Erneuerbare Energien

Sanierung erreicht Mieter seltener – und Geld allein schließt die Lücke nicht

Mieter leben in der EU seltener in jüngst energetisch verbesserten Wohnungen als Eigentümer. Die Zahlen zeigen eine Lücke – und warum Förderung auch die Mietkosten im Blick behalten muss.

Von Wolfgang

23. Sep. 20264 Min. Lesezeit

Sanierung erreicht Mieter seltener – und Geld allein schließt die Lücke nicht

Artikelbild: KI-generiertes Symbolbild einer Gebäudesanierung, keine Aufnahme eines untersuchten Hauses.

Eine gedämmte Wand kann die Heizrechnung eines Mieters senken. Über die Dämmung entscheidet aber meist jemand anderes. Wie groß diese Lücke in Europa ist, zeigen neue Auswertungen der EU-Haushaltsbefragung für 2025: 16,7 Prozent der Menschen in Mietwohnungen berichteten von einer Verbesserung der Energieeffizienz ihres Zuhauses in den vorangegangenen fünf Jahren. Unter Menschen im Eigentum waren es 26,9 Prozent. Der Unterschied von 10,2 Prozentpunkten ist keine Messung der eingesparten Energie. Er zeigt, wen Verbesserungen bislang seltener erreichen.

Die Rechnung und die Entscheidung liegen nicht am selben Ort

Stellen wir uns ein zugiges Mietshaus vor. Die Bewohner spüren die Kälte und bezahlen die Heizenergie. Für neue Fenster oder Dämmung muss der Eigentümer Geld einsetzen und Bauarbeiten veranlassen. Wenn die Ersparnis vor allem auf der Heizrechnung der Bewohner erscheint, rechnet sich die Investition für beide Seiten unterschiedlich. Die EU-Beratungsstelle für Energiearmut beschreibt dieses geteilte Interesse als eine Hürde im Mietsektor. Es ist eine plausible Erklärung für einen Teil der beobachteten Lücke, aber die Eurostat-Befragung selbst beweist keinen einzelnen Grund für den Abstand.

Eurostat fragt nach Verbesserungen in der Wohnung oder am Gebäude, etwa Dämmung, besseren Fenstern oder einer effizienteren Heizung. Auch eine einzelne Maßnahme zählt; die Zahl ist keine Quote umfassend sanierter Häuser. Sie bezieht sich auf Menschen in privaten Haushalten, nicht auf die Anzahl der Baustellen. Wer 2025 in einer verbesserten Wohnung lebte, muss die Arbeiten auch nicht selbst beauftragt haben.

Schematische Mietwohnung mit gedämmter Außenwand, Eigentümerschlüssel und Bewohnern im Innenraum
KI-generiertes Symbolbild: Eigentümer entscheiden über die Gebäudehülle, Bewohner erleben die Heizkosten. Die Zeichnung zeigt keine gemessene Einsparung.

Auch das Einkommen trennt die Gruppen

Bei Menschen, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht waren, meldete Eurostat für 2025 eine solche Verbesserung bei 17,4 Prozent. In der übrigen Bevölkerung waren es 25,6 Prozent. Das sind 8,2 Prozentpunkte Unterschied. Eigentum und Einkommen dürfen wir dabei nicht einfach zusammenzählen: Die Veröffentlichung gibt hier getrennte Gruppenvergleiche, keinen Beweis, wie viele einkommensarme Mieter in einer bestimmten Wohnung saniert wurden.

Die Lücke ist auch keine allgemeine Aussage, dass Eigentümer immer warm und Mieter immer kalt wohnen. In Eurostats aktueller Übersicht zu Lebensbedingungen konnten 8,8 Prozent aller Menschen in der EU 2025 ihr Zuhause nicht ausreichend warm halten, etwas weniger als 2024. Gebäudealter, Einkommen und Heiztechnik wirken zusammen. Der EU-Bericht über Gebäude und Energiearmut weist zudem auf einkommensarme Eigentümer hin, die eine nötige Modernisierung ebenfalls nicht ohne Weiteres finanzieren können. Ein Eigentumstitel bezahlt keine Dämmung.

Warum eine Förderung allein die Frage nicht löst

Der einfache Vorschlag lautet: Geld für die Sanierung bereitstellen. Doch bei einer Mietwohnung muss die Hilfe zwei Wege zugleich finden. Sie soll den Eigentümer zum Umbau bewegen und den Bewohner danach tatsächlich entlasten. Steigt die Miete stärker als die Heizkosten sinken, kann ein energetisch verbessertes Zuhause für verletzliche Haushalte trotzdem schwerer bezahlbar werden. Wie hoch diese beiden Beträge im Durchschnitt nach den gemeldeten Verbesserungen ausfielen, misst die Eurostat-Zahl nicht.

Die EU-Gebäuderichtlinie nimmt genau diesen Zielkonflikt auf. Sie verlangt, finanzielle Anreize vorrangig auf verletzliche Haushalte, von Energiearmut betroffene Menschen und Sozialwohnungen auszurichten. Bei Förderung für vermietete Gebäude sollen Eigentümer und Mieter profitieren; die Mitgliedstaaten müssen insbesondere verletzliche Haushalte vor unverhältnismäßigen Mieterhöhungen und Verdrängung schützen. Das ist eine politische und rechtliche Vorgabe, kein Nachweis, dass die neue Förderung bereits Wohnungen verbessert hat.

Der stärkste Einwand gegen eine einfache EU-Rangliste liegt im Vergleich selbst: Länder unterscheiden sich bei Baualter, Eigentumsanteil, Förderprogrammen und erfassten Maßnahmen. Die Niederlande meldeten für Mieter 39,9 Prozent, Italien 1,7 Prozent. Daraus lässt sich weder eine Erfolgsquote der jeweiligen Förderung noch eine deutsche Sanierungszahl ableiten. Eurostats neue Übersicht kennzeichnet den deutschen Wert für diesen Indikator zudem als wenig zuverlässig. Deshalb beschreibt der EU-Vergleich eine Verteilung, keine Ursache und keine Prognose für die nächste Heizsaison.

Die eigentliche Bewährungsprobe

Die neuen Zahlen machen sichtbar, wo eine Sanierungspolitik genauer hinsehen muss: nicht allein auf die Menge gedämmter Fläche, sondern darauf, wer in den verbesserten Wohnungen lebt und wer nach der Arbeit welche Rechnung trägt. Der Hebel bei Mietwohnungen liegt zwischen Investition, Entscheidung und Wohnkosten. Erst wenn diese drei zusammenpassen, wird aus einem besseren Gebäude auch eine Verbesserung für seine Bewohner.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.