Erneuerbare Energien

Ist mein Solarertrag normal? So vergleichst du richtig.

Mehr Kilowattstunden auf dem Nachbardach bedeuten nicht automatisch mehr Leistung. So vergleichst du PV-Erträge mit gleicher Messgröße, gleichem Zeitraum und passender Dachgeometrie.

Von Wolfgang

18. Okt. 20266 Min. Lesezeit

Solardächer mit der Artikelüberschrift und der Marke TechZeitGeist.

Auf dem Nachbardach entstehen 420 Kilowattstunden, die eigene App meldet nur 320. Das klingt nach einem klaren Rückstand. Ob die eigene Solaranlage schlechter läuft, entscheidet sich aber erst mit einer zweiten Zahl: Wie groß sind die beiden Anlagen? Hat die eigene acht Kilowattpeak und die andere zwölf, dreht sich das Bild. Pro installiertem Kilowattpeak liefert das eigene Dach in diesem Beispiel mehr.

Für einen brauchbaren Vergleich brauchst du zunächst drei übereinstimmende Angaben: die tatsächliche PV-Erzeugung, denselben Zeitraum und die installierte Modulleistung. Erst danach kommen Standort, Ausrichtung, Neigung und Schatten hinzu. So lässt sich aus einer beunruhigenden fremden Zahl eine konkrete Prüfaufgabe machen.

Die richtige Zahl steht nicht immer auf der ersten App-Seite

Eine Energie-App kann Erzeugung, Einspeisung, Hausverbrauch und Speicherabgabe nebeneinander zeigen. Für den Anlagenvergleich ist die erzeugte Energie interessant. Die Einspeisung erfasst dagegen nur den Strom, der das Haus Richtung Netz verlässt. Ein Haushalt mit tagsüber laufender Wärmepumpe kann viel Solarstrom erzeugen und wenig einspeisen. Sein Dach arbeitet deshalb nicht schlechter.

Auch die Entladung des Speichers gehört nicht zusätzlich auf die Erzeugungssumme. Der Akku gibt Energie ab, die zuvor hineingeflossen ist. Wer sie beim Laden als Solarerzeugung und beim Entladen noch einmal als neuen Solarstrom zählt, lässt dieselbe Energie zweimal durch die Rechnung laufen. Bei Speichern, die zusätzlich aus dem Netz laden, wird die Herkunft noch wichtiger.

Suche deshalb im Wechselrichterportal nach der ausdrücklich bezeichneten PV-Erzeugung und prüfe in der Dokumentation, wo sie gemessen wird. Ein System kann die Gleichstromseite der Module darstellen, ein anderes die Wechselstromabgabe nach der Umwandlung. Diese Messgrenzen sollten zusammenpassen. Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt die regelmäßige Kontrolle von Funktion und Ertrag und nennt dafür Daten vom Wechselrichterdisplay, der Internetseite oder der App. Ein Bildschirmfoto ohne Definition der angezeigten Größe bleibt ein schlechter Vergleichsmaßstab.

Aus zwei Dächern wird eine gemeinsame Bezugsgröße

Kilowattpeak, kurz kWp, beschreibt die Nennleistung der Solarmodule unter festgelegten Testbedingungen. Kilowattstunden, kWh, beschreiben die über einen Zeitraum erzeugte Energie. Für den Größenvergleich teilst du die Erzeugung durch die installierte Modulnennleistung:

Spezifischer Ertrag = erzeugte Kilowattstunden / installierte Kilowattpeak.

Nehmen wir zwei ausdrücklich fiktive Anlagen für den 1. bis einschließlich 17. Oktober. Anlage A erzeugt mit 8 kWp insgesamt 320 kWh. Das ergibt 40 kWh/kWp. Anlage B liefert mit 12 kWp zwar 420 kWh, erreicht aber 35 kWh/kWp. Die größere Anlage gewinnt bei der Strommenge, die kleinere beim größenbereinigten Ertrag. Die Rechnung entfernt genau einen Unterschied: die Anlagenleistung.

Zwei Dächer werden im gleichen Zeitraum auf Kilowattstunden je Kilowattpeak umgerechnet; darunter sind Erzeugung, Einspeisung und Speicherstrom getrennt dargestellt.
Das fiktive Beispiel zeigt die Größenbereinigung und unterschiedliche Strompfade. Ausrichtung und Wetter sind dabei noch nicht bereinigt. (Quelle: KI generiert)

Im Nenner steht bei diesem Vergleich die Modulnennleistung, nicht die Kapazität des Heimspeichers und nicht automatisch die Nennleistung des Wechselrichters. Ein Speicher mit zehn Kilowattstunden sagt etwas über seinen Energieinhalt aus. Er beschreibt nicht, wie groß die Solargeneratorfläche ist. Bei einer später erweiterten Anlage sollten Messzeiträume vor und nach der Erweiterung getrennt werden.

Ein halber Oktober verträgt sich schlecht mit einem ganzen

Notiere Anfang und Ende des Vergleichszeitraums vollständig. Eine Summe bis gestern Abend passt nicht zu einer App, die den laufenden Tag bereits einrechnet. Noch gröber wird der Fehler, wenn ein Monatszwischenstand neben einem abgeschlossenen Monat steht. Beim Export helfen Tageswerte: Beide Anlagen werden aus denselben Kalendertagen zusammengesetzt.

Ein Durchschnitt pro Tag kann unterschiedliche Zeiträume rechnerisch verkürzen, gleicht aber das Wetter nicht aus. Drei wolkenreiche Tage bleiben andere Tage als drei sonnige. Auch die eigene Vorjahreskurve enthält anderes Wetter. Sie ist als zweite Perspektive nützlich, etwa wenn ein plötzliches dauerhaftes Absinken auffällt; einen automatischen Defektbeweis liefert ihr Abstand nicht.

Speichere neben der Summe auch die Datenquelle. Ist eine Datenlücke aufgetreten, kann die Anzeige weniger melden, obwohl der Wechselrichter weiter produziert hat. Prüfe dann, ob nur die Übertragung ins Portal fehlt oder auch der lokale Erzeugungszähler eine Lücke zeigt. Ergänze fehlende Werte nicht stillschweigend aus einem sonnigen Nachbartag.

Warum das Nachbardach trotz kWh/kWp anders bleibt

Nach der Größenbereinigung beginnen die physikalischen Unterschiede. Eine südliche Dachfläche mit steiler Neigung empfängt die Sonne anders als ein flaches Ost-West-Dach. Im Herbst steht die Sonne tiefer; ein Hindernis kann dadurch einen anderen Teil der Module beschatten als im Sommer. Bereits die Lage eines Schornsteins kann den Tagesverlauf verändern.

Für den Vergleich lohnt daher ein kleiner Datensatz statt einer Rangliste: Ort beziehungsweise Region, Ausrichtung, Dachneigung, Verschattung, Modulnennleistung und betrachteter Zeitraum. Bei mehreren Dachflächen gehören deren Größen und Richtungen dazu. Zwei Dächer im selben Ort teilen viele Wetterbedingungen, aber noch lange nicht ihre Geometrie.

Die Wahl des Vergleichsdachs hängt von der Frage ab. Willst du einen abrupten Ausfall erkennen, ist eine nahe Anlage mit ähnlichem Verlauf hilfreich. Willst du verstehen, ob dein Ost-West-Dach grundsätzlich andere Monatserträge erwarten lässt, brauchst du ein Modell mit dieser Ausrichtung. Ein entferntes Süddach mit dem höchsten geposteten Ertrag beantwortet keine dieser Fragen besonders gut.

PVGIS liefert einen Erwartungsrahmen

Das kostenlose PVGIS des Joint Research Centre der EU-Kommission kann die Einordnung unterstützen. Wähle den Standort und die Berechnung für eine netzgekoppelte Anlage. Trage die Modulnennleistung, die tatsächliche Neigung und Ausrichtung sowie passende Systemverluste ein. Soll das bestehende Dach eingeordnet werden, verwende seine reale Geometrie; eine automatisch optimierte Ausrichtung beschreibt ein anderes Dach.

Bei unterschiedlich ausgerichteten Teilflächen ist eine getrennte Berechnung mit der jeweiligen Teilnennleistung nachvollziehbarer. Anschließend lassen sich die modellierten Energiemengen derselben Monate addieren. Bewahre die Eingaben mit dem Ergebnis auf, damit beim nächsten Vergleich nicht unbemerkt andere Annahmen verwendet werden.

Wichtig ist die Zeitebene: Die übliche Ertragsberechnung nutzt eine mehrjährige Wettergrundlage. Ihr Oktobermittel ist ein langfristiger Erwartungswert und keine Messung des gerade laufenden Oktobers. Für einen Zwischenstand bis zum 17. lässt sich ein voller Modellmonat auch nicht einfach als Sollwert danebenstellen. PVGIS hilft bei der Frage, wie Standort und Dach den möglichen Ertrag prägen. Das aktuelle Wetter muss für eine entsprechende Bereinigung gesondert berücksichtigt werden.

Mit einem auffälligen Muster zum Fachbetrieb

Wenn die Größen und Zeiträume stimmen, schau auf den Verlauf. Fehlen plötzlich ganze Produktionstage? Taucht eine Fehlermeldung auf? Zeigt eine vergleichbare nahe Anlage weiter ihren üblichen Tagesbogen, während die eigene Kurve dauerhaft einbricht? Solche Beobachtungen ergeben eine konkretere Rückfrage als die Aussage, ein anderer Betreiber habe mehr geerntet.

Halte Datum, Fehlermeldung, Tageskurve und die betroffene Messgröße fest und gib sie dem Installations- oder Servicebetrieb. Aus einer App allein lässt sich nicht zuverlässig zwischen Messproblem, Schatten, Begrenzung und technischem Fehler entscheiden. Für elektrische Prüfungen braucht es den Fachbetrieb. Wer dagegen lediglich eine kleinere absolute Summe auf einem kleineren Dach entdeckt, kann zuerst die Division erledigen. Manchmal löst sich der vermeintliche Ertragsverlust schon auf dem Taschenrechner.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.