Der US-Batteriematerialhersteller Group14 will in Sagunto in Spanien eine Fertigung für sein siliziumhaltiges Anodenmaterial SCC55 aufbauen. Das Unternehmen hat dafür einen Standort ausgewählt und eine zusätzliche Finanzierungsrunde über 150 Millionen Euro abgeschlossen. Der Baubeginn ist nach Unternehmensangaben für 2028 geplant; ein Termin für den Produktionsstart steht noch nicht fest.
Das geplante Werk soll Batteriematerial herstellen, keine fertigen Akkuzellen. Mit dem Standort will Group14 näher an europäische Hersteller und deren Lieferketten rücken. Die Ankündigung vom 29. Oktober verbindet die Standortwahl mit einer Erweiterung der Eigenkapitalfinanzierung. Der neue Investor wird nicht genannt.
Was das Werk herstellen soll
Die Anode ist eine der beiden Elektroden eines Lithium-Ionen-Akkus. Beim Laden wandern Lithium-Ionen durch den Elektrolyten zur Anode und werden dort aufgenommen. Beim Entladen läuft der Vorgang in die andere Richtung; der Akku kann dabei elektrische Energie an ein Gerät abgeben.
In vielen heute gebräuchlichen Zellen besteht das aktive Anodenmaterial überwiegend aus Graphit. Silizium kann mehr Lithium aufnehmen und ist deshalb für Entwickler interessant, die mehr Energie in einer Zelle unterbringen wollen. Group14 bezeichnet SCC55 als Silizium-Kohlenstoff-Material für diese Anwendung. Welche Reichweite oder Ladezeit ein konkretes Auto damit erreicht, hängt allerdings von der gesamten Zelle und dem Fahrzeug ab.

Silizium bringt zugleich eine technische Herausforderung mit: Es dehnt sich beim Laden aus und zieht sich beim Entladen wieder zusammen. Diese Bewegung belastet die Elektrode über viele Ladezyklen. Das US-Energieministerium beschreibt beispielsweise elastische Bindemittel als einen Ansatz, mit dieser Ausdehnung umzugehen. Daraus folgt noch keine unabhängige Bewertung des Materials von Group14.
Was die 10 Gigawattstunden bedeuten
Für das erste Fertigungsmodul nennt Group14 eine Kapazität von zehn Gigawattstunden pro Jahr. Gemeint ist eine auf die Kapazität späterer Batterien bezogene Größenordnung des Materials. Das Werk ist weder ein Stromspeicher mit zehn Gigawattstunden noch eine Fabrik, die selbst fertige Batteriezellen in dieser Menge ausliefert.
Die Angabe hilft, die geplante Materialproduktion in die Größenordnung der Batterieindustrie einzuordnen. Wie viele Fahrzeuge damit tatsächlich versorgt werden könnten, hängt unter anderem von Zellchemie, Materialanteil und Größe der jeweiligen Akkus ab. Eine konkrete Stückzahl nennt Group14 für Sagunto nicht.
Finanzierung und Zeitplan
Die zusätzlichen 150 Millionen Euro stammen laut Group14 von einem neuen, nicht näher bezeichneten Investor. Das Geld unterstützt die weitere Expansion des Unternehmens; es ist nicht als vollständig auf den spanischen Bau beschränkter Investitionsbetrag ausgewiesen. Die gesamte Serie-D-Finanzierungsrunde steigt nach Firmenangaben damit auf mehr als 665 Millionen US-Dollar.
Auf der Projektseite für den Standort BAM-4 nennt Group14 2028 als geplanten Baubeginn. Wann die Produktion in Spanien startet und welche Kunden das dort gefertigte Material abnehmen, lässt das Unternehmen offen. Ein benachbartes Batteriewerk allein belegt keinen Liefervertrag.
Bestehende Produktion und neue Pläne
Group14 betreibt nach eigenen Angaben bereits ein größeres Produktionsmodul im südkoreanischen Sangju und fährt es hoch. Im US-Bundesstaat Washington sollen zwei weitere Module in Moses Lake im ersten Halbjahr 2027 anlaufen. Eine kleinere Pilotanlage in Woodinville ist laut Unternehmen seit 2021 in Betrieb.
Das Vorhaben in Sagunto würde dieses Netz um einen europäischen Standort ergänzen. Ob die Fabrik wie geplant gebaut wird und welche Zellen das Material später verwenden, wird sich erst mit den nächsten konkreten Projekt- und Kundenmeldungen zeigen.
Quellen
- Group14: Finanzierung und Fertigungspläne, 29. Oktober 2026.
- Group14: Projektseite BAM-4 in Sagunto.
- US Department of Energy: Bindemittel für Siliziumanoden.
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