Automobil

VENTRA: Ein E-Auto sammelt den Staub seiner Reifen

Ein neues studentisches Konzept sammelt Abrieb nahe an den Rädern. Elektrische Ladung, Luftführung und Leichtbau sollen dabei zusammenwirken.

Von Wolfgang

05. Okt. 20264 Min. Lesezeit

Autoreifen mit symbolisch dargestelltem Abrieb, vollständigem Artikeltitel und TechZeitGeist-Schriftzug.

Ein E-Auto hat keinen Auspuff, seine Reifen berühren aber weiterhin die Straße. An dieser unscheinbaren Kontaktstelle setzt VENTRA an: Das neue Konzeptfahrzeug des Studententeams TU/ecomotive soll Abrieb nahe an den Rädern sammeln. Dazu werden Partikel elektrisch geladen und an eine Sammelfläche gezogen. Die TU Eindhoven stellte das Fahrzeug am 29. September 2026 vor. Der interessante Gedanke dahinter: Ein sauberer Antrieb und ein sauberer Kontakt zur Fahrbahn sind zwei verschiedene technische Aufgaben.

VENTRA verbindet dafür drei Ansätze. Es soll durch Leichtbau weniger Verschleiß verursachen, den Fahrenden Hinweise geben und einen Teil der verbleibenden Partikel auffangen. Das macht aus einer sonst kaum sichtbaren Emissionsquelle eine konkrete Konstruktionsfrage: Wo entsteht der Staub, und wie bekommt man ihn wieder zu fassen?

Eine elektrische Ladung hält den Staub fest

Das Sammelsystem arbeitet dort, wo Abrieb entsteht. Nach der Beschreibung der Universität erhalten die Partikel in der Luft um die Räder eine elektrische Ladung. Anschließend werden sie von einer geerdeten Fläche angezogen und bleiben dort haften. Das Prinzip unterscheidet sich von einem Sieb, durch dessen Poren Luft strömt: Hier soll elektrische Anziehung die Teilchen festhalten.

Eine Ladung lässt sich nicht sehen. Ihre Wirkung kennen viele dennoch vom Luftballon, der nach dem Reiben kleine Papierschnipsel anzieht. Am Fahrzeug kommt eine zweite Aufgabe hinzu: Die Luft muss die Partikel überhaupt in Reichweite der Sammelfläche bringen. Deshalb gehören Strömung und elektrische Anziehung zusammen.

Das Entwicklerteam beschreibt für sein T.R.A.C.E.-System bei langsamer Stadtfahrt zusätzliche Lüfter, die Luft aktiv ansaugen. Es nennt aus Simulationen einen erfassten Anteil von 42 Prozent der Reifenpartikel bei niedrigem Tempo. Für 50 bis 80 Kilometer pro Stunde berichtet die Universität rund 24 Prozent, die in das Sammelsystem gelangen könnten. Diese berechneten Anteile hängen somit von der Fahrsituation ab.

Vier Schritte des VENTRA-Konzepts: Abrieb entsteht, Partikel werden geladen, haften an einer geerdeten Fläche und werden entfernt.
Funktionsschema der Partikelsammlung. Grafik: TechZeitGeist; Grundlage: TU Eindhoven und TU/ecomotive.

Nach der Fahrt muss der gesammelte Staub wieder von der Fläche herunter. Die Universität nennt dafür Reinigung mit einem Staubsauger oder Wasser. Am Konzept demonstriert das Team außerdem eine Weiterverwendung des Materials in der Innenausstattung. Damit endet die technische Aufgabe nicht beim Einfangen: Auch Entnahme und Umgang mit dem gesammelten Material gehören zum System.

Weniger Gewicht beginnt beim Fahrgestell

Ein Sammler behandelt bereits entstandene Partikel. Leichtbau setzt einen Schritt früher an. Für VENTRA nennt das Team ein Fahrzeuggewicht von 790 Kilogramm. Das Fahrgestell besteht weitgehend aus carbonfaserverstärkten Thermoplast-Sandwichplatten. Seine angegebenen 135 Kilogramm stellt das Team einer konventionellen Vergleichskonstruktion mit rund 230 Kilogramm gegenüber. Daraus ergibt sich der beworbene Unterschied von knapp 100 Kilogramm.

Diese Konstruktion soll die Kräfte an den Reifen verringern. Dazu kommt Clean Drive: Das System beobachtet Beschleunigung, Bremsen und Lenken und gibt über das Display Hinweise auf einen gleichmäßigeren Fahrstil. VENTRA behandelt den Reifen damit zugleich als Bauteil und als Kontaktstelle, deren Beanspruchung vom Menschen am Lenkrad mitbestimmt wird.

Elektrisch bremsen verändert die Bilanz

Warum lohnt sich dieser Blick neben den Auspuff? Das Umweltbundesamt zählt Bremsen- und Reifenabrieb sowie aufgewirbelten Straßenstaub zu den Quellen von Feinstaub im Straßenverkehr. Elektrisch fahren lässt diese Vorgänge bestehen.

Gleichzeitig verändern E-Autos das Bremsen. Bei der Rekuperation wird Bewegungsenergie über den elektrischen Antrieb zurückgewonnen. Die Reibungsbremsen müssen dadurch weniger arbeiten. Der UBA-Bericht zu Reifen- und Bremsenabrieb beschreibt diesen Vorteil ebenso wie den möglichen Einfluss zusätzlichen Fahrzeuggewichts auf den Reifenverschleiß. Für die Partikelbilanz zählen deshalb mehrere Mechanismen zusammen.

Genau darin liegt der Reiz des neuen Konzepts. VENTRA lenkt den Blick auf eine Stelle, die jedes Auto mit der Straße verbindet. Die Studierenden wollen damit die Autoindustrie zu neuen Lösungen anregen. Ihr Fahrzeug macht anschaulich, wie sich Verschleiß vermeiden und verbleibender Abrieb einsammeln lassen soll: durch Konstruktion, Fahrweise und ein Sammelsystem direkt am Rad.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.