Technik

Nordlicht I hat alle 68 Monopiles: Jetzt fehlen noch die Windräder

Der Fundamentbau von Nordlicht I erreicht einen Meilenstein. Die 68 Stahlpfähle bilden die Grundlage für den Windpark, dessen Betrieb ab 2028 geplant ist.

Von Wolfgang

05. Okt. 20264 Min. Lesezeit

Offshore-Baustelle in der Nordsee, dominanter einzelner stählerner Monopile mit sichtbarem Übergangsstück, Installationsschiff und entfernte Fundamentstellen; keine bereits fertig bestückte Windfarm.

Bei Nordlicht I stehen nach einem Bericht von OffshoreWIND jetzt alle 68 Monopiles im Meeresboden. DEME habe mit dem Installationsschiff Orion den letzten dieser großen Stahlpfähle gesetzt. Damit erreicht der Offshore-Windpark in der deutschen Nordsee einen wichtigen Bauabschnitt. Strom liefern die Fundamente noch keinen: Sie bereiten die Stellen vor, an denen später Türme, Gondeln und Rotoren ihre Lasten in den Untergrund abtragen. OffshoreWIND.biz

Gerade dieser Unterschied macht den Fortschritt interessant. Eine Offshore-Anlage beginnt unter Wasser. Ihr sichtbarer Teil kann nur so groß werden, wie Fundament, Verbindung und Meeresboden es zulassen. Nordlicht I ist mit einer angegebenen Leistung von 980 Megawatt geplant. Zusammen mit dem 630-Megawatt-Projekt Nordlicht II bildet es einen Cluster rund 85 Kilometer nördlich von Borkum. Der Betriebsbeginn beider Projekte ist für 2028 vorgesehen. OffshoreWIND.biz

Ein Stahlpfahl trägt mehr als das Gewicht

Ein Monopile ist ein großes Stahlrohr, das tief in den Meeresboden eingebracht wird. Es trägt nicht nur das Gewicht der Anlage. Wind am Rotor und Wellen am Bauwerk erzeugen Kräfte, die den Turm seitlich belasten und wiederholt hin und her beanspruchen. Das Fundament muss diese Lasten über seine Verbindung zum Boden aufnehmen.

Der Fachbericht nennt für die bei Nordlicht I verwendeten Pfähle Längen von bis zu 80,5 Metern und Gewichte von bis zu 1.290 Tonnen. Hergestellt wurden sie von EEW Special Pipe Constructions in Rostock. Solche Abmessungen erklären, warum Transport und Installation eigene Spezialschiffe und detailliert vorbereitete Abläufe verlangen. Ein Stahlpfahl dieser Größenordnung ist kein Bauteil, das auf der Baustelle noch eben umgestellt wird. OffshoreWIND.biz

Nordlicht I hat alle 68 Monopiles: Jetzt fehlen noch die Windräder: Schema des Zusammenhangs; keine Messdaten.
Schema des Zusammenhangs; keine Messdaten. Grafik: TechZeitGeist.

Der erste Monopile des Projekts wurde laut OffshoreWIND am 1. Juli installiert. Ende September stellte DEME die beteiligten Mannschaften, Ingenieure, Techniker und Landteams in einer eigenen Projektmeldung vor. Der Auftragnehmer beschreibt darin seine Rolle am laufenden Bau und verweist auf die Projektvideos von Vattenfall. Die Meldung über den letzten Pfahl ergänzt diesen Baufortschritt nun um einen klar bezeichneten Abschluss. OffshoreWIND.bizDEME

Zwischen Boden und Turm liegt eine weitere Verbindung

Auf den Monopile folgt das Übergangsstück, in der Branche Transition Piece genannt. Es verbindet das Fundament mit dem späteren Turm und bietet zugleich Platz für die vorgesehenen Zugänge und technischen Anschlüsse. Der Fachbericht nennt CS Wind in Aalborg als Lieferanten dieser Komponenten. Das Schiff Sea Installer setzte Anfang August das erste Übergangsstück; dessen Installationskampagne sollte nach dem Bericht bald abgeschlossen werden. OffshoreWIND.biz

Die Bauzustände lassen sich deshalb gut getrennt lesen: Ein gesetzter Pfahl ist eine fertige Fundamentposition. Ein montiertes Übergangsstück bereitet den Turmanschluss vor. Erst danach kommen die großen sichtbaren Bauteile des Windrads. Zusätzlich müssen die Anlagen untereinander verkabelt und an die elektrische Infrastruktur des Windparks angebunden werden.

Wer eine Baustellenaufnahme sieht, kann aus der Reihe fertiger Fundamente somit eine konkrete Leistung ablesen: Die tragenden Positionen sind vorbereitet. Das sagt noch wenig über den Stand von Rotorinstallation, Verkabelung und Inbetriebnahme, weil diese jeweils eigene Arbeitsschritte sind. Gerade bei einem Projekt auf See können mehrere solcher Kampagnen zeitlich nebeneinander oder nacheinander laufen.

Der nächste Windpark beginnt mit derselben Grundarbeit

Für Nordlicht I sind 68 Turbinen vorgesehen, für Nordlicht II weitere 44. OffshoreWIND nennt insgesamt 112 Anlagen des Typs Vestas V236-15.0 MW. DEME ist für Transport und Installation der Fundamente und Übergangsstücke beider Projekte zuständig; bei Nordlicht II soll die Fundamentinstallation im kommenden Jahr beginnen. OffshoreWIND.biz

Der aktuelle Meilenstein gehört damit zu einem längeren Bauablauf. Für die Leser zeigt er vor allem, wie weit ein Windpark schon fortgeschritten sein kann, bevor die ersten Rotoren seine Silhouette bestimmen. Die Arbeit unter Wasser schafft die Voraussetzung für den späteren Energieertrag. Bei Nordlicht I sind diese 68 tragenden Ausgangspunkte jetzt gesetzt; die darauf aufbauenden Montage- und Elektrokampagnen führen weiter zum geplanten Betrieb.

Quellen

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