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Homeoffice: Weniger Fahrten, längerer Arbeitsweg – was bleibt fürs Klima?

Homeoffice spart Wege. Doch gerade bei geeigneten Berufen wächst die Distanz zum Büro. Ob das Klima gewinnt, entscheidet die ganze Bilanz aus Fahrten und Gebäuden.

Von Wolfgang

24. Sep. 20265 Min. Lesezeit

Homeoffice: Weniger Fahrten, längerer Arbeitsweg – was bleibt fürs Klima?

Ein Tag am Küchentisch spart den Weg ins Büro. Damit scheint die Klimabilanz des Homeoffice schon entschieden. Doch was passiert, wenn die neue Freiheit den Wohnort verändert? Deutsche Beschäftigtendaten zeigen: Gerade in Berufen mit guten Möglichkeiten zum Arbeiten von zu Hause wächst die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsplatz besonders stark. Der einzelne Bürotag wird länger – er findet nur seltener statt.

Die überraschende Einsicht ist deshalb keine einfache Rechnung „Homeoffice gut“ oder „Homeoffice schlecht“. Wie viele Fahrten entfallen, wie weit die übrigen reichen und was in Wohnung und Büro an Energie gebraucht wird, entscheidet gemeinsam über die Bilanz. Drei voneinander unabhängige Forschungsansätze beleuchten verschiedene Teile dieser Rechnung.

Der Arbeitsweg wird länger, obwohl man seltener fährt

Forschende des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung verglichen deutsche Beschäftigtendaten von 2019 und 2023. Für Bürojobs stieg die mittlere Luftlinienentfernung zwischen Wohnung und Betrieb von 27,5 auf 32 Kilometer. Bei Tätigkeiten mit hohem Homeoffice-Potenzial nahm sie um 19 Prozent zu; in Berufen mit geringerem Potenzial waren es fünf bis sechs Prozent. Wer zu einem Job mit besseren Möglichkeiten für Heimarbeit wechselte, wohnte im Mittel zehn Kilometer weiter vom neuen Betrieb entfernt. Ein Teil der Veränderung kommt auch durch Umzüge zustande.

Das ist mehr als eine Momentaufnahme einer Pendelfahrt. Es zeigt, dass Menschen ihre Wahl von Wohnort und Arbeitsplatz neu austarieren können. Ein seltener Besuch im Büro macht einen weiter entfernten Job erträglicher. Die Daten messen allerdings Entfernung, nicht die tatsächlich gefahrenen Kilometer oder Emissionen. Der Indikator beschreibt, wie gut sich ein Beruf für Homeoffice eignet; er zählt nicht für jede Person deren konkrete Heimarbeitstage. Deshalb wäre es falsch, aus den 19 Prozent unmittelbar auf 19 Prozent mehr Verkehr zu schließen.

Symbolische Illustration: fünf Autofahrten in der oberen Reihe, zwei in der unteren
KI-generierte Illustration unterschiedlicher Fahrtzahlen. Die Strecken sind nicht maßstabsgetreu; keine gemessenen Distanzen oder Emissionen.

Warum eine längere Strecke weniger Verkehr bedeuten kann

Stellen wir uns zwei Arbeitswochen vor: fünf kurze Fahrten oder zwei längere. Die Entfernung je Fahrt allein beantwortet die Klimafrage nicht. Genau diesen Zusammenhang untersucht ein CESifo-Arbeitspapier von 2025 mit einem räumlichen Modell für Deutschland. Im modellierten Übergang zu mehr Homeoffice sinkt die Häufigkeit der Arbeitswege; die Wohn- und Arbeitsorte verschieben sich. Die Entfernung je Pendelweg steigt im Modell um neun Prozent. Trotzdem fallen die modellierten Emissionen des Pendelverkehrs um 20,2 Prozent, weil die Fahrten seltener werden.

Das ist ein wichtiges Gegenargument zur Vorstellung, längere Wege würden die Einsparung zwangsläufig auffressen. Es bleibt eine Modellrechnung unter festgelegten Annahmen, kein gemessener Rückgang im deutschen Verkehr. Ihre bundesweite CO₂-Minderung von 2,2 Prozent bezieht auch weitere modellierte Wirtschafts- und Gebäudeänderungen ein. Sie lässt sich weder auf einen einzelnen Heimarbeitstag übertragen noch mit dem IAB-Entfernungszuwachs verrechnen: Beide Arbeiten nutzen unterschiedliche Daten, Zeiträume und Messgrößen.

Wohnung und Büro verschwinden nicht aus der Bilanz

Ein dritter Blick macht die Rechnung noch interessanter. Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung betrachtet in Szenarien neben Wegen auch Wohn- und Bürogebäude sowie digitale Geräte. Weniger Pendeln spart dort Verkehrsemissionen, während mehr Energie zu Hause benötigt wird. Der zusätzliche Bedarf im Wohngebäude kann die Einsparung im Bürogebäude übersteigen; die betrachteten Gesamtemissionen der Szenarien liegen laut Institut in einer ähnlichen Größenordnung. Das widerspricht der pauschalen Idee, jeder eingesparte Arbeitsweg sei zugleich eine gleich große Nettoeinsparung.

Auch die Szenarien des IÖW sind keine gemessene Gesamtbilanz aller deutschen Homeoffice-Haushalte. Sie setzen unter anderem voraus, wie Wohnungen und Büros beheizt und genutzt werden. Das Umweltbundesamt weist auf einen ähnlichen Mechanismus hin: Ein leerer Schreibtisch macht ein Bürogebäude nicht automatisch kalt und dunkel. Zugleich können private Heiz- und Stromverbräuche steigen. Ob Unternehmen Flächen tatsächlich verkleinern, ist daher ein Teil der Umweltwirkung, nicht bloß eine organisatorische Randnotiz.

Die Freiheit ist ungleich verteilt

Die Zahlen gelten auch nicht für alle Beschäftigten gleichermaßen. Nach Destatis arbeitete 2025 ein Viertel der Erwerbstätigen zumindest gelegentlich zu Hause. Dieser Anteil sagt weder, wie viele Tage sie dort verbrachten, noch ob ihre Arbeitswege mit dem Auto zurückgelegt wurden. Das IAB findet die stärkste Entfernungsänderung gerade in Berufen, die Heimarbeit zulassen. Für Pflege, Handwerk und viele Dienstleistungen bleibt die Wahl des Wohnorts enger an die tägliche Anwesenheit gebunden.

Die Bundesbank fand in einer Untersuchung deutscher Paneldaten, dass höhere Kraftstoffpreise Homeoffice nur moderat ausweiten – und vor allem dort, wo Beruf und Arbeitgeber es erlauben. Ihre simulierten zusätzlichen Emissionseinsparungen durch diesen Kanal bleiben klein. Auch das ist kein Widerspruch zum CESifo-Modell: Die Bundesbank untersucht eine kurzfristige Reaktion auf Preise, CESifo einen größeren strukturellen Wandel.

Ein gesparter Arbeitsweg ist real. Seine Umweltwirkung endet aber nicht am Garagentor. Homeoffice verändert zugleich, wo wir wohnen, wie oft wir doch ins Büro fahren und welche Räume an beiden Orten weiter beheizt werden. Erst wer diese Bewegungen zusammendenkt, kann die Wirkung beurteilen. Für Einzelne ist daraus keine verlässliche persönliche CO₂-Zahl abzulesen; als gesellschaftliche Frage zeigt es, warum die Länge eines Pendelwegs allein eine erstaunlich schlechte Abkürzung ist.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.