Erneuerbare Energien

Wasserstoffanlagen brauchen mehr als einen Ausschalter

Eine neue Vornorm regelt die elektrische Installation von Elektrolyseanlagen. Hohe Gleichströme und Restspannung machen den Anschluss anspruchsvoll.

Von Wolfgang

21. Okt. 20264 Min. Lesezeit

Elektrolyseanlage mit dem Artikeltitel Wasserstoffanlagen brauchen mehr als einen Ausschalter

Ein großer Elektrolyseur lässt sich elektrisch nicht wie eine Lampe behandeln. Selbst wenn seine Stromversorgung getrennt ist, kann die Anlage noch Spannung liefern. Diese Besonderheit gehört zu den Gründen, weshalb die DKE im VDE eine neue technische Regel für Wasserelektrolysesysteme veröffentlicht hat. Die DIN VDE V 0100-782:2026-10 behandelt die Errichtung der elektrischen Anlagen. Im Katalog ist sie ausdrücklich als Vornorm ausgewiesen.

Für den Wasserstoffhochlauf ist das ein handfester Infrastrukturbaustein. Ein Elektrolyseprojekt braucht neben Wasser, Strom und einem Abnehmer für das Gas ein elektrisches Schutzkonzept, das zu seinem Betrieb passt. Die neue Veröffentlichung richtet den Blick auf diese oft weniger sichtbare Seite der Wasserstoffproduktion.

Wasser wird mit elektrischer Energie zerlegt

Elektrolyse nutzt Strom, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen. Im Inneren arbeiten Elektroden und ein Elektrolyt zusammen. Der Elektrolyt ermöglicht den Transport bestimmter geladener Teilchen; die Elektronen nehmen einen Weg durch den äußeren Stromkreis. Je nach Bauart unterscheiden sich Material, transportierte Teilchen und Betriebstemperatur. Das US-Energieministerium erklärt beispielsweise die Polymermembran-Elektrolyse mit einer festen Membran, durch die Wasserstoffionen wandern.

Viele einzelne Zellen lassen sich zu einem Stack zusammenfassen. So wird aus dem elektrochemischen Prinzip eine industrielle Anlage. Zu ihr gehören außerdem die Stromversorgung sowie Systeme für Wasser und die entstehenden Gase. Für die Planung zählt deshalb das Zusammenspiel dieser Teile. Der Stack allein ist noch keine betriebsfertige Wasserstofffabrik.

Niederspannung kann sehr hohe Ströme bedeuten

Die Bezeichnung Niederspannung klingt im Alltag harmloser, als sie in einer Industrieanlage ist. Nach der VDE-Mitteilung vom 20. Oktober sind Elektrolysesysteme bis 1.000 Volt Wechselspannung oder 1.500 Volt Gleichspannung diesem Bereich zugeordnet. Zugleich nennt der Verband Gleichströme von häufig mehr als 1.000 Ampere; bei großen Anlagen können es über 10.000 Ampere sein.

Spannung und Strom beschreiben verschiedene Eigenschaften. Die Spannung treibt elektrische Ladungen an, die Stromstärke beschreibt den Ladungsfluss. Ein niedrigerer Spannungsbereich nimmt einer Anlage deshalb nicht die Aufgabe ab, sehr große Ströme sicher zu führen. Leitungen, Verbindungen und Schutzeinrichtungen müssen als zusammengehöriges System betrachtet werden. Gerade an dieser Schnittstelle treffen Elektro- und Verfahrenstechnik aufeinander.

Schematische Verbindung von Stromversorgung und Elektrolyse mit möglicher Rückspannung aus dem Stack
Vereinfachtes Funktionsschema: Nach Trennung der Versorgung kann der elektrochemische Aufbau weiterhin Spannung abgeben. Das Bild zeigt keine konkrete Schutzschaltung. (Quelle: KI generiert)

Der abgeschaltete Stack kann zur Quelle werden

Der VDE hebt eine weitere Besonderheit hervor: Nach dem Trennen der Versorgung kann sich der Elektrolyseur wie eine Brennstoffzelle verhalten und Spannung zurückspeisen. Ohne passende Maßnahmen könne dieser Zustand lange anhalten. Deshalb behandelt die Veröffentlichung unter anderem automatische Abschaltung sowie den Schutz gegen Überlast und Kurzschluss.

Das zugrunde liegende Prinzip lässt sich an der Funktionsweise einer Wasserstoff-Brennstoffzelle verstehen. Dort wird chemische Energie in elektrische Energie umgewandelt. Elektronen fließen durch einen äußeren Stromkreis, während im Inneren elektrochemische Reaktionen ablaufen. Die Verbindung zur Wasserstoffchemie erklärt, weshalb die elektrische Versorgung und die im System vorhandene chemische Energie getrennt betrachtet werden müssen.

Ein Baustein innerhalb der Anlagenplanung

Die Katalogbeschreibung nennt industrielle, gewerbliche und infrastrukturelle Wasserelektrolysesysteme als Anwendungsbereich. Sie grenzt zugleich ab: Anforderungen an die Risikoanalyse der Explosionsgefahren durch erzeugten Wasserstoff und andere brennbare Gase gehören nicht zu dem dort beschriebenen Umfang. Elektrische Installation und Gasrisiken brauchen somit jeweils ihre passende Betrachtung.

Auch die Wirtschaftlichkeit bleibt eine eigene Aufgabe. Das US-Energieministerium beschreibt in seiner Technologiebewertung zur Elektrolyse Verbesserungen bei Fertigung, Effizienz und integrierten Energiesystemen als Wege zu niedrigeren Wasserstoffkosten. Gemeinsame Installationsanforderungen können die Planung strukturieren. Wie günstig eine konkrete Anlage Wasserstoff produziert, hängt weiterhin von ihrer Technik und ihrem Einsatz ab.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.