eine Steuerung zum Ausgleichen von Angebot und Verbrauch, Schalter sowie Leitungen und Schutzgeräte. Eine Solaranlage auf einem Dach und eine Batterie ergeben nicht automatisch ein System, das jeden Ausfall überbrücken kann.

Schema eines Stadtviertels im Netzbetrieb und eines getrennten Inselnetzes mit Sonne und Batterie
Im Schema trennt ein Schalter das Viertel vom gestörten Netz. Lokale Erzeugung und Speicher können die angeschlossenen Verbraucher nur innerhalb ihrer Auslegung versorgen. (Quelle: KI generiert)

Warum die Trennung wichtig ist, zeigt eine Simulation des Ministeriums für einen Campus: Zuerst wird die Verbindung zum äußeren Netz geöffnet, damit kein Strom unkontrolliert zurück in die gestörte Leitung fließt. Danach werden Erzeuger und ausgewählte Leitungsabschnitte schrittweise zugeschaltet. Die Animation veranschaulicht den Ablauf; sie dokumentiert keinen tatsächlich beobachteten Stromausfall.

Im Inselbetrieb muss die verfügbare Leistung zu den gleichzeitig laufenden Geräten passen. Ein Speicher muss außerdem genügend Energie für die benötigte Zeit enthalten oder nachgeladen werden können. Eine Klinik, eine Wasserpumpe und ein ganzes Wohngebiet stellen sehr unterschiedliche Anforderungen. Wird das System nur für wichtige Gebäude geplant, können andere Häuser trotz des lokalen Mikronetzes dunkel bleiben.

Mehr Schutz hat einen Preis

Je mehr Gebäude und je längere Ausfälle ein Mikronetz abdecken soll, desto größer und komplexer muss es ausgelegt werden. Das betrifft nicht nur Solarmodule und Batterien, sondern auch die Kabel, die Steuerung und die Wartung. Der Überblick des Energieministeriums weist darauf hin, dass höhere gewünschte Verfügbarkeit die Investitions- und Betriebskosten erhöht. Welche Lösung sich lohnt, hängt deshalb auch davon ab, welche Folgen ein Ausfall am jeweiligen Ort hätte.

Dazu kommt eine organisatorische Frage: Wem gehören die Anlagen, wer darf sie steuern und wer hält sie einsatzbereit? Eine Forschungsplanung des Ministeriums nennt unterschiedliche Eigentümer, die Zusammenarbeit verschiedener Steuerungen und deren Schutz als Herausforderungen. Eine Anlage, die auf dem Papier genug Energie besitzt, muss im Ernstfall auch sicher funktionieren.

Das spricht nicht gegen lokale Inseln. Es erklärt, weshalb sie das größere Netz ergänzen. Eine bessere Leitung kann viele Menschen im Normalbetrieb und bei Störungen erreichen; ein lokales System kann besonders wichtige Dienste absichern, wenn die Verbindung dennoch ausfällt. Versorgungssicherheit entsteht aus dem Zusammenspiel dieser Entscheidungen, nicht aus einer einzigen Zahl zur vorhandenen Strommenge.

Wie unterschiedlich ein Speicher für den Alltag und für den Notfall ausgelegt werden muss, zeigt auch unser Beitrag über Biogas und Batterie als Ersatzstromsystem.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.