72 Stunden Vorrat: Diese Technik gehört dazu

EU rät zu 72 Stunden Vorrat: Diese Technik gehört in den Notfall

Die EU rät Haushalten zu 72 Stunden Selbstversorgung. Was die Leitlinien sagen, was das BBK empfiehlt und welche Technik im Notfall wirklich zählt.

Von Wolfgang

05. Nov. 20265 Min. Lesezeit

Regal im Flur mit Kurbelradio, Taschenlampe, Powerbank, kleiner Powerstation, Wasserflaschen, Konserven und Bargeld in einer Hülle
Regal im Flur mit Kurbelradio, Taschenlampe, Powerbank, kleiner Powerstation, Wasserflaschen, Konserven und Bargeld in einer Hülle

Die EU-Kommission rät Haushalten, sich im Krisenfall mindestens 72 Stunden selbst versorgen zu können. Pflicht ist das nicht. Für Deutschland reicht der Blick nach Brüssel ohnehin nicht. Die Technik im Vorrat entscheidet, ob man in den ersten Tagen informiert und erreichbar bleibt.

Am 3. November 2026 hat EU-Kommissarin Hadja Lahbib neue Leitlinien zur Krisenvorsorge der Bevölkerung vorgestellt. Kern ist die Selbstversorgung in den ersten 72 Stunden eines Notfalls. In dieser Zeit sollen Haushalte ohne fremde Hilfe auskommen, während staatliche Hilfe anläuft. Eine EU-Einkaufsliste gibt es nicht. Wer seinen Vorrat plant, sollte deshalb vor allem an Strom, Information und Kommunikation denken.

Kurz gesagt

Die EU-Leitlinien sind unverbindlich und richten sich an die Behörden der Mitgliedstaaten. Sie nennen 72 Stunden als Mindestmaß. Das deutsche Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) geht weiter und empfiehlt, sich möglichst zehn Tage selbst versorgen zu können. Technisch zählen vor allem ein Radio mit Batterie oder Kurbel, Licht, Strom für Handy und Router sowie etwas Bargeld.

Was die EU wirklich beschlossen hat

Die Kommission hat eine Mitteilung mit Leitlinien zu vier Themen veröffentlicht: Risikokommunikation, 72 Stunden Selbstversorgung, Vorsorge in Schulen und Vorsorge für Menschen mit Behinderung. Das Papier ist auf den 30. Oktober 2026 datiert und wurde am 3. November auf dem Europäischen Katastrophenschutzforum vorgestellt.

Die Leitlinien sind ausdrücklich nicht bindend. Sie sollen die Mitgliedstaaten ermutigen, eigene Programme aufzulegen. Für Bürger entsteht keine Pflicht und keine Kontrolle. Die Kommission schlägt den Behörden vor, 72 Stunden Selbstversorgung als Mindestbasis zu bewerben. Dazu gehören Notfallpläne, Fluchtgepäck und praktische Fähigkeiten wie Erste Hilfe.

Bemerkenswert ist der Ton. Die Kommission will bezahlbare, schrittweise Vorsorge, angepasst an die eigene Lage. Sie warnt davor, sich allein auf Vorräte zu konzentrieren. Zum Grundbedarf zählt sie Essen, Wasser, Medikamente, Kommunikation und Bargeld. Dazu kommt Wissen, etwa wie man ohne Strom kocht.

Neu ist außerdem ein jährlicher EU-Vorsorgetag. Er soll laut Kommission jedes Jahr am 23. Oktober stattfinden, erstmals 2027.

Der Unterschied zur deutschen Empfehlung

Für Haushalte in Deutschland ist das BBK die maßgebliche Stelle. Seine Empfehlung ist großzügiger: Man sollte sich möglichst zehn Tage selbst versorgen können. Ein Vorrat für zumindest drei Tage hilft laut BBK aber schon sehr. Darauf lässt sich schrittweise aufbauen.

Die 72 Stunden der EU entsprechen also dem deutschen Einstieg. Wer schon nach BBK-Liste vorsorgt, muss nichts ändern. Beim Wasser rechnet das BBK mit idealerweise zwei Litern pro Person und Tag, davon ein halber Liter zum Kochen.

Welche Technik in den Vorrat gehört

Die meisten Krisen führen zu ähnlichen Folgen, schreibt die Kommission: Dienste fallen aus, Kommunikation und Lieferketten stocken. Genau dort setzt die Technik an.

Radio mit Batterie oder Kurbel

Fällt das Mobilfunknetz aus, bleibt das Radio die wichtigste Informationsquelle. Das BBK führt ein Rundfunkgerät mit Batteriebetrieb oder ein Kurbelradio samt Reservebatterien ausdrücklich auf seiner Checkliste. Geräte mit UKW und DAB+ sind flexibel. Warum DAB+ im Katastrophenfall Vorteile hat, erklärt unser Beitrag zur Katastrophenwarnung ohne Handynetz.

Warnungen aufs Handy

Solange das Netz läuft, kommen Warnungen per Cell Broadcast und Warn-App. Beides lohnt sich vorab zu prüfen. Wie das am Warntag funktionierte und wo es hakte, zeigt unser Beitrag zum Warntag und der fehlenden Entwarnung. Einige neuere Smartphones können zudem Notrufe oder Nachrichten per Satellit senden, etwa die Galaxy-S26-Reihe mit Satelliten-SMS.

Strom für Handy, Licht und Router

Eine Powerbank ist der günstigste Einstieg. Wichtig ist die Rechnung in Wattstunden, nicht in Milliamperestunden. Eine Powerbank mit 10.000 mAh bei 3,7 Volt speichert rund 37 Wattstunden. Durch Wandlungsverluste kommt davon weniger im Handy an. Wer länger durchhalten oder den Router betreiben will, braucht mehr. Wie weit eine kleine Powerstation mit 256 Wattstunden reicht, haben wir für Router, Licht und Handy durchgerechnet. Wer eine Solaranlage mit Speicher hat, sollte prüfen, ob sie im Stromausfall überhaupt weiterläuft. Ein Speicher für die Stromrechnung ist noch keine Notstromlösung.

Taschenlampen oder Stirnlampen mit Reservebatterien gehören ebenfalls dazu. Sie sind sicherer als Kerzen.

Bargeld und Daten offline

Bargeld nennt die Kommission ausdrücklich. Bei Stromausfall funktionieren Kartenterminals und Geldautomaten oft nicht. Ein kleiner Betrag in kleinen Scheinen hilft. Wichtige Dokumente sollten zusätzlich als Kopie im Fluchtgepäck liegen. Auf dem Smartphone lassen sich Notfallkontakte und Gesundheitsdaten so hinterlegen, dass Helfer sie auch ohne Entsperren sehen. Wie das geht, steht in unserer Anleitung zum Notfallpass auf iPhone und Android.

Was man nicht braucht

Die Leitlinien sind kein Kaufaufruf. Die Kommission betont bezahlbare, schrittweise Schritte. Niemand muss jetzt teure Geräte bestellen. Vieles liegt schon im Haushalt: alte Radios, Taschenlampen, eine Powerbank aus der Schublade. Entscheidend ist, dass Akkus geladen und Batterien frisch sind. Ein fester Termin im Jahr hilft. Der neue EU-Vorsorgetag am 23. Oktober wäre dafür ein guter Anlass.

Wichtiger als jedes Gerät ist ein Plan. Wer weiß, wo die Lampe liegt, wen man erreichen will und wo der Treffpunkt ist, hat die ersten 72 Stunden schon besser im Griff.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.