
Viele Videotürklingeln und Außenkameras laufen mit einem eingebauten Akku. Bei Frost melden sie oft schon nach wenigen Tagen einen niedrigen Ladestand. Der Grund liegt in der Akkuchemie und in einer Schutzfunktion, die das Laden unter 0 °C sperrt.
Im Herbst läuft die Akku-Türklingel meist noch ohne Probleme. Mit dem ersten Frost meldet die App plötzlich einen schwachen Akku, obwohl ein Solarpanel angeschlossen ist. Das ist in den meisten Fällen kein Defekt. Die Hersteller nennen für ihre Geräte zwei verschiedene Temperaturgrenzen, und dieser Unterschied erklärt das Verhalten im Winter.
Kurz gesagt
Akku-Türklingeln und Akku-Kameras von Ring, Google Nest, Arlo und eufy arbeiten nach Herstellerangaben bis etwa -20 °C, laden ihren Akku unter 0 °C aber nicht mehr. Bei Frost entlädt sich das Gerät deshalb auch dann, wenn ein Solarpanel oder ein Kabel angeschlossen ist. Bei schwachem Akku hilft es, das Gerät oder den Akku drinnen langsam aufzuwärmen und dort zu laden.
Warum Akkus bei Frost nicht mehr laden
In den meisten Akku-Türklingeln und Akku-Kameras steckt ein Lithium-Ionen-Akku. Bei Kälte laufen die chemischen Vorgänge in seinem Inneren langsamer ab. Arlo nennt das als Grund dafür, dass Kameras bei kaltem Wetter einen niedrigen Ladestand melden können.
Beim Laden ist Frost noch problematischer als beim Entladen. Die Hersteller sperren den Ladevorgang deshalb unterhalb des Gefrierpunkts. Arlo begründet das mit der Sicherheit und mit dem Schutz vor dauerhaften Schäden am Akku. Die Sperre greift auch dann, wenn die Kamera am Netzteil oder an einem Solarpanel hängt.
Im Alltag hat das eine einfache Folge. Zwischen 0 °C und etwa -20 °C arbeitet das Gerät weiter und verbraucht Strom. Nachladen kann es in dieser Zeit nicht. Google beschreibt genau diesen Ablauf für die Nest Doorbell und die Nest Cam mit Akku.
Auch die Laufzeit selbst wird kürzer. Ring weist darauf hin, dass der Akku schon um den Gefrierpunkt nicht mehr so lange hält. Bei Temperaturen um -20 °C kann der Akku einer Nest-Kamera nach Angaben von Google weniger als die Hälfte der üblichen Laufzeit erreichen.
Was die Hersteller angeben
Die Grenzwerte stehen in den Hilfeseiten der Hersteller. Sie liegen bei den großen Marken nah beieinander. Unterschiede gibt es vor allem bei den Hinweisen zum Laden und bei einzelnen älteren Modellen.
| Hersteller | Betrieb laut Hersteller | Laden | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Ring | -20 °C bis 50 °C | zwischen 0 °C und 45 °C | Solarzubehör lädt erst, wenn der Akku unter 90 Prozent liegt |
| Google Nest (Modelle mit Akku) | ab -20 °C | ab 0 °C | Verkabelte Nest Doorbell lädt den Akku nur nach und nach über den Klingeldraht |
| Arlo | ab -20 °C, ältere Wire-Free-Kamera VMC3030 ab -10 °C | nicht unter 0 °C und nicht über 45 °C | Ladesperre gilt auch am Netzteil und am Solarpanel |
| eufy (Akku-Kameras und Türklingeln) | -20 °C bis 50 °C | bei 0 °C kein Nachladen | Schnellere Entladung schon bei etwa 3 °C |
| Blink Outdoor (3. Generation) | -20 °C bis 45 °C | kein Akku zum Laden | Läuft mit zwei AA-Lithium-Batterien, die nicht wiederaufladbar sind |
Die Tabelle zeigt, dass schon ein kühler Herbsttag spürbar sein kann. Bei eufy beginnt die schnellere Entladung nach Herstellerangabe bereits bei etwa 3 °C. Die Ladesperre greift bei allen Herstellern mit Akku spätestens bei 0 °C. Die genauen Werte Ihres Modells finden Sie in der Hilfe oder im Datenblatt des Herstellers.
Die Angaben von Ring gelten laut Hilfeseite für Ring-Geräte allgemein. Ring nennt außerdem eine Temperatur von etwa 25 °C, bei der die Geräte am besten arbeiten. Die Eckdaten des neuesten Modells finden Sie in unserem Beitrag zur Ring Battery Doorbell Pro.
Warum Solarpanel und Klingeldraht im Winter wenig helfen
Viele Käufer setzen darauf, dass ein Solarpanel den Akku über den Winter bringt. Das Panel liefert aber nur eine Erhaltungsladung. Arlo schreibt ausdrücklich, dass sein Panel den Akku nicht von leer auf voll laden soll. Ring und Arlo nennen für ihre Panels mindestens drei bis vier Stunden direktes Sonnenlicht am Tag.
Im Winter fehlen diese Stunden oft. Arlo weist darauf hin, dass ein Panel an trüben oder regnerischen Tagen die Kamera nicht voll geladen halten kann. Hinzu kommt die Ladesperre bei Frost. Selbst ein sonniger Wintermorgen nützt wenig, solange der Akku unter 0 °C liegt.
Ring nennt eine weitere Bedingung. Das Solarzubehör beginnt erst zu laden, wenn der Akkustand unter 90 Prozent fällt. Ring empfiehlt außerdem, das Panel regelmäßig mit einem feuchten, weichen Tuch ohne Reinigungsmittel zu säubern. Welche Rolle Solar bei Kameras ohne WLAN spielt, beschreibt unser Beitrag über 4G-Sicherheitskameras mit Solar.
Bei verkabelten Türklingeln gibt es eine ähnliche Falle. Ist die Nest Doorbell mit Akku an eine vorhandene Klingelanlage angeschlossen, versorgt der Draht das Gerät nicht direkt. Nach Angaben von Google lädt er nur den Akku, und zwar nach und nach. Bei Frost entlädt sich der Akku deshalb trotz Kabel.
Die Nest Cam mit Akku verhält sich anders. Bei einer Installation mit Kabel wird sie direkt mit Strom versorgt. Wer bei einer Außenkamera die Wahl hat, macht sich mit einem festen Stromanschluss im Winter also unabhängiger vom Akku.
So bringen Sie den Akku sicher wieder auf Ladung
Meldet die App bei Frost einen schwachen Akku, raten die Hersteller zum Aufwärmen. Google empfiehlt, den Akku an einen warmen Ort mit möglichst Zimmertemperatur zu bringen. Ring rät, das Gerät nach drinnen zu holen und per USB-Kabel zu laden, statt auf das Solarpanel zu warten.
Beim Aufwärmen braucht es Geduld. Google warnt ausdrücklich davor, die Türklingel in ein erwärmtes Handtuch zu wickeln oder neben Heizelemente zu legen. Das Gerät soll an einem warmen, trockenen Ort langsam Raumtemperatur annehmen. Steigt die Temperatur des Akkus über 0 °C, lädt er zunächst langsam.
Für das Laden selbst nennt Ring konkrete Werte. Ein vollständiger Ladevorgang kann bis zu 10 Stunden dauern. Das USB-Netzteil sollte mindestens 1 Ampere liefern.
Mit einem zweiten Akku lässt sich die Wartezeit überbrücken. Ring verkauft für Türklingeln mit herausnehmbarem Akku einen zusätzlichen Wechselakku. Arlo bietet eine Ladestation für Ersatzakkus an. So bleibt die Kamera in Betrieb, während der zweite Akku drinnen lädt.
Arlo rät außerdem, Kameras an Orten mit regelmäßigem Frost häufiger drinnen zu laden als in den wärmeren Monaten. Wer die Türklingel abnimmt, sollte vorher klären, wie lange der Eingang ohne Kamera bleibt. Welche Einstellungen für den sicheren Betrieb zählen, erklärt unser Beitrag Smarte Kameras sicher betreiben.
Bewegungserkennung und Laufzeit im Winter
Kälte beeinflusst auch die Bewegungserkennung. Viele Akku-Kameras erkennen Bewegung mit einem passiven Infrarotsensor, kurz PIR. Eufy weist darauf hin, dass dieser Sensor bei kaltem Wetter weniger empfindlich reagieren kann. Der Hersteller empfiehlt deshalb, die Empfindlichkeit im Winter zu erhöhen, auch wenn die Einstellung im Sommer gut funktioniert hat.
Eine höhere Empfindlichkeit kann allerdings mehr Aufnahmen auslösen, und jede Aufnahme kostet Strom. Google nennt als Stellschrauben für die Laufzeit unter anderem die Videoqualität, die Länge der Clips und die Zeit zwischen zwei aufgezeichneten Ereignissen. Auch Aktivitätszonen helfen, weil die Kamera dann nur bestimmte Bereiche beobachtet.
Im Winter lohnt es sich daher, beide Werte gemeinsam anzupassen. Die Empfindlichkeit steigt, und die Zonen werden enger gefasst. Wie Sie Zonen sinnvoll und mit Rücksicht auf Nachbarn anlegen, zeigt unser Beitrag Kameras im Smart Home brauchen klare Zonen.
Eine Sonderrolle hat die Blink Outdoor der dritten Generation. Sie läuft mit zwei AA-Lithium-Batterien mit 1,5 Volt, die nicht wiederaufladbar sind. Blink empfiehlt Lithium, weil diese Batterien kälteverträglicher sind als Alkaline-Batterien. Auch hier gilt nach Herstellerangabe, dass anhaltende Extremtemperaturen die Laufzeit verkürzen.
Akkustand mit Home Assistant im Blick behalten
Wer Home Assistant nutzt, kann den Akkustand mancher Geräte zentral sehen. Die offizielle Ring-Integration liefert für Video-Geräte unter anderem den Akkustand und die WLAN-Signalstärke. Damit lässt sich eine Automation bauen, die bei einem selbst gewählten Grenzwert eine Nachricht aufs Handy schickt.
Die Blink-Integration bringt pro Kamera einen Sensor für die Temperatur und die WLAN-Stärke mit. Den Akku meldet sie nur als einfachen Zustand ohne Prozentwert. Die Dokumentation weist zudem darauf hin, dass diese Sensoren nur abgefragt werden, wenn ein neues Bild der Kamera angefordert wird. Die Werte sind deshalb nicht immer aktuell.
Für den Winter ist die Temperatur trotzdem nützlich. Sie zeigt, ob eine Kamera gerade so kalt ist, dass sie nicht laden kann. Häufige Abfragen kosten bei Akku-Kameras allerdings selbst Strom. Die Blink-Dokumentation rät deshalb zu Zurückhaltung beim Abfragen der Werte.
Checkliste für den Winter
Die folgenden Punkte fassen die Hinweise der Hersteller zusammen. Sie gelten für die meisten Akku-Türklingeln und Akku-Kameras im Außenbereich.
- Temperaturgrenzen des eigenen Modells in der Hilfe des Herstellers nachlesen, getrennt nach Betrieb und Laden.
- Den Akku vor dem ersten Frost drinnen vollständig laden.
- Das Solarpanel sauber halten und so ausrichten, dass es mehrere Stunden direkte Sonne bekommt.
- Bei Frost und schwachem Akku das Gerät oder den Akku nach drinnen holen.
- Langsam bei Zimmertemperatur aufwärmen, nicht auf die Heizung legen und nicht in warme Tücher wickeln.
- Mit einem USB-Netzteil laden, das die vom Hersteller genannte Stromstärke liefert.
- Die Bewegungsempfindlichkeit im Winter prüfen und Aktivitätszonen enger fassen.
- Einen Ersatzakku nutzen, wenn das Modell einen Wechselakku unterstützt.
- In der App oder in Home Assistant eine Warnung für einen niedrigen Akkustand einrichten.
Bei Kameras mit Einwegbatterien wie der Blink Outdoor kommen nur passende Lithium-Batterien infrage. Alkaline-Batterien und Akkus sind laut Blink nicht kompatibel.
Fazit
Eine Akku-Türklingel, die bei Frost an Leistung verliert, ist in den meisten Fällen nicht defekt. Sie hält sich an eine Schutzgrenze, die alle großen Hersteller ähnlich ziehen. Der Betrieb ist bis etwa -20 °C möglich, das Laden erst ab 0 °C.
Mit diesem Wissen lässt sich der Winter besser planen. Der Akku wird vor dem Frost voll geladen, das Solarpanel bekommt freie Sicht, und bei schwachem Stand wird drinnen geladen. Ähnliche Fragen zur Temperatur stellen sich bei Stromspeichern im Freien, wie unser Beitrag zur Solarbank im Winter zeigt.
Quellen
- Ring: Ring devices and extreme temperatures
- Ring: Troubleshooting Solar Charger and Solar Panel
- Ring: Charging your Ring doorbell
- Google Nest-Hilfe: Ladeverhalten von Nest-Kameras und -Türklingeln bei kaltem Wetter
- Google Nest-Hilfe: Energiesparen bei Nest-Kameras und -Türklingeln
- Arlo: How do I keep my Arlo batteries charged in cold weather?
- Arlo: How to troubleshoot Arlo Solar Panel charging issues
- Blink: Outdoor and Indoor (3rd Gen) Technical Specifications
- Blink: Camera Battery Troubleshooting
- eufy: Can my eufy Security cameras/doorbells work in cold weather?
- eufy: Does cold weather impact eufy battery-powered eufyCam?
- Home Assistant: Ring-Integration
- Home Assistant: Blink-Integration
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