
Die Übertragungsnetzbetreiber haben vorläufige Netzentgelte für 2027 veröffentlicht. Verteilnetzbetreiber ziehen nach. Für Haushalte zählen vor allem regionale Unterschiede und ein Vorbehalt bis zum 7. Dezember 2026.
Am 1. Oktober 2026 legten die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber vorläufige Netzentgelte für 2027 vor. Wenige Tage später folgten Auswertungen zu Verteilnetzen für Strom und Gas. Viele Werte stehen noch unter Vorbehalt. Trotzdem lohnt der Blick jetzt. Denn Netzentgelte machen laut Netze BW im Schnitt rund ein Viertel der Jahresrechnung aus. Wer seinen Anbieter wechseln will, sollte wissen, welche Kosten er sowieso nicht umgehen kann.
Kurz gesagt
Auf Höchst und Umspannungsebene nennen die Übertragungsnetzbetreiber für 2027 vorläufig 3,54 Cent je Kilowattstunde. 2026 waren es 2,86 Cent. Ohne den geplanten Bundeszuschuss wären es 6,52 Cent. Der Zuschuss von 5,525 Milliarden Euro ist noch nicht gesetzlich abgesichert. Fehlt die Rechtssicherheit bis zum 7. Dezember 2026, können die endgültigen Entgelte deutlich höher liegen. Im Verteilnetz zeigt ene’t für Stromhaushalte mit 4.000 Kilowattstunden im Schnitt leicht sinkende Netzkosten. Gasnetz-Entgelte steigen im Schnitt um etwa 1,2 bis 1,4 Prozent. Regional liegen die Werte weit auseinander.
Was Netzentgelte auf der Rechnung sind
Netzentgelte sind Gebühren für den Transport von Strom oder Gas. Energieversorger zahlen sie an die Netzbetreiber. Sie rechnen die Kosten in den Tarif ein. Auf der Jahresrechnung erscheinen sie oft als eigener Block oder in den Preisbestandteilen.
Es gibt zwei Ebenen. Die Übertragungsnetzbetreiber betreiben die großen Leitungen. Die Verteilnetzbetreiber bringen Strom und Gas bis zum Hausanschluss. Beide Ebenen fließen in die Endkundenrechnung ein. Der Ort Ihres Anschlusses bestimmt den Verteilnetzbetreiber. Den können Sie nicht frei wählen.
Für Verbraucher wirkt das oft wie ein einheitlicher Strompreis. In Wahrheit setzt sich der Preis aus mehreren Teilen zusammen. Dazu gehören Beschaffung, Vertrieb, Steuern, Abgaben und eben die Netznutzung. Wer nur den Gesamtpreis vergleicht, übersieht leicht, welcher Anteil fest am Netzgebiet hängt.
Wie sich Börsenpreise und Modelltarife 2026 bewegt haben, ordnet unser Beitrag Strompreise im August ein. Netzentgelte sind davon getrennt. Sie folgen der Regulierung und den Preisblättern der Netzbetreiber.
Was die Übertragungsnetzbetreiber für 2027 gemeldet haben
50Hertz, Amprion, TenneT Germany und TransnetBW veröffentlichten am 1. Oktober 2026 gemeinsame vorläufige Entgelte. Mit dem geplanten Zuschuss aus dem Klima und Transformationsfonds soll das durchschnittliche Netzentgelt auf Höchst und Umspannungsebene 3,54 Cent je Kilowattstunde betragen. 2026 lag der Wert bei 2,86 Cent.
Ohne den Zuschuss nennen die ÜNB 6,52 Cent je Kilowattstunde. Das geplante Zuschussvolumen beträgt 5,525 Milliarden Euro. Es soll im Energiewirtschaftsgesetz verankert werden. Laut ÜNB fällt der Zuschuss für 2027 knapp eine Milliarde Euro niedriger aus als 2026.
Wichtig ist der Vorbehalt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung fehlte noch die Verabschiedung des Gesetzes für die Jahre 2027 bis 2029. Besteht bis zum 7. Dezember 2026 keine Rechtssicherheit, gehen die ÜNB davon aus, dass die endgültigen bundeseinheitlichen Übertragungsnetzentgelte entsprechend höher liegen. Die Werte in diesem Artikel sind deshalb vorläufig.
Den politischen Hintergrund des kleineren Netzzuschusses haben wir im Beitrag Netzzuschuss 2027 und Ihre Stromrechnung beschrieben. Hier geht es um die Entgelte selbst und um die Verteilnetzebene.
Strom und Gas im Verteilnetz: erste Trends
Die ene’t GmbH wertete am 8. Oktober 2026 die ersten vorläufigen Preisblätter aus. Für Strom lagen Daten von zwölf Netzbetreibern vor. Sie decken laut ene’t 56,6 Prozent des stromversorgten Gebiets ab. Für Gas waren es 46 Verteilnetzbetreiber mit rund 42,9 Prozent der gasversorgten Fläche.
Beim Strom sieht ene’t für Haushalte eine leichte Entlastung. Voraussetzung ist, dass Vertriebe die niedrigeren Netzkosten weitergeben. Ein Musterhaushalt mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch zahlt im nach Netzgröße gewichteten Durchschnitt 354,39 Euro für die Netznutzung. Das sind 1,0 Prozent weniger als 2026 mit 357,89 Euro. Alle ene’t-Werte verstehen sich netto.
Beim Gas steigen die durchschnittlichen Netzkosten laut ene’t in allen betrachteten Abnahmefällen. Ein Musterhaushalt mit 20.000 Kilowattstunden und 11 Kilowatt Anschlussleistung kommt auf 603,47 Euro. Das sind 1,2 Prozent mehr als 2026. Über die Abnahmefälle hinweg nennt ene’t Steigerungen von rund 1,2 bis 1,4 Prozent.
Ein einzelner Verteilnetzbetreiber kann davon abweichen. Netze BW meldete am 6. Oktober 2026 für Haushalte im Stromnetz rund 4 Prozent niedrigere Netznutzungskosten. Für Haushalte im Gasnetz nennt Netze BW im Durchschnitt rund 5 Prozent mehr. Über alle Gas-Kundengruppen hinweg spricht Netze BW von rund 7 Prozent.
| Ebene / Medium | Was sich 2027 vorläufig zeigt | Quelle und Stand |
|---|---|---|
| Übertragungsnetz Strom | 3,54 ct/kWh Durchschnitt Höchst und Umspannung (2026: 2,86). Ohne Zuschuss 6,52 ct/kWh. Vorbehalt bis 7.12.2026. | ÜNB-PM 01.10.2026 |
| Verteilnetz Strom (Schnitt) | Musterhaushalt 4.000 kWh: 354,39 € Netzkosten (−1,0 % zu 357,89 €). Basis: 12 Netzbetreiber, 56,6 % Gebiet. | ene’t 08.10.2026 |
| Verteilnetz Gas (Schnitt) | Musterhaushalt 20.000 kWh / 11 kW: 603,47 € (+1,2 %). Abnahmefälle insgesamt etwa +1,2 bis +1,4 %. | ene’t 08.10.2026 |
| Beispiel Netze BW Strom | Haushalt 3.500 kWh: rund −4 %. Grundpreis 84 €/a. Arbeitspreis 7,57 auf 7,17 ct/kWh. | Netze BW 06.10.2026 |
| Beispiel Netze BW Gas | Haushalte rund +5 %. Einfamilienhaus Arbeitspreis 2,91 auf 3,05 ct/kWh. Alle Kundengruppen rund +7 %. | Netze BW 06.10.2026 |
Eigene Übersicht, Stand 15.10.2026. Nur Angaben aus den genannten Primärquellen. Alle Entgelte sind vorläufig und können sich bis zum Jahreswechsel noch ändern.
Rechenbeispiel und regionale Spreizung
Für das Netzgebiet der Netze BW lässt sich ein Strombeispiel transparent rechnen. Annahme: Haushaltsanschluss mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch. Der Grundpreis bleibt laut Netze BW bei 84,00 Euro im Jahr. Der Arbeitspreis sinkt von 7,57 auf 7,17 Cent je Kilowattstunde.
Rechnung 2026: 84,00 Euro zuzüglich 3.500 mal 0,0757 Euro ergibt 348,95 Euro Netznutzung. Rechnung 2027: 84,00 Euro zuzüglich 3.500 mal 0,0717 Euro ergibt 334,95 Euro. Die Differenz beträgt 14 Euro weniger. Das entspricht rund 4 Prozent. Steuern und Vertriebsmargen sind darin nicht enthalten.
Bundesweit ist die Spreizung größer. ene’t nennt für den Musterhaushalt mit 4.000 Kilowattstunden im Netz der NordNetz 237,93 Euro. Bei Westnetz sind es 432,60 Euro. Bayernwerk Netz steigt in der Auswertung um 10,6 Prozent auf 329,40 Euro. Westnetz sinkt um 8,8 Prozent. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten erfassten Netz liegen laut ene’t knapp 195 Euro im Jahr.
Beim Gas ist die regionale Spanne noch größer. ene’t nennt für den Musterhaushalt mit 20.000 Kilowattstunden aktuell mehr als 676 Euro Unterschied zwischen dem teuersten und dem günstigsten erfassten Netz. Durchschnittswerte sagen deshalb wenig über Ihre konkrete Rechnung.
So finden Sie Ihren Netzbetreiber
Den Verteilnetzbetreiber finden Sie am einfachsten auf der Jahresrechnung. Suchen Sie nach den Zeilen Netzbetreiber, Verteilnetzbetreiber oder Netznutzung. Oft steht dort auch die Marktpartner-ID. Viele Lieferantenportale zeigen den Netzbetreiber im Vertragsbereich.
Auf der Website Ihres Netzbetreibers finden Sie die vorläufigen Preisblätter für 2027. Vergleichen Sie Grundpreis und Arbeitspreis mit dem Vorjahr. Achten Sie darauf, ob die Blätter ausdrücklich als vorläufig gekennzeichnet sind. Viele Betreiber veröffentlichen endgültige Werte erst zum Jahresende.
Notieren Sie sich drei Angaben. Erstens den Namen des Netzbetreibers. Zweitens den Grundpreis in Euro je Jahr. Drittens den Arbeitspreis in Cent je Kilowattstunde. Mit diesen drei Werten können Sie die ene’t-Durchschnitte und lokale Pressemitteilungen sinnvoll einordnen. Ein bundesweiter Schnitt ersetzt diese Prüfung nicht.
Wohnen Sie zur Miete, ändert sich am Netzanschluss nichts durch einen Lieferantenwechsel. Der Netzbetreiber bleibt derselbe. Nur der Vertriebstarif wechselt. Eigentümer mit Wärmepumpe oder Wallbox sollten zusätzlich prüfen, welche Netzkosten in ihrem Gebiet gelten. Zur Kostenlage bei Wärmepumpen siehe unseren Guide Wärmepumpe 2026: Kosten und Förderung.
Was das für einen Tarifwechsel heißt
Netzentgelte sind kein Wettbewerbspreis des Lieferanten. Sie hängen vom Netzgebiet ab. Ein günstiger Arbeitspreis im Vergleichsportal ersetzt nicht den Blick auf die Netzseite. Wenn Ihr Netz teurer wird, steigt der Kostenteil oft mit, auch bei einem neuen Anbieter.
Trotzdem kann ein Wechsel sinnvoll sein. Vertriebsmarge, Beschaffung und Bonusangebote unterscheiden sich. Dynamische Tarife koppeln den Energieanteil an Börsenpreise. Die Netzentgelte bleiben dabei ein eigener Block. Was hinter Modellersparnissen steckt, erklärt unser Beitrag Dynamische Stromtarife und Modell-Ersparnis.
Prüfen Sie vor dem Wechsel drei Punkte. Erstens: Stehen auf Ihrer Rechnung Netzentgelte oder Preisbestandteile klar ausgewiesen? Zweitens: Hat Ihr Netzbetreiber vorläufige Werte für 2027 veröffentlicht? Drittens: Enthält das neue Angebot eine Preisgarantie nur auf den Vertriebsanteil oder auf den Gesamtpreis?
Welche Fallen beim Anbieterwechsel 2026 teuer werden, fasst unser Ratgeber Stromanbieter wechseln 2026 zusammen. Kombinieren Sie diesen Check mit dem Blick auf Ihren Netzbetreiber. Dann vermeiden Sie falsche Erwartungen an die Netzkosten.
Fazit
Die vorläufigen Netzentgelte 2027 zeigen kein einheitliches Bild. Die Übertragungsnetzebene steigt laut ÜNB von 2,86 auf 3,54 Cent je Kilowattstunde. Ohne Zuschuss wären es 6,52 Cent. Im Verteilnetz sinken die durchschnittlichen Strom-Netzkosten für Haushalte nach ene’t leicht. Gas wird im Schnitt etwas teurer. Regional liegen die Werte weit auseinander.
Alle genannten Zahlen sind vorläufig. Der entscheidende Termin für den Bundeszuschuss ist der 7. Dezember 2026. Fehlt bis dahin die Rechtssicherheit, können die endgültigen Übertragungsnetzentgelte höher ausfallen. Verteilnetzbetreiber würden nachziehen. Ein Update mit den endgültigen Entgelten gehört deshalb in die Planung für Mitte Dezember.
Bis dahin gilt: Nutzen Sie die veröffentlichten Preisblätter als Orientierung. Rechnen Sie mit Ihrem eigenen Verbrauch. Und halten Sie den Vorbehalt der ÜNB im Blick, bevor Sie große Preisversprechen für 2027 für bare Münze nehmen.
Für Ihre Rechnung zählt vor allem Ihr lokaler Netzbetreiber. Lesen Sie die Jahresabrechnung. Prüfen Sie das Preisblatt 2027. Trennen Sie Netzkosten und Vertriebstarif. Dann wissen Sie, was ein Anbieterwechsel wirklich bewegen kann.
Quellen
- TransnetBW / ÜNB: vorläufige Netzentgelte 2027, Pressemitteilung 01.10.2026
- ene’t GmbH: Auswertung Netzentgelte 2027 Strom und Gas, 08.10.2026
- Netze BW: vorläufige Netzentgelte 2027, Pressemitteilung 06.10.2026
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