Erneuerbare Energien

Wie Ostseewasser das Neustädter Hafenquartier heizt

In Neustadt heizen erste Gebäude mit Ostseewärme. So arbeiten Meerwasser-Wärmepumpe, getrennte Kreisläufe, Speicher und Quartiersnetz zusammen.

Von Wolfgang

06. Sep. 20264 Min. Lesezeit

KI-Illustration eines Hafenbeckens mit angrenzenden Wohngebäuden und einem kleinen Gebäude für die Wärmeversorgung.

Im Neustädter Hafenquartier heizen erste Gebäude bereits mit Wärme aus der Ostsee. Eine Meerwasser-Wärmepumpe bringt die Energie aus dem kalten Wasser auf die nötige Heiztemperatur. Wie das funktioniert – und warum zur Versorgung mehr gehört als die Wärme aus dem Meer.

Das Ostseewasser bleibt auch beim Heizen Ostseewasser: Es gibt einen Teil seiner Wärme ab und fließt zurück ins Meer. Bis diese Energie in den Gebäuden des Neustädter Hafenquartiers ankommt, durchläuft sie mehrere getrennte Kreisläufe. Sie verbinden die natürliche Wärmequelle im Hafenbecken mit dem Heizwasser des Quartiersnetzes. Die Wärmepumpe übernimmt dabei den entscheidenden Schritt: Sie hebt die Temperatur so weit an, dass die Wärme zum Heizen nutzbar wird.

Erste neu errichtete Mehrfamilienhäuser sind bereits angeschlossen. Am 17. Februar meldeten die Stadtwerke Neustadt die abgeschlossene Funktionsprüfung und Inbetriebnahme; damals lieferte das System Bauwärme. Als die Meerwasser-Wärmepumpe am 4. September 2026 öffentlich vorgestellt wurde, hatte sie ihren Betrieb also längst aufgenommen. Versorgt wird das entstehende Hafenquartier, nicht die gesamte Stadt Neustadt in Holstein.

Vom Hafenbecken zum warmen Heizwasser

Auch kaltes Wasser enthält thermische Energie. Um sie zu nutzen, führt eine rund 170 Meter lange Leitung Ostseewasser vom Hafenbecken zur Energiezentrale. Dort überträgt ein Wärmetauscher einen Teil der Wärme auf einen Sole-Zwischenkreis, wie der Projektplaner Averdung beschreibt. Die Sole ist eine frostgeschützte Flüssigkeit. Sie nimmt Wärme auf, ohne sich mit dem Meerwasser zu vermischen, und bringt sie zur Wärmepumpe.

Hier beginnt der eigentliche Temperaturhub. Ein Kältemittel nimmt die Wärme auf und verdampft. Ein elektrisch angetriebener Verdichter komprimiert diesen Dampf, wodurch dessen Temperatur steigt. Anschließend gibt das Kältemittel die Wärme an das Heizwasser ab. Meerwasser, Sole, Kältemittel und Heizwasser haben damit jeweils eine eigene Aufgabe und bleiben voneinander getrennt. Durch die Heizkörper fließt am Ende Heizwasser, kein Ostseewasser.

Averdung nennt für den Heizwasservorlauf Temperaturen von bis zu 72 Grad Celsius. Dieser Höchstwert beschreibt, welches Temperaturniveau möglich ist; die Netztemperatur muss deshalb nicht das ganze Jahr über gleich hoch liegen. Das Meerwasser hat seinen Beitrag zu diesem Zeitpunkt bereits geleistet: Es wird nach der Wärmeabgabe um wenige Grad abgekühlt zurück in die Ostsee geleitet.

Die Energie zum Verdichten liefert Strom. Die Ostsee steuert die Umweltwärme bei. Gegenüber Außenluft kann Wasser als Wärmequelle im Winter einen Vorteil haben, weil es oft wärmer ist und langsamer abkühlt. So erläutert es auch der Betreiber in der NDR-Berichterstattung. Wie effizient die Neustädter Anlage über ein vollständiges Jahr arbeitet, bleibt dabei offen: Ein gemessener Jahreswert liegt den hier verwendeten Angaben nicht zugrunde.

Ein Wärmenetz mit mehreren Wärmequellen

Für die Gebäude zählt nicht nur, wie Wärme gewonnen wird, sondern auch, dass sie passend zum Bedarf verfügbar ist. Deshalb steht die Meerwasser-Wärmepumpe im Hafenquartier nicht allein. Zur Versorgung gehören außerdem Abwärme aus dem benachbarten ZVO-Müllheizkraftwerk, ein Spitzenlastkessel und ein thermischer Pufferspeicher. Der Speicher kann Wärme zeitlich versetzt bereitstellen, während die weiteren Erzeuger das Angebot ergänzen.

Die Meereswärme ist damit ein Baustein einer kombinierten Versorgung. Welche Anteile die einzelnen Quellen übernehmen, ist mit den vorliegenden Angaben nicht beziffert; auch eine vollständig erneuerbare Gesamtversorgung lässt sich daraus nicht ableiten. Wie Stromversorgung, Wärmepumpen und ergänzende Erzeuger zusammenwirken, erklärt der Hintergrund dazu, wann Großwärmepumpen in Wärmenetzen Gas verdrängen.

Was bei der Wasserentnahme zu beachten ist

Damit die Wärmequelle dauerhaft nutzbar bleibt, braucht auch der Weg des Meerwassers technische Aufmerksamkeit. Muscheln und Algen können Anlagenteile bewachsen und den Betrieb beeinträchtigen. Averdung beschreibt deshalb mehrstufige Filter und ein gemeinsam mit biologischen Fachinstituten entwickeltes Anti-Fouling-Konzept. Gemeint sind Vorkehrungen gegen diesen Bewuchs.

Zum Schutz bei der Wasserentnahme nennen die Stadtwerke außerdem eine begrenzte Ansauggeschwindigkeit sowie Grob- und Feinrechen. Auch die Abkühlung vor der Rückleitung ist begrenzt: Im Winter darf das entnommene Wasser laut Betreiber-FAQ höchstens um drei Grad abgekühlt werden. Diese Angaben beschreiben die vorgesehenen Schutzmaßnahmen. Eine unabhängige Bewertung der ökologischen Auswirkungen ersetzen sie nicht.

Mit dem Hafenquartier soll nun auch das Wärmenetz wachsen. Für 2026 führen die Stadtwerke dessen Ausbau und Erweiterung auf. Wo Wohnen, Gewerbe, Kultur und Tourismus zusammenkommen sollen, entsteht die Wärmeversorgung schrittweise mit. Weitere Gebäude können die Energie aus der Ostsee nutzen, sobald das Netz sie erreicht.

Quellen und weiterführende Informationen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.