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Nature-Studie: Europas Hummeln verlieren fünf Prozent Habitat-Eignung

Eine Nature-Studie zeigt: Der Klimawandel verringert die Habitat-Eignung europäischer Hummeln im Mittel um fünf Prozent.

Von Wolfgang

05. Sep. 20265 Min. Lesezeit

Nature-Studie: Europas Hummeln verlieren fünf Prozent Habitat-Eignung

Eine Nature-Studie zeigt: Der Klimawandel verringert die Habitat-Eignung europäischer Hummeln im Mittel um fünf Prozent.

Fünf Prozent weniger klimatisch geeigneter Lebensraum im europäischen Mittel – das klingt zunächst moderat. Doch hinter diesem Wert verbirgt sich eine ungleiche Entwicklung: Besonders in südlichen und zentralen Tieflandregionen verlieren Hummeln geeignete Bedingungen. Dass einzelne höhere Lagen zugleich günstiger werden, ist kein einfacher Ausgleich.

Eine am 2. September 2026 in Nature Climate Change veröffentlichte Studie hat untersucht, wie stark der langfristige Klimawandel die Eignung europäischer Hummellebensräume verändert hat. Für 47 Arten und den Zeitraum von 1901 bis 2019 ergibt sich im Mittel ein Rückgang der gemeinschaftlichen ökologischen Habitat-Eignung um fünf Prozent. An einzelnen Orten reichen die modellierten Verluste bis zu 19 Prozent.

Wichtig ist, was diese Zahlen bedeuten – und was nicht. Sie zählen weder verschwundene Tiere noch verlorene Kolonien. Die Forschenden berechnen vielmehr, wie gut die klimatischen Bedingungen eines Orts nach ihren Modellen zu den Ansprüchen der untersuchten Hummelarten passen. Ein Gebiet kann also klimatisch an Eignung verlieren, bevor sich dies eindeutig in Bestandsdaten zeigt. Umgekehrt können Pestizide, ein mangelndes Blütenangebot oder zerschnittene Landschaften Hummelpopulationen schädigen, obwohl das Klima rechnerisch noch passend ist.

Der Vergleich mit einer nicht eingetretenen Klimageschichte

Grundlage der Analyse sind mehr als 800.000 georeferenzierte Funddaten. Daraus entwickelten die Forschenden artspezifische ökologische Nischenmodelle. Solche Modelle verbinden Beobachtungen mit Umweltbedingungen und schätzen, unter welchen Klimaverhältnissen eine Art geeigneten Lebensraum findet.

Der entscheidende Schritt folgt danach: Die Modelle wurden einmal mit den tatsächlich beobachteten Klimadaten für die Jahre 1901 bis 2019 gerechnet – und ein zweites Mal mit einer hypothetischen Klimareihe. In dieser Gegenfaktik wurde der langfristige, mit der globalen Erwärmung zusammenhängende Trend entfernt. Die Differenz zwischen beiden Rechnungen zeigt den Anteil der veränderten Habitat-Eignung, der dem Klimawandel zugeschrieben wird.

Das ist keine Beobachtung einer realen Welt ohne Erwärmung und auch kein Feldexperiment. Die Vergleichswelt wird modelliert. Entsprechend beschreibt die Studie einen plausibel attribuierten Klimabeitrag, nicht die vollständige Ursache aller Veränderungen bei europäischen Hummeln.

Originalgrafik vergleicht faktisches und gegenfaktisches Klima von 1901 bis 2019 und ordnet modellierte Hummel-Habitat-Eignung ein.
Die Grafik stellt faktische und gegenfaktische Klimabasis gegenüber und nennt 47 Arten, fünf Prozent im Mittel sowie lokal bis 19 Prozent; dargestellt ist eine Modellmetrik, keine Bestandszählung – durch KI erzeugt

Warum neue Flächen am Berg verlorene Tiefländer nicht ersetzen

Auf der Europakarte verteilt sich der Effekt keineswegs gleichmäßig. Besonders stark fällt der zugerechnete Verlust in südlichen und zentralen Tieflandregionen aus. Dort entfernen sich Temperatur- und andere Klimabedingungen stärker von dem Bereich, den die Modelle für die jeweiligen Hummelgemeinschaften als günstig ausweisen.

In alpinen und borealen Regionen zeigen sich dagegen teilweise Zugewinne in höheren Lagen. Das wirkt auf den ersten Blick wie ein möglicher Ausgleich. Doch eine Fläche, die klimatisch günstiger wird, ersetzt nicht automatisch eine verlorene Fläche weiter unten.

Zum einen müssen Hummeln diese neuen Räume überhaupt erreichen können. Zwischen Tiefland und Hochlage liegen oft intensiv genutzte Agrarflächen, Verkehrsachsen, Siedlungen oder andere Barrieren. Zum anderen genügt ein passendes Klima nicht: Es braucht Nistmöglichkeiten, ein reiches und über die Saison verfügbares Blütenangebot sowie möglichst geringe zusätzliche Belastungen.

Hinzu kommt, dass die 47 untersuchten Arten keine austauschbare Gruppe bilden. Ihre Ansprüche unterscheiden sich. Eine höher gelegene Fläche kann für manche Arten geeigneter werden, ohne den Verlust eines Tieflandlebensraums für andere funktional auszugleichen. Selbst für dieselbe Art bedeutet modellierte Eignung noch nicht, dass sich dort rasch eine stabile Population ansiedelt.

Seit den 1980er-Jahren wird der Klimabeitrag klarer

Über den langen Untersuchungszeitraum hinweg tritt das zugerechnete Klimasignal seit den 1980er-Jahren deutlicher hervor. Das passt zur beschleunigten Erwärmung in diesen Jahrzehnten. Eine Rangliste aller Gefährdungen für Hummeln liefert die Studie damit jedoch nicht.

Landnutzungswandel, Pestizide, der Verlust vielfältiger Blühflächen, Krankheitserreger, Landschaftsfragmentierung und Extremereignisse können Populationen ebenfalls erheblich belasten. Die Untersuchung erklärt diese Faktoren nicht für nebensächlich. Sie beantwortet gezielt eine andere Frage: Wie stark unterscheiden sich die modellierten Habitatbedingungen zwischen dem tatsächlich beobachteten Klima und einer berechneten Klimawelt ohne langfristigen Erwärmungstrend?

Triptychon aus blütenreicher Tieflandwiese, alpiner Hochlage und einem verbindenden Lebensraum mit Hecken und Blühstreifen.
Drei symbolische Lebensräume zeigen Tiefland, Hochlage und mögliche Verbindungselemente; das Bild ist keine Ortsaufnahme und belegt keine automatische Umsiedlung oder Schutzwirkung – durch KI erzeugt

Was der Wert von fünf Prozent praktisch sagt

Die fünf Prozent sind weder Entwarnung noch eine direkte Vorhersage für Bestäubungsleistung, Landwirtschaft oder einzelne Hummelkolonien. Sie zeigen jedoch, dass sich eine zentrale Voraussetzung für Hummelvorkommen bereits messbar verändert hat: die klimatische Passung ihrer Lebensräume.

Gerade weil die stärksten Verluste in vielen südlichen und zentralen Tieflandräumen liegen, kann der europäische Mittelwert die lokale Dringlichkeit verdecken. Für den Naturschutz folgt daraus ein nüchterner Schluss: Es reicht nicht, auf eine bloße Verschiebung in höhere Lagen zu hoffen. Neu geeignete Räume müssen erreichbar und ökologisch nutzbar sein.

Blütenreiche, miteinander verbundene Lebensräume im Tiefland zu erhalten, bleibt deshalb ebenso wichtig wie der Schutz kühler Rückzugsräume in höheren oder nördlicheren Regionen. Klimatisch passende Quadratkilometer sind kein Ersatzteil, das sich an anderer Stelle beliebig einsetzen lässt.

Quellen und weiterführende Informationen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.