Technik

Einsatzfunk über Grenzen: EU plant gemeinsames Datennetz

Rettungskräfte sollen Bilder, Video und Standortdaten über Ländergrenzen hinweg teilen können. Der EU-Vorschlag verbindet Breitbandausbau mit gemeinsamen Netzregeln.

Von Wolfgang

01. Okt. 20263 Min. Lesezeit

Illustration von zwei Einsatzkräften mit Funkgerät und Tablet an einer Landstraße.

Rettungskräfte können eine Grenze überqueren. Ihre Kommunikationsnetze arbeiten deshalb noch lange nicht reibungslos zusammen. Die Europäische Kommission hat am 30. September ein gemeinsames System für kritische Kommunikation vorgeschlagen: EUCCS soll Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und Katastrophenschutz über Ländergrenzen hinweg verbinden. Zugleich sollen sie Bilder, Videos und Standortdaten sicher austauschen können. Der entscheidende Gedanke dahinter: Mehr Daten im Einsatz helfen nur dann, wenn sie auch die richtigen Teams erreichen.

Das System ist bislang ein Vorschlag. Europäisches Parlament und Rat müssen die Regelungen noch beschließen; der geplante Anschluss der nationalen Netze beginnt ab 2030.

Ein Bild kann erklären, was der Funk nur beschreibt

Man stelle sich eine überschwemmte Straße vor: Eine Einsatzkraft beschreibt per Funk, welche Zufahrt noch passierbar ist. Ein Bild könnte zeigen, wo das Wasser steht; eine Standortmarkierung könnte die Stelle eindeutig machen. Das ist ein Beispiel für den Nutzen von Datenkommunikation, kein dokumentierter EUCCS-Einsatz.

Genau solche zusätzlichen Informationen soll das geplante System transportieren. Nach Angaben der Kommission sollen die beteiligten Länder schrittweise von schmalbandigem Funk zu Breitbandtechnik wie 5G übergehen. Einsatzkräfte sollen Daten, Video, Nachrichten und ihren Standort in Echtzeit über ein sicheres Gerät teilen können. Sprache bleibt dabei Teil der Kommunikation.

Auch Deutschland plant diesen technischen Wandel. In ihrer Antwort vom 16. April 2026 erklärt die Bundesregierung, Bund und Länder wollten den bisherigen TETRA-Digitalfunk zu einer mobilen Breitbandkommunikation weiterentwickeln. TETRA ist der Standard des bestehenden digitalen Einsatzfunks. Die Bundesregierung nennt den Ausbau der Datenkommunikation ausdrücklich als Ziel; nach dem damaligen Plan soll der Breitbandfunk gemeinsam mit den Ländern bis 2030 errichtet werden.

Breitband allein verbindet noch keine Länder

Ein leistungsfähiges nationales Netz löst die grenzübergreifende Zusammenarbeit noch nicht. Dafür müssen die Systeme miteinander kommunizieren können. Die Kommission beschreibt im Verordnungsentwurf begrenzte Kompatibilität und Vernetzung als Hindernis. Bei gemeinsamen Einsätzen kommen daher unter anderem ausgetauschte Funkgeräte oder andere Übergangslösungen zum Einsatz.

EUCCS soll die nationalen Systeme über gemeinsame technische Anforderungen und eine sichere Verbindungsinfrastruktur zusammenführen. Die Länder behalten die Kontrolle über ihre eigenen Netze. Anschaulich gesagt: Es geht zugleich um leistungsfähigere Straßen für die Daten und um funktionierende Übergänge zwischen diesen Straßen.

EUCCS soll mehr Einsatzdaten übertragen und nationale Netze verbinden; vorgeschlagene Anschlussstufen 2030, 2033 und 2036.
Zwei technische Aufgaben und der vorgeschlagene Aufbau in Etappen. Grafik: TechZeitGeist; Grundlage: Europäische Kommission, COM(2026) 1010.

Für Situationen, in denen bodengebundene Netze ausfallen, sind EU-Satelliten als zusätzliche Rückfallebene vorgesehen. Ihr Einsatz setzt nach dem Entwurf unter anderem die Freigabe zuständiger Behörden und verfügbare Dienste voraus. Die Ergänzung soll einen weiteren Kommunikationsweg schaffen.

Der Anschluss soll in Etappen erfolgen

Artikel 14 des Entwurfs nennt drei Stufen: Die erste beginnt am 1. Dezember 2030, die zweite am 1. Dezember 2033 und die dritte am 1. Dezember 2036. Bis zur letzten Stufe sollen alle Mitgliedstaaten die vorgesehenen Anforderungen erfüllen und ihre Systeme anbinden. Der Zeitplan berücksichtigt, dass die nationalen Netze unterschiedlich weit entwickelt sind.

Für die Katastrophenhilfe liegt der mögliche Fortschritt damit in einer Verbindung zweier Fähigkeiten: genauer zeigen können, was vor Ort passiert, und diese Informationen auch mit Teams aus einem anderen Land teilen. Dafür braucht es sowohl den nationalen Breitbandausbau als auch passende Verbindungen über die Grenze.

Quellen

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