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Venedigs Lagune: Was Grabspuren über den Umweltwandel verraten

Grabspuren kleiner Tiere geben Hinweise auf den Wandel der Lagune von Venedig. Was Sedimentkerne verraten können – und was noch offenbleibt.

Von Wolfgang

06. Sep. 20264 Min. Lesezeit

Schematische KI-Illustration eines Lagunenbodens mit Grabgängen unter einer flachen Wasserschicht.

Grabgänge kleiner Tiere bewahren Hinweise darauf, wie sich das Leben im Schlamm der Lagune von Venedig verändert hat. Ein Team von Western und Padua untersucht diese Spuren in Sedimentkernen – und will damit die Geschichte des Lebensraums über Jahrzehnte nachvollziehen.

Welche Tiere einen Lebensraum bewohnt haben, ist eine Frage. Wie sie dort lebten und auf Veränderungen reagierten, eine andere. In der Lagune von Venedig sucht ein Forschungsteam der Western University und der Universität Padua Antworten darauf im Schlamm. Dort hinterlassen Tiere Grabgänge, deren Form, Größe und Ausrichtung etwas über ihr Verhalten und ihre damaligen Lebensbedingungen verraten können.

Während eines zwölfwöchigen Aufenthalts in Italien sammelte und analysierte das Team dafür Sedimentkerne. Die Forschenden fahren mit dem Boot zu unterschiedlichen Standorten der Lagune, entnehmen Proben und untersuchen deren Schichten anschließend im Labor in Padua. Beteiligt sind der dortige Professor Massimiliano Ghinassi sowie Forschende, technische Mitarbeitende und Studierende seines Labors.

Der Feldbericht der Western University vom 3. September 2026 gibt Einblick in diese Arbeit. Er beschreibt den Forschungsansatz und die Fragen des Teams, noch keine abgeschlossene Rekonstruktion des Umweltwandels. Sein besonderer Reiz liegt im Blick auf die kleinen Bewohner: Sie hinterlassen nicht nur Spuren ihrer Anwesenheit, sondern möglicherweise auch ihrer Reaktionen auf veränderte Bedingungen.

Was ein Grabgang über Verhalten verrät

Im Mittelpunkt steht die sogenannte Infauna. Gemeint sind Tiere, die im Sediment leben, etwa Würmer. Für die Untersuchung zählt deshalb nicht allein, ob sich ihre Spuren in einer Schicht finden. Auch die Gestalt eines Gangs und seine räumliche Ausrichtung können helfen, das Verhalten seines früheren Bewohners zu verstehen. Die Spuren ergänzen damit das Wissen darüber, welche Organismen die Lagune besiedelt haben.

Ein anschauliches Beispiel sind Fluchtspuren. Eine Forscherin erläutert im Bericht, dass Tiere solche Spuren bilden können, wenn ihre Umgebung instabil wird. Ein Gang kann dann mehr anzeigen als einen gewöhnlichen Aufenthalt im Sediment: Er könnte eine Reaktion auf eine Störung festhalten. Das ist ein allgemeines Erklärbeispiel, kein Nachweis dafür, dass Tiere in den untersuchten Proben etwa vor Hitze geflohen sind.

Um eine Spur einzuordnen, müssen die Forschenden sie zusammen mit den Sedimentschichten und deren Umweltzusammenhang betrachten. Eine auffällige Gangform lässt sich nicht unmittelbar einer Erwärmung oder einem steigenden Meeresspiegel zuschreiben. Der Erkenntnisgewinn liegt vielmehr darin, Veränderungen des Lebensraums mit möglichen Verhaltensänderungen seiner Bewohner in Beziehung zu setzen. Spurenanalyse erweitert so den Blick auf die Vergangenheit, ersetzt aber keine Klimamessung.

Jahrzehnte des Wandels im Lagunenschlamm

Tess Gates-Flaherty untersucht ungefähr 70 bis 80 Jahre Lagunengeschichte. Sie möchte nachvollziehen, wie sich Grabgänge und das darin erkennbare Verhalten der Tiere über diesen Zeitraum verändert haben. Die Zeitspanne bezeichnet den Umfang ihrer Forschungsfrage, nicht eine bereits fertig datierte Klimakurve. Im Zentrum steht zunächst der Vergleich: Welche Veränderungen lassen sich in den Spuren überhaupt erkennen?

Martina Duarte betrachtet dagegen drei unterschiedliche Marschumgebungen. Dazu gehört der Übergang zwischen Gezeitenkanälen und Marschen, wo steigende Wasserstände die Landschaft umformen. Die beiden Arbeiten ergänzen einander: Gates-Flaherty richtet den Blick auf Veränderungen über Jahrzehnte, Duarte auf verschiedene Lebensräume innerhalb der Lagune. Gemeinsam sollen sie helfen, den Wandel der Umwelt und ihrer Bewohner besser zu verstehen.

Wie wichtig genaueres lokales Wissen ist, zeigt auch die Einordnung des UNESCO-Welterbekomitees. Es empfahl 2025 lagunenspezifische Klimainformationen und Vorhersagemodelle und benannte zugleich menschliche Eingriffe, Entwicklungsdruck, Massentourismus und Klimawandel als Belastungen. Das war kein Auftrag an dieses Forschungsteam. Der Kontext macht aber deutlich, weshalb eine Erklärung für den Wandel der Lagune mehrere Einflüsse berücksichtigen muss.

Eine wichtige Anschlussfrage bleibt die Entwicklung des Meeresspiegels, zu deren Erforschung auch die Arbeit am Thwaites-Gletscher beiträgt. Die Sedimentkerne aus Venedig erschließen eine andere Ebene: Sie könnten zeigen, wie Tiere auf frühere Bedingungen in ihrem unmittelbaren Lebensraum reagierten. Entscheidend wird sein, welche Reaktionen sich zuverlässig erkennen und welchen Umweltveränderungen sie sich zuordnen lassen.

Quellen und weiterführende Informationen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.