Erneuerbare Energien

Offshore-Wind: Veja Mate bietet 200 MW Regelreserve

Vattenfall vermarktet Regelreserve aus Veja Mate. Wie der Windpark seine Einspeisung anpasst und warum mehr Strom eine vorgehaltene Reserve braucht.

Von Wolfgang

20. Okt. 20264 Min. Lesezeit

Offshore-Windturbinen mit der Überschrift Offshore-Wind: Veja Mate bietet 200 MW Regelreserve.

Ein Windpark kann dem Stromnetz auch helfen, indem er vorübergehend weniger Strom liefert. Und wenn er zuvor Leistung freigehalten hat, kann er seine Einspeisung gezielt erhöhen. Genau diese Beweglichkeit wird beim Offshore-Windpark Veja Mate nun zum vermarkteten Angebot: Vattenfall meldet bis zu 200 Megawatt Regelreserve aus dem bestehenden Nordseepark. Für ein Stromsystem mit viel Wind- und Solarstrom zählt neben der erzeugten Menge zunehmend, wie verlässlich Anlagen auf kurzfristige Abweichungen reagieren können.

Die Mitteilung vom 19. Oktober nennt eine Präqualifikation in der Regelzone von TenneT. Vattenfall übernimmt als Direktvermarkter den Verkauf des Stroms. Veja Mate liegt rund 95 Kilometer nordwestlich von Borkum und verfügt nach Unternehmensangaben über 67 Windenergieanlagen mit zusammen 416 Megawatt Leistung. Die 200 Megawatt bezeichnen den möglichen Regelbeitrag; sie werden nicht zur Parkleistung addiert.

Zur Einordnung der Einheit: Megawatt beschreibt eine Leistung, also die Geschwindigkeit, mit der Energie umgesetzt wird. Wie viel Energie ein Abruf verändert, hängt zusätzlich von seiner Dauer ab. Würden beispielsweise 200 Megawatt eine Viertelstunde lang zusätzlich eingespeist, entspräche das rechnerisch 50 Megawattstunden. Das ist ein Rechenbeispiel, keine Angabe zu einem tatsächlichen Abruf oder einer zugesagten Einsatzdauer des Windparks.

Das Netz braucht ein Gleichgewicht, das ständig nachgeführt wird

Im Stromnetz müssen Erzeugung und Verbrauch zusammenpassen. Wird mehr Strom verbraucht als erzeugt, sinkt die Netzfrequenz. Bei einem Überschuss steigt sie. Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber erklären in ihren FAQ zur Regelreserve, wie flexible Anlagen diese Abweichungen vom Sollwert von 50 Hertz ausgleichen: durch zusätzliche Erzeugung, weniger Verbrauch oder die jeweils entgegengesetzte Anpassung.

Für einen Windpark heißt negative Regelreserve deshalb: Er verringert seine Einspeisung. Das hilft, wenn gerade zu viel Strom ins System gelangt. Positive Regelreserve bedeutet eine Erhöhung. Der Betreiber von Veja Mate nennt ausdrücklich beide Richtungen und die Präqualifikation für Sekundärregelleistung. Diese Reserve wird auch aFRR genannt. Für Minutenreserve seien die Vorbereitungen getroffen, schreibt das Unternehmen.

Zwei schematische Windparks verringern bei Stromüberschuss die Einspeisung oder erhöhen sie aus zuvor freigehaltener Reserve.
Negative Reserve senkt die Einspeisung; positive Reserve nutzt zuvor freigehaltene Leistung. Beide hängen vom verfügbaren Windangebot ab. Schematische Darstellung. (Quelle: KI generiert)

Mehr liefern setzt einen freien Spielraum voraus

Wind lässt sich nicht auf Bestellung verstärken. Die positive Reserve entsteht deshalb aus einem bewusst gewählten Ausgangspunkt. Ein Park hält einen Teil seiner möglichen Erzeugung zurück und kann bei Bedarf auf dieses Potenzial zugreifen. So beschreibt es der Leitfaden der Übertragungsnetzbetreiber für Windkraft und Photovoltaik. Die verfügbare Windleistung muss die zugesagte Reserve dabei tragen können.

Ein vereinfachtes Beispiel macht den Unterschied deutlich: Könnte ein Windpark bei den aktuellen Bedingungen 100 Megawatt liefern und speist zunächst 80 Megawatt ein, bleiben 20 Megawatt Spielraum nach oben. Liefert er bereits die möglichen 100 Megawatt, fehlt dieser zusätzliche Spielraum. Diese Zahlen erklären das Prinzip; sie beschreiben keinen gemessenen Betriebszustand von Veja Mate.

Auch für das Herunterregeln braucht es einen Bezugspunkt. Entscheidend ist, wie viel die Anlagen unter den jeweiligen Bedingungen ohne den Regelabruf eingespeist hätten. Der Leitfaden nennt dies die mögliche Einspeisung. Der Anbieter muss sie bestimmen, damit sich die gezielte Leistungsänderung von einer bloßen Veränderung des Windes unterscheiden lässt. Eine nachlassende Brise und ein angefordertes Herunterregeln können am Stromzähler zunächst ähnlich aussehen.

Aus technischer Eignung wird ein Marktangebot

Die Präqualifikation prüft die Eignung für diese Aufgabe. Was ein Anbieter anschließend tatsächlich anbietet, richtet sich auch nach Verfügbarkeit und Vermarktung. Laut den Netzbetreiber-FAQ können Gebotsmengen je Zeitabschnitt variieren; Wartung und Absicherung sind zu berücksichtigen. Die Vergabe erfolgt anhand der Angebote bis zur Deckung des Bedarfs. Bereitstehende Reserve und tatsächlich abgerufene Regelarbeit sind damit verschiedene Größen.

Die Bedeutung der Veja-Mate-Meldung liegt in einer zusätzlichen Aufgabe für einen bestehenden Windpark. Seine Einspeisung wird gezielt Teil des kurzfristigen Ausgleichs. Für den Betrieb rücken dadurch Wetterprognose, steuerbare Leistung und verlässliche Daten zusammen: Wie viel Strom könnte der Park gerade liefern, wie viel liefert er tatsächlich, und welcher Spielraum lässt sich verbindlich anbieten?

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.