Erneuerbare Energien

Offshore-Wind: BSH plant größere Abstände und verschiebt Ausschreibungen

Die neue Flächenplanung soll Nachlaufeffekte begrenzen. Für Offshore-Projekte ändern sich zugleich die zeitlichen Perspektiven.

Von Wolfgang

09. Okt. 20264 Min. Lesezeit

Konzeptionelle Illustration zum Thema Offshore-Wind: BSH plant größere Abstände und verschiebt Ausschreibungen mit vollständiger Überschrift und TechZeitGeist-Schriftzug

Mehr Abstand auf See soll den Wind besser nutzbar machen. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hat am 8. Oktober Änderungen an seiner Offshore-Flächenplanung angekündigt. Die Behörde will die Leistungsdichte in bestimmten Gebieten senken und das Gebiet N-10 neu aufteilen. Zugleich verschieben sich Ausschreibungen. Für Projektentwickler betrifft das sowohl die technische Auslegung als auch die Reihenfolge kommender Investitionen.

Der physikalische Hintergrund ist einfach: Eine Windanlage entzieht der Luft Energie. Hinter dem Rotor kommt deshalb zunächst weniger Windenergie an. Steht dort die nächste Anlage, kann deren Ertrag sinken. Eine große installierte Leistung auf engem Raum bedeutet folglich nicht automatisch eine entsprechend große Stromproduktion. Wie stark sich dieser Effekt auswirkt, hängt unter anderem von Windrichtung und Parklayout ab.

Die Planung verändert Fläche und Zeit

Nach der BSH-Mitteilung zur zweiten Änderung des Flächenentwicklungsplans wird N-10 größer gefasst und in drei Teilflächen untergliedert. Eine geringere Leistungsdichte soll mehr Abstand ermöglichen. Die Ausschreibungs- und Inbetriebnahmetermine für N-12.4 und N-12.5 werden dagegen auf unbestimmte Zeit verschoben. Für 2027 nennt die Behörde fünf Flächen mit insgesamt vier Gigawatt: N-10.1, N-10.2, N-10.3, N-13.1 und N-13.2.

Diese Angaben beschreiben eine Planung, keine bereits gebauten Anlagen. Zwischen Flächenfestlegung, Ausschreibung und Stromlieferung liegen unterschiedliche Schritte. Wer Projektmeldungen vergleicht, sollte deshalb nach dem jeweiligen Meilenstein fragen. Vier Gigawatt Ausschreibungsvolumen sind eine Leistungskategorie; sie sagen noch nichts darüber aus, wie viele Kilowattstunden später tatsächlich am Netz ankommen.

Warum der Wind hinter einem Rotor wichtig bleibt

Der sogenannte Nachlauf, häufig mit dem englischen Begriff Wake bezeichnet, ist kein scharf abgegrenzter Schatten. Hinter der Anlage verändern sich Geschwindigkeit und Strömung. Mit zunehmender Entfernung mischt sich die verlangsamte Luft mit ihrer Umgebung. Bei mehreren Anlagen können sich diese Zonen überlagern. Ein Park lässt sich daher nicht sinnvoll bewerten, indem man den Ertrag einer einzelnen, frei angeströmten Turbine einfach mit der Anzahl aller Turbinen multipliziert.

Windnachläufe zwischen Offshore-Windanlagen in einer schematischen Darstellung
Nachläufe verändern die Anströmung weiterer Anlagen. Die Grafik zeigt das Prinzip, keine Simulation eines geplanten Parks. (Quelle: KI generiert)

Dass solche Wechselwirkungen modelliert werden müssen, zeigt auch die Arbeit des damaligen US-Forschungslabors NREL (heute NLR). Dessen FLORIS-Modell zur Optimierung von Windparks beschäftigt sich mit Nachläufen und der koordinierten Steuerung von Anlagen. Das ist ein technischer Hintergrund zum Problem. Daraus lässt sich kein konkreter Mehrertrag für die jetzt geänderten deutschen Flächen ableiten.

Mehr Abstand hat einen Preis

Eine lockerere Anordnung kann gegenseitige Abschattung begrenzen. Sie verändert aber auch den Flächenbedarf und die Wege innerhalb eines Parks. Kabel, Wartungsfahrten und die genaue Position der Anlagen müssen mitgeplant werden. Die Frage lautet deshalb: Welche Anordnung liefert unter den Bedingungen dieses Standorts zuverlässig Strom und lässt sich wirtschaftlich bauen? Eine pauschale Regel, nach der der größte Abstand immer die beste Lösung wäre, wäre zu grob.

Für Entwickler wird damit die gemeinsame Betrachtung wichtiger. Ein Turbinenangebot mit hoher Nennleistung hilft nur begrenzt, wenn das vorgesehene Layout seine Möglichkeiten einschränkt. Umgekehrt kann eine Änderung der Anordnung Folgen für die Infrastruktur haben. Die politische Flächenplanung setzt einen Rahmen; die spätere konkrete Auslegung muss diesen Rahmen technisch ausfüllen.

Welche Aussage die Mitteilung noch nicht erlaubt

Das BSH beziffert in der Mitteilung keinen gesicherten zusätzlichen Jahresertrag durch die größeren Abstände. Ebenso wenig sind verschobene Flächen mit endgültig aufgegebenen Projekten gleichzusetzen. Für Investitionsentscheidungen bleibt entscheidend, welche Termine und Bedingungen in den nächsten verbindlichen Schritten festgelegt werden. Die angekündigte WindSeeG-Novelle befand sich laut Behörde noch im parlamentarischen Verfahren.

Der konkrete Fortschritt liegt zunächst in einer veränderten Planungslogik: Die Stromausbeute ganzer Gebiete erhält mehr Gewicht gegenüber der bloßen Verdichtung installierter Leistung. Ob die neue Aufteilung dieses Ziel erreicht, wird sich an den späteren Layouts und realen Betriebsdaten zeigen.

Für einen Projektvergleich müssen deshalb mindestens zwei Größen getrennt werden: die installierte Leistung und die unter den jeweiligen Windbedingungen erzeugte Energie. Zwei Flächen können ähnlich viele Megawatt aufnehmen und dennoch unterschiedliche Jahreserträge erreichen. Umgekehrt kann eine weniger dicht belegte Fläche weniger Nennleistung, aber günstigere Betriebsbedingungen bieten. Welche Kombination wirtschaftlich überzeugt, hängt zusätzlich von Baukosten und Erlösen ab. Die bloße Zahl der geplanten Anlagen beantwortet diese Frage noch nicht.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.