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Flora Incognita: Wie Kinder mehr als Pflanzennamen entdecken

Wie Familien mit Flora Incognita Pflanzen selbst vergleichen, bessere Detailfotos machen und ohne Netz Beobachtungen für später sammeln.

Von Wolfgang

07. Sep. 20267 Min. Lesezeit

KI-Illustration: Eine Kinderhand zeigt auf ein Blatt am Wegesrand, daneben hält eine erwachsene Hand ein Smartphone.

Ein Pflanzenname kann eine Entdeckung abschließen – oder die nächste Frage eröffnen. Flora Incognita bietet Familien Fotos, Steckbriefe und gespeicherte Beobachtungen für diesen zweiten Weg. Entscheidend ist, was zwischen dem KI-Vorschlag und dem bestätigten Fund passiert: noch einmal hinsehen.

Angenommen, am Wegesrand fällt eine Pflanze mit kleinen Blüten auf. Ein Foto, ein Vorschlag der App – und schon hat sie einen Namen. Doch woran lässt sich erkennen, ob er passt? Diese Frage führt zurück zur Pflanze. Statt die digitale Auskunft gleich zu übernehmen, können Kinder und Erwachsene gemeinsam nach dem Merkmal suchen, das den Vorschlag nachvollziehbar macht.

Flora Incognita, entwickelt von der TU Ilmenau und dem Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena, bietet dafür mehrere Anknüpfungspunkte. Nach der Bestimmung stehen Steckbriefe und Vergleichsbilder bereit; bestätigte Beobachtungen lassen sich später wieder öffnen. So muss die Beschäftigung mit einem Fund nicht beim Namen enden. Die App liefert Material zum Nachsehen – draußen an der Pflanze und später anhand der gespeicherten Bilder.

Woran lässt sich der Pflanzenname überprüfen?

Nach der Funktionsbeschreibung des Projekts fordert die App eine oder mehrere Pflanzenansichten an, etwa von Blatt oder Blüte. Bilder und Metadaten werden zur Identifikation an den Server übertragen. Die neuronalen Netze laufen auf dem Computercluster des Projekts, nicht als lokale Offline-KI auf dem Familienhandy. Als Ergebnis erscheint eine Art oder eine kurze, nach Wahrscheinlichkeit geordnete Liste ähnlicher Arten.

Für den anschließenden Vergleich reicht zunächst ein gut sichtbares Merkmal: die Blattform, die Anordnung der Blätter am Stängel oder der Aufbau einer Blüte. Nicht jedes Detail muss sofort einen botanischen Fachnamen bekommen. Schon die Frage, ob die Blätter einzeln oder paarweise gegenüberstehen, lenkt den Blick vom Display auf die Pflanze. Steckbrief und Vergleichsbilder geben dabei eine Orientierung, wonach man suchen kann.

Auch eine Unstimmigkeit hilft weiter. Passt das Blatt nicht zum Vergleichsbild, muss niemand den Vorschlag passend reden. Eine andere Aufnahme oder ein weiteres Merkmal kann die Frage klären; manchmal bleibt sie offen. Zum Abschluss bestätigen Nutzer die Art selbst. Dieser Schritt hält ihre Auswahl fest, ist aber weder eine botanische Expertenprüfung noch eine Garantie für den richtigen Namen.

Was beim Grundschulausflug in Jena gelang – und was schwierig war

Wie viel rund um die App dazugehört, zeigt ein Projektbericht vom Mai 2024. Das beteiligte Team beschreibt einen begleiteten Ausflug mit 24 Kindern der ersten und zweiten Jahrgangsstufe in Jena. Pflanzenaufbau und Bestimmung mit Büchern waren zuvor bereits Thema gewesen. Eine Einführung und weitere gemeinsame Aktivitäten ergänzten die Arbeit mit den Tablets.

Auf der Wiese nutzten die Kinder die Geräte in Dreiergruppen. Ein mobiler Router war dabei; der Ausflug war also kein Offline-Test. Besonders anschaulich schildert der Bericht die Schwierigkeiten beim Fotografieren: Durch Umdrehen des Tablets kam dessen Kamera näher an bodennahe Blüten. Gräser und sehr filigrane Pflanzen konnten die Kinder dagegen nur selten ausreichend gut für eine Bestimmung aufnehmen.

Das ist mehr als eine technische Randnotiz. Die Kamera muss ein Merkmal erst deutlich abbilden, bevor das Modell damit arbeiten kann. Ein unscharfer Halm belegt deshalb nicht, dass die App grundsätzlich keine Gräser erkennt. Zunächst zeigt er eine Grenze der Aufnahme. Die hilfreiche Frage lautet dann nicht gleich, warum die KI scheitert, sondern: Welcher Pflanzenteil soll auf diesem Foto überhaupt erkennbar sein?

Der Bericht schildert Freude am Entdecken, ist aber kein Experiment und misst keinen dauerhaften Wissenszuwachs. Vorwissen, Bücher, Begleitung und Gruppenarbeit gehörten zum Ablauf; eine Wirkung der App lässt sich daraus nicht isolieren. Auch die hier vorgeschlagenen Familienroutinen sind kein nachgewiesenes Lernprogramm. Das Jenaer Beispiel liefert vielmehr praktische Anregungen dafür, wie sich Fotografieren und Vergleichen gemeinsam gestalten lassen.

Lieber ein scharfes Detail als gleich der nächste Fund

Bei einer kleinen Blüte kann es sich lohnen, länger an der Aufnahme zu arbeiten, statt bereits zur nächsten Pflanze zu gehen. Die aktuelle FAQ beschreibt dafür eine Nahfokus-Hilfe: Der Fokus wird auf kurze Distanz gesetzt, anschließend bewegt man das Gerät vor oder zurück, bis das kleine Objekt scharf erscheint. Das kann bei der Aufnahme helfen, löst aber nicht jede schwierige Fotosituation.

Damit nicht nur das Kind mit dem Gerät beschäftigt ist, lassen sich die Aufgaben verteilen: Eines fotografiert, ein anderes sucht das angefragte Merkmal, ein Erwachsener unterstützt bei Bedienung und Vergleich. Danach können die Rollen wechseln. Im Mittelpunkt steht dann eine gemeinsame Aufgabe: ein Bild aufzunehmen, auf dem die anderen das gesuchte Detail ebenfalls erkennen können.

Die nächste Frage muss auch nicht wieder „Welche Art ist das?“ lauten. Eine Flora-Story vom 6. September 2026 über Safran zeigt einen anderen Zugang: Die roten Gewürzfäden sind botanisch die Narben der Blüte, die Pollen aufnehmen. Ein vertrautes Gewürz führt damit zu einem Pflanzenteil und seiner Funktion. Das ist ein kleiner Wissensanlass, keine neue App-Funktion und keine Aufforderung zum Sammeln.

Ohne Netz beobachten, später bestimmen

Ein Funkloch muss die Beobachtung nicht beenden. Laut FAQ lassen sich Pflanzenfotos offline aufnehmen und in der Beobachtungsliste sammeln. Mit entsprechender Standortfreigabe wird auch der Fundort gespeichert. Nur die Bestimmung muss warten: Erst mit Internetverbindung werden Bilder und Metadaten an den Server übertragen. Danach folgt der KI-Vorschlag, den die Familie an den Merkmalen prüfen kann, bevor sie die Art bestätigt.

KI-Schema: Pflanze fotografieren, offline speichern, später mit Internet an den Server übertragen, KI-Vorschlag erhalten, Merkmale vergleichen und Art bestätigen.
Schematischer Ablauf: Offline sind Aufnahmen möglich; der KI-Vorschlag folgt erst nach der Online-Übertragung und wird anschließend selbst geprüft – durch KI erzeugt

Für diesen späteren Vergleich braucht es schon draußen brauchbare Ansichten. Ein Foto der ganzen Pflanze kann den Wuchs festhalten, ein Detailfoto Blatt oder Blüte zeigen. Fehlt das entscheidende Merkmal, lässt es sich zu Hause nicht durch längeres Betrachten des Displays zurückholen. Deshalb kann ein sorgfältiges zweites Foto wertvoller sein als ein weiterer Eintrag in der Beobachtungsliste.

Gespeicherte Beobachtungen lassen sich wieder ansehen; Pflanzenname und Notizen sind bearbeitbar. Familien könnten festhalten, welches Merkmal sie überzeugt hat oder woran noch Zweifel bestehen. Beim nächsten Öffnen ist dann auch die eigene Überlegung nachvollziehbar. Bleibt eine Bestimmung unsicher, darf sie das bleiben. Ein erneuter Besuch bietet die Gelegenheit, gezielt nach dem fehlenden Detail zu schauen.

Was Familien bei Daten und Nutzung beachten sollten

Laut Projektangaben ist Flora Incognita kosten- und werbefrei und auch ohne eigenes Profil nutzbar. Der Gastmodus bedeutet allerdings weder datenfreie noch von Anfang an anonyme Nutzung. Die Datenschutzerklärung nennt unter anderem Bilder, EXIF-Daten, IP-Adresse, Geräteinformationen und eine Kennung. Auch Gäste erhalten eine zufällig erzeugte Nutzerkennung; die beschriebene Anonymisierung erfolgt später.

Den Standortzugriff können Familien über die Geräteeinstellungen steuern. Außerdem empfiehlt es sich, keine Gesichter oder privaten Details mitzufotografieren – als eigene Vorsichtsmaßnahme, nicht als zugesicherte Schutzfunktion der App. Ähnlich wie bei gemeinsamen Regeln für Kinder, KI und Medienzeit hilft eine überschaubare Absprache: Wer bedient das Gerät, was wird aufgenommen, und wann sehen sich alle das Ergebnis an?

Eine Grenze bleibt eindeutig: Nach dem ausdrücklichen Nutzungshinweis ist die automatische Pflanzenbestimmung keine Erlaubnis zur kulinarischen oder medizinischen Verwendung. Auch ein bestätigter App-Name ist keine Essbarkeitsprüfung. Gerade mit Kindern sollte die gemeinsame Aufgabe deshalb Beobachten heißen, nicht Probieren.

Für den Ausflug bleibt eine einfache Entscheidung: Wobei soll das Handy helfen, und wann wird es nicht mehr gebraucht? Diese Frage schließt an das Nachdenken über Digital Detox an, ohne Geräteverzicht zum einzigen Maßstab zu machen. Mit Flora Incognita kann die gemeinsame Nutzung heißen: fotografieren, den Vorschlag vergleichen und das Gerät wieder senken. Ob die Blätter tatsächlich paarweise am Stängel stehen, lässt sich schließlich am besten an der Pflanze sehen.

Quellen und weiterführende Informationen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.