Ein Seaglider startet auf seinem Rumpf wie ein Boot, hebt sich anschließend auf Tragflächen im Wasser und fliegt schließlich knapp über der Oberfläche. Für diese ungewöhnliche Abfolge hat REGENT am 30. September seine Fertigungsstätte in North Kingstown im US-Bundesstaat Rhode Island eröffnet. Bei der Veranstaltung führte das Unternehmen den bemannten Viceroy-Prototyp und die unbemannte Squire-Drohne auf dem Wasser vor. Erste Kundenlieferungen des Viceroy sind frühestens für Ende 2027 geplant. REGENT
Die neue Halle verbindet deshalb zwei Entwicklungen: Ein Prototyp bewegt sich bereits durch alle drei Betriebsarten, während das Unternehmen die Abläufe für den späteren Bau von Kundenfahrzeugen aufstellt. REGENT nennt für den Ausbau eine Zielkapazität von jährlich 75 Viceroy-Fahrzeugen und 300 Squire-Drohnen. Die Zahlen beschreiben den vorgesehenen Produktionsumfang der ausgebauten Anlage. REGENT
Drei Arten, das Gewicht zu tragen
Bei geringer Geschwindigkeit schwimmt der Seaglider auf seinem Rumpf. Das ist besonders für die Bewegung am Anleger nützlich. Mit zunehmender Fahrt übernehmen Hydrofoils: Unter Wasser liegende Tragflächen erzeugen Auftrieb und heben den Rumpf aus dem Wasser. Die tragende Kraft entsteht dann nicht mehr allein durch die Verdrängung des Rumpfes.
Im dritten Modus tragen die Flügel in der Luft. REGENT beschreibt den Flug innerhalb einer Flügelspannweite über der Wasseroberfläche. In dieser Nähe zur Oberfläche verändert sich die Strömung um den Flügel; dieser Bodeneffekt ist die Grundlage der Fahrzeugklasse „wing-in-ground effect“, kurz WIG. Der Seaglider nutzt damit eine Betriebszone, die ein gewöhnliches Flugzeug vor allem beim Starten und Landen durchquert. REGENT

Der Wechsel ist keine bloße Showfunktion. Die drei Betriebsarten beantworten unterschiedliche Situationen einer Küstenfahrt: Langsames Manövrieren am Hafen, Fahrt auf den Hydrofoils und schnelle Bewegung knapp über dem Wasser. Nach REGENTs Beschreibung steuert der Kapitän die Richtung und Geschwindigkeit, während ein mehrfach abgesichertes digitales Regelsystem die Stabilität verwaltet. REGENT
Vom kurzen Erstflug zum Fertigungsablauf
Der erste bemannte Flug des Viceroy fand laut REGENT am 2. September statt. Zwei Kapitäne waren an Bord. Das Unternehmen nennt eine Strecke von 596 Metern, etwa zehn Meter Höhe über dem Wasser und eine Flugdauer von 30 Sekunden. Bei der Werkseröffnung Ende September wurde der fünfte Flug des Prototyps gezeigt. Diese konkreten Etappen beschreiben die Flugerprobung, die parallel zum Aufbau der Produktion weitergeht. REGENTREGENT
In der Fertigungsstätte sind Bereiche für die Montage der Struktur, für Flügel und Hydrofoils sowie für Batterien und weitere Systeme vorgesehen. Direkt am Wasser sollen Test- und Abnahmefahrten stattfinden. Der Zugang zum Wasser ist für ein Fahrzeug, das seine Funktionen dort erprobt, ein Teil des Produktionskonzepts. Zwischen Montagehalle und Versuchsstrecke liegt damit keine Reise zu einem entfernten Flugplatz. REGENT
Die räumliche Verbindung hilft auch beim Wechsel zwischen Entwicklungs- und Fertigungsaufgaben. Ein Bauteil muss zunächst in die Struktur passen. Danach müssen Steuerung, Antrieb und Energiespeicher im gesamten Fahrzeug zusammenarbeiten. Schließlich folgt die Erprobung im Wasserbetrieb. Das Werk soll diese Schritte von der Strukturmontage bis zur Abnahme zusammenführen.
Küstenverkehr gibt die Route vor
Viceroy ist für zwölf Passagiere und zwei Besatzungsmitglieder vorgesehen. Als Entwicklungsziele nennt REGENT bis zu 180 Meilen Reichweite und 180 Meilen pro Stunde Geschwindigkeit. Das Unternehmen richtet das Konzept auf Küstenverbindungen zwischen bestehenden Hafenstandorten aus. Die Nutzung bleibt an Wasserflächen und die vorgesehenen Betriebsbedingungen des Fahrzeugs gebunden. REGENT
Darin liegt zugleich der Unterschied zu einem Regionalflugzeug: Ein Seaglider verbindet die Stationen entlang geeigneter Wasserwege, statt aus der Bodeneffektzone in den freien Reiseflug aufzusteigen. Für einen solchen Dienst müssen Fahrzeug, Hafenablauf und Route gemeinsam passen. Die eröffnete Fertigung schafft jetzt den Ort für den geplanten Serienbau. Auf dem Wasser arbeitet REGENT währenddessen weiter daran, aus den gezeigten Prototypfahrten den vorgesehenen Kundenbetrieb zu entwickeln.
Quellen
- REGENT: Opening of Seaglider Manufacturing Facility (2026-09-30)
- REGENT: First human-crewed Seaglider flight (2026-09-02)
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