Wer zu Hause arbeitet, spart an diesem Tag den Weg ins Büro. Das klingt nach einer eindeutigen Klimabilanz. Aber die Möglichkeit, seltener zu pendeln, verändert auch eine andere Entscheidung: Wie weit darf der Arbeitsplatz vom Wohnort entfernt sein? Deutsche Beschäftigtendaten zeigen, dass diese Entfernung gerade in Berufen mit guten Homeoffice-Möglichkeiten besonders gewachsen ist. Für die Klimabilanz zählt deshalb mehr als ein einzelner gesparter Weg.
Der weitere Arbeitsweg kann trotzdem weniger Fahrten bedeuten
Nach einer Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung nahm die Luftlinie zwischen Wohnung und Betrieb von 2019 bis 2023 in Berufen mit hohem Homeoffice-Potenzial deutlich stärker zu als in anderen Berufen. Das ist nachvollziehbar: Wer nur gelegentlich ins Büro muss, kann einen weiter entfernten Arbeitsplatz eher in Betracht ziehen. Die Daten zeigen allerdings Entfernungen und die Eignung eines Berufs für Heimarbeit – nicht, wie oft die einzelnen Beschäftigten tatsächlich fuhren.
Stellen wir uns deshalb zwei Arbeitswochen vor: fünf kürzere Fahrten zur Arbeit oder zwei längere. Die längere Strecke an Bürotagen sagt noch nicht, in welcher Woche insgesamt mehr gefahren wird. Ein räumliches Modell von CESifo für Deutschland macht genau diesen Effekt sichtbar: In seinem Szenario werden die einzelnen Pendelwege länger, doch die Pendelfahrten seltener. Die modellierten Emissionen des Pendelverkehrs sinken. Das ist keine gemessene deutsche Klimabilanz; es zeigt, weshalb längere Arbeitswege den Vorteil seltener Fahrten nicht zwangsläufig aufheben.

Der leere Schreibtisch spart nicht von selbst Strom
Damit ist erst der Verkehr betrachtet. Zu Hause werden an Arbeitstagen Räume genutzt, die sonst vielleicht weniger beheizt oder beleuchtet würden. Im Büro kann der Arbeitsplatz leer sein, während das Gebäude weiterläuft. Eine Szenarioanalyse des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung zeigt diese Gegenbewegung: Weniger Pendeln spart Emissionen, zusätzlicher Energiebedarf in Wohnungen kann Einsparungen in Büros übersteigen. Die betrachteten Gesamtemissionen blieben in den Szenarien in ähnlicher Größenordnung. Wie viel ein Unternehmen tatsächlich spart, hängt auch davon ab, ob es Räume anders nutzt oder Fläche reduziert.
So wird aus einer persönlichen Entscheidung eine Frage der Organisation. Für Beschäftigte zählt, wie oft und womit sie fahren und wie weit der Weg ist. Für die Gesamtbilanz zählt zusätzlich, was mit Wohnungen und Büros geschieht. Das Umweltbundesamt beschreibt deshalb Chancen und gegenläufige Effekte mobiler Arbeit, statt jedem Heimarbeitstag eine feste CO₂-Ersparnis zuzuordnen.
Homeoffice kann Pendelverkehr vermeiden, auch wenn der verbliebene Arbeitsweg länger wird. Ob daraus insgesamt ein Klimavorteil entsteht, entscheidet sich dort, wo die zusätzlichen und die entfallenden Wege zusammenkommen – und wo Unternehmen aus leeren Schreibtischen tatsächlich weniger genutzte Räume machen.
Das Titelbild ist eine KI-generierte Illustration, keine Aufnahme realer Beschäftigter oder Fahrten.
Quellen
- IAB-Forum: Coskun und andere, How working from home is reshaping Germany’s commuting and residential landscapes, 9. September 2026.
- CESifo: Borck, Kalkuhl und Lessmann, Is Work from Home Good for the Environment?, Working Paper 12300, November 2025.
- IÖW: Home-Office als Treiber struktureller Veränderungen im Energiesystem, abgerufen am 25. September 2026.
- Umweltbundesamt: Mobile Arbeit in der Zukunft: Klimaschutzbezogene Chancen und Risiken, abgerufen am 25. September 2026.
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