Technik

USA setzen auf alte Stromtrassen – mit neuen Seilen und Wetterdaten

Die USA wählen 31 Netzprojekte aus. Bessere Leiterseile und Wetterdaten sollen mehr Transport ermöglichen – die erwarteten 23 Gigawatt sind noch kein Betriebsergebnis.

Von Wolfgang

29. Sep. 20263 Min. Lesezeit

Magazincollage mit Stromtrassen und der vollständigen Artikelüberschrift.

Mehr Strom transportieren, ohne überall eine neue Trasse zu ziehen: Die USA setzen dafür auf eine Kombination aus besseren Leiterseilen und genauerem Netzbetrieb. Das Energieministerium hat am 24. September 2026 31 Projekte in 26 Bundesstaaten zur Förderung ausgewählt. Die interessante Idee dahinter: Eine Leitung lässt sich sowohl baulich verstärken als auch an die wechselnden Bedingungen ihres Betriebs anpassen.

Eine Förderauswahl, noch keine fertige Leitung

Für das Programm SPARK nennt das Ministerium rund 1,9 Milliarden US-Dollar Bundesmittel und 3,35 Milliarden Dollar an Eigenanteilen der Empfänger. Zusammen ergeben sich 5,25 Milliarden Dollar. Vorgesehen sind neue Leiterseile oder der Wiederaufbau von mehr als 1.500 Meilen Leitungen. Technologien zur besseren Netznutzung sollen auf fast 21.000 Meilen eingesetzt werden. Die beiden Streckenangaben stehen für unterschiedliche Arbeiten; sie sind keine gemeinsame Länge neu gebauter Stromtrassen.

Das Ministerium erwartet dadurch mehr als 23 Gigawatt zusätzliche Netzkapazität. Diese Größe beschreibt den erwarteten Spielraum im Stromtransport. Sie ist keine Bilanz neu errichteter Kraftwerke und auch kein bereits gemessener Zugewinn. Die Programmseite nennt für die erwarteten Fördervergaben erst den Zeitraum Oktober 2026 bis Januar 2027. Auswahl, Vergabe und betriebsbereiter Ausbau sind verschiedene Schritte.

Neue Seile verändern die Leitung, Wetterdaten ihren Betrieb

Beim sogenannten Reconductoring werden vorhandene Leiterseile durch leistungsfähigere ersetzt. Das Programm setzt damit auf bestehende Leitungskorridore. Der bauliche Eingriff soll die Übertragungsfähigkeit erhöhen. Ergänzend priorisiert SPARK Technik, mit der vorhandene Anlagen in Echtzeit besser genutzt werden können.

Dazu passt die dynamische Leitungsbewertung, international Dynamic Line Rating genannt. Die US-Regulierungsbehörde FERC erklärt, dass die sichere Strombelastung einer Freileitung mit den Umgebungsbedingungen schwankt. Wind, Lufttemperatur und Sonneneinstrahlung verändern die Kühlung beziehungsweise Erwärmung. Ein fester, vorsichtig gewählter Betriebswert bildet diese Schwankungen nur begrenzt ab.

Eine laufend angepasste Bewertung macht zusätzliche Reserven nutzbar, wenn die Bedingungen sie zulassen. Sie muss die Belastung ebenso begrenzen, wenn die Leitung stärker erwärmt wird. Es geht um eine genauer bestimmte sichere Grenze. Aus einer Wetterprognose entsteht keine beliebig belastbare Leitung.

Zwei ergänzende Wege: leistungsfähigere Leiterseile und wetterabhängige Bewertung der zulässigen Strombelastung.
Leiterseiltausch verändert die Infrastruktur; Wetterdaten helfen beim sicheren Betrieb. Schematische Darstellung ohne Messwerte. (Quelle: KI generiert)

Warum eine warme Leitung weiter durchhängt

Auch in Deutschland wird dieser Zusammenhang genutzt. Fraunhofer IEE beschreibt den witterungsabhängigen Freileitungsbetrieb: Wetterdaten werden zusammen mit den Eigenschaften der Leiterseile in eine zulässige Dauerstrombelastung übersetzt. Erwärmt sich das Seil, nimmt sein Durchhang zu. Der nötige Abstand zu Hindernissen bleibt deshalb eine Sicherheitsgrenze.

Kühlere Luft oder geringere Sonneneinstrahlung können mehr Belastung erlauben. Bei großer Hitze kann der wetterabhängige Wert dagegen niedriger ausfallen. Das Verfahren kennt somit beide Richtungen. Fraunhofer betont außerdem die Prüfung eintreffender Messwerte und Ersatzwerte bei kurzfristigen Sensorausfällen. Gute Daten gehören zum sicheren Netzbetrieb.

Der entscheidende Unterschied steckt im Nachweis

Die US-Auswahl verbindet einen dauerhaften Umbau der Leitungen mit einer beweglichen Betriebsgrenze. Das erklärt ihren technischen Ansatz. Wie viel Kapazität jedes Projekt tatsächlich gewinnt und ob Stromkunden dadurch weniger zahlen, belegt die Ankündigung noch nicht. Kostensenkung und höhere Zuverlässigkeit sind Ziele des Ministeriums.

Für die weitere Bewertung zählen daher die umgesetzten Arbeiten und die anschließenden Betriebsergebnisse. Eine bestehende Trasse kann mehr leisten, wenn Seile, Daten und Betriebsführung zusammenpassen. Wie viel mehr sie leistet, muss sich am konkreten Netz zeigen.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.